Oikocredit: Strategie für mehr Gerechtigkeit

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Die Mitglieder diskutieren kontrovers die Erwartung künftiger Dividenden: Am Pult der Vorsitzende Dr. Dieter Heidtmann und in der Mitte Schatzmeister Helmut Götz. FOTO: FROMM

Mit 125 weiteren Stimmberechtigten habe ich am Samstag an der Mitgliederversammlung des Fördervereins von Oikocredit Baden-Württemberg teilgenommen, der im Mai 2018 sein 40-jähriges Bestehen feiert . Der Verein umfasst aktuell 7323 Mitglieder (+ 470 binnen eines Jahres), die zusammen Genossenschaftsanteile im Wert von 132,6 Mio. Euro (+14,3 %) bei der internationalen Kreditgenossenschaft halten.

Insgesamt gibt es bundesweit acht solcher Fördervereine, die zusammen 24.752 Mitglieder (+5,2%) und 439 Mio. Euro (+12,8%) Einlagen haben. Damit sind die Baden-Württemberger mit im Schnitt 18.000 Euro Einlage je Person der stärkste Förderkreis bundesweit und die Deutschen innerhalb von Oikocredit die wichtigste Nation. Denn in Summe ist Oikocredit mit 1,2 Mrd. Euro (+17,8%) die weltweit größte Nicht-Regierungsorganisation in diesem Segment.

Oikocredit finanziert weltweit Mikrokredite für Frauen, die anders nicht an Kapital kämen. Gegründet wurde das Institut seinerzeit im Kontext des Weltkirchenrats. Die Hälfte der Kredite werden noch immer nach Südamerika vergeben. Mit 22 Prozent folgen Asien und mit 18 Prozent Afrika, wo sich das Engagement binnen dreier Jahre verdoppelt hat.

Aktuell liegt der Schwerpunkt territiorial auf Afrika und inhaltlich traditionell auf Existenzgründungen (78%). Immer sichtbarer aber werden strategische Investitionen in Landwirtschaft (15%) und erneuerbare Energien (4%), um strukturelle Veränderungen zu organisieren. Das Ziel für 2017, so der neue Vorstandsvorsitzende von Oikocredit International, der Niederländer Thos Gieskes, ist ein Wachstum von zehn Prozent. Noch wichtiger aber sei, die Bank zukunftsfähig zu gestalten.

Denn schon heute drücken niedrige Zinsen und Digitalisierung der Bankenbranche auf den Ertrag, der nur durch den Sondereffekt des Verkaufs einer Beteiligung in Kambodscha, was 22 Mio. Euro erbrachte, auf 27 Mio. Euro kam. Ohne diesen Effekt hätte sich der Überschuss gegenüber 2015 halbiert. Solche Sondereffekte durch Verkäufe werden immer wieder anstehen, da Beteiligungen strategisch ausgebaut werden.

Vor diesem Hintergrund diskutierten die Mitglieder kontrovers, ob sie weiterhin eine stabile Dividende von zwei Prozent wünschen, sofern der Jahresüberschuss das hergibt, oder diese senken und stattdessen lieber die Rücklagen stärken. Allerdings wehrten sich dagegen strategische Investoren, die bspw. die Rücklagen von Solarparks und anderen Genossenschaften hier parken und mit einer Dividende von zwei Prozent rechnen.

 

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Pulse of Europe: 100 Schorndorfer erstmals dabei

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Premiere in Schorndorf: Gestern haben sich erstmals 100 Bürger auf dem Marktplatz versammelt, um für ein vereintes Europa die Stimmen zu erheben. Bis September soll das Treffen wöchentlich stattfinden. FOTO: FROMM

Mehr als 100 Schorndorfer sind gestern spontan zur ersten Pro-Europa-Kundgebung „Pulse of Europa“ gekommen, die europaweit zeitgleich immer sonntags um 14 Uhr stattfindet. In der Daimler-Stadt hatten Alt-Stadtrat Karl-Otto Völker (SPD) und die Künstlerin Dorothea Schütz die Initiative ergriffen, mit der bundesweit in bereits 70 Städten Bürger sich zu Europa bekennen.

Die gut halbstündige Veranstaltung auf dem Marktplatz, zu der etliche Teilnehmer mit Europa- und EU-Flaggen kamen, war so gestaltet, dass Völker kurz begrüßte, ehe der Vorsitzende der Partnerschaftsvereine, Thomas Röder, über seine Beweggründe sprach. So sei er 1972 das erste Mal in der französischen Partnerstadt Thulle gewesen, wo es damals auf Grund deutscher Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg noch viele Vorbehalte gab.

Rund zehn weitere Redner, darunter Oberbürgermeister Matthias Klopfer und der Vorsitzende der Naturfreunde, Klaus Reuster, ergriffen das Mikrophon und sprachen spontan über ihre Motive. Dabei ging es viel um Frieden in Europa seit 1945, Reisefreiheit und Wohlstand dank offener Grenzen, Völkerverständigung, Demokratie und Solidarität.

Bis zur Bundestagswahl soll das Treffen nun wöchentlich wiederholt werden, teils bei der Stadtkirche sofern der Marktplatz durch andere Veranstaltungen belegt ist. Auch sollten mehr Teilnehmer anderer Nationalität für die Kundgebung gewonnen werden, leben doch Menschen aus 100 Nationen in der Stadt mit ihren 40.000 Einwohnern. Auffallend war, daß das Gros der Teilnehmer 55 Jahre und älter war. So sollen auch mehr junge Leute für den Pulse of Europe geworben werden.

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Skulpturen: Kirche fragt Kunst

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Zwei von 14 Nischen an der Schorndorfer Stadtkirche: Künstler aus der gesamten Republik zeigen bis 10. November Werke, mit denen sie den christlich-gesellschaftlichen Dialog fördern wollen. FOTO: FROMM

500 Jahre nach der Reformation leistet auch die Evangelische Stadtkirche Schorndorf ihren Beitrag: Am 1. April wurden 14 Skulpturen an der Außenfassade des Gotteshauses enthüllt, dessen Nischen in zehn Metern Höhe seit dem nachreformatorischen Bildersturm leer geblieben waren. Nur fünf der einst mehr als 20 gotischen Heiligenstatuen haben den religiösen Übereifer überlebt.

Unsere Pfarrerin Dorothee Eisrich, die immer wieder pfiffige Ideen kreiert und diese beharrlich umsetzt, hatte im Frühjahr 2016 den Impuls, einen Wettbewerb bundesweit auszuschreiben und Künstler aufzufordern und einzuladen, diese Nischen zeitlich befristet im Jubiläumsjahr wieder mit Skulpturen zu besetzen. So sollte ein Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft entstehen, die Kirche in ihr Umfeld strahlen und Martin Luther gewürdigt werden.

„Welche Thesen würde Luther heute an die Kirchentür schlagen?“ fragte die Theologin angesichts des Flüchtlingsstroms gen Europa, des Klimawandels, des wachsenden Nationalismus, des weltweiten IS-Terrors und vieler anderer kriegerischer Konflikte. Sie sammelte 50.000 Euro für den Wettbewerb, installierte eine Jury namhafter Kunstexperten und aktivierte 14 Künstler zur Teilnahme.

Seither inspiriert die Ausstellung, die bis Herbst dauert, zum Rundgang um die Kirche. Info-Tafeln sowie ein Katalog geben Erläuterungen zu jedem Werk und jedem Künstler. Der Stuttgarter Aktionskünstler Thomas Putze stieg zur Vernissage nackt per Hubsteiger, eingerieben mit Sandsteinfarbe, in seine Nische, um bei Temerapturen um die sieben Grad zehn Minuten als lebender Säulenheiliger zu verharren.

Lokalmatador Hardy Langer hat ein pinkfarbenes Männlein geschaffen, das wie auf einem Sprungbrett von seinem Sockel weg in die Welt laufen will, die Nische hinterlegt mit einem Spiegel. Die Botschaft: „Wer ankommen will, muss weggehen.“ Gleich daneben eine Leuchtreklame, die (mich) an ein Bordell erinnert. Deren fortlaufender Text: „Wir wollen Wunder.“ Und daneben, eine rote Fahne, die an 1. Mai-Kundgebungen erinnert, mit der Aufschrift: „Mittwoch.“

Begleitet wird die Ausstellung bis zur Finissage am 10. November von sieben Vorträgen. Allein schon die bisherige Medien- und Besucherresonanz bis hin zu einem TV-Beitrag im SWR zeigt, dass die Kampagne den richtigen Ton trifft. So macht Kirche Spaß, sie hat Relevanz und regt zum Nach-Denken an.

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Rauminstallation als Kreuz-ver-dichtung

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Ein kontinuierlicher Veränderungsprozess: Die Quader formieren sich seit Wochen zu einem Kreuz im Altarraum. FOTO: FROMM

Passend zur Fastenzeit hat der Vikar der Schorndorfer Heilig-Geist-Kirche mit zwei Ministranten eine Rauminstallation in dem Gotteshaus geschaffen, die bei Besuchern und Medien auf große Resonanz stößt. Die sieben aus Wellpappe gestalteten Quader, die in Bronzeoptik sehr massiv wirken, hängen seit Aschermittwoch in dem Sakralbau von der Decke.

Mehrfach haben sie seither ihre Position über den Kirchenbänken verändert und sind zunehmend Richtung Altarraum geschwebt, wo sie sich nun in der Karwoche zu einem monumentalen Kreuz verdichten. Intention der Künstler: Leben ist ein kontinuierlicher Prozess der Veränderung. Ein Weg des Kreuz-werdens, der untrennbar mit der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit verbunden ist.

 

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Tiefe Einblicke in digitale Zusammenhänge

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Günter Renz (r.) referiert in Adelberg auf Einladung von Klaus Schanbacher (l.): Ungerechtigkeit destabilisiert die Systeme. FOTO: FROMM

Dass ein digitales 9/11 kommt, scheint unter Hackern ausgemacht. Spannende Einblicke in die Internetwelt von Big Data hat Günter Renz am Freitag beim Adelberger Männervesper vermittelt. Die lebhafte Diskussion zeigte,  dass der Vize-Direktor der Bad Boller Akademie den Nerv der 20 Zuhörer traf.

„Wir wissen immer mehr und verstehen immer weniger“, führte der promovierte Theologe seine Zuhörer in einen faktengespickten Vortrag ein, in dem er zunächst die Verschwendungssucht der Menschheit seit 1950 aufzeigte, die seither exorbitant ansteigt. Demnach verbauen wir heute 20 Milliarden Tonnen Beton pro Jahr, verbrauchen 300 Millionen Tonnen Plastik, der CO2-Gehalt ist auf 400 Teile je Million Partikel gestiegen, die Erde hat sich bereits um ein Grad erwärmt und der Meeresspiegel ist seit 1916 um 20 Zentimeter gestiegen.

Parallel sind Kindersterblichkeit oder Analphabetentum weltweit auf unter zehn Prozent gesunken, das Wachstum der Weltbevölkerung hat sich deutlich verlangsamt und trotz mehr Menschen weltweit sank der Anteil der Hungernden von einer auf 0,7 Milliarden. Nach Erfindung der Dampfmaschine, der Elektrifizierung und der Automobilisierung leben wir nun, so Renz, im Zeitalter der Digitalisierung.

Hatte es noch 75 Jahre gedauert, bis die ersten 100 Millionen Menschen ein Telefon nutzten, dauerte diese Durchdringung beim PC nur noch 16 Jahre, beim Internet zwölf Jahre, beim Handy acht Jahre und beim Smartphone knapp fünf.

Dank milliardenfach preisgünstig verfügbarer Rechner- und Speicherkapazität sind künstliche Intelligenz, Blockchaine und Bitcoins bereits Realität. „Transaktionen von Geld oder Immobilien sind so tausendfach dokumentiert, dass es keine Banken, Notare und Kataster mehr braucht. Und Autos fahren bald autonom“, verdeutlicht Renz die Folgen. Per Virtual Reality könne man dank Big Data technisch bereits einen Urlaub im Wunschland simulieren, was ein hohes Suchtpotential in sich berge, sich der realen Welt zu entziehen. Ohnehin werde es immer schwerer zu unterscheiden, was real und was simuliert ist.

Andererseits könnten sich Arbeitgeber in den USA bereits die DNA potentieller Mitarbeiter geben lassen, um diese auf etwaige Dispositionen oder Eignungen hin prüfen zu lassen. Schon gebe es einen illegalen Handel mit gestohlenen Gesundheitsdaten, die je Person zwei Cent bis 2,40 Dollar kosteten. Damit war Renz auch beim jüngsten US-Wahlkampf, den der Republikaner Donald Trump wohl auch deshalb gewann, weil er mittels Datenauswertung gezielt Wähler identifizieren lassen konnte, die noch unentschlossen oder leicht beeinflussbar waren.

Schließlich warf Renz in einem geradezu dramatischen, einstündigen Vortrag auch Charts an die Wand, die etwa visualisierten, welche arabischen Ölstaaten Agrarflächen in Afrika für sich nutzen oder wie umfangreich in Laos und auf den Philippinen für China produziert wird. Oder dass der Pro-Kopf-Fleischverbrauch je US-Bürger bei 100 Kilo und Jahr liegt, in der EU bei 64 Kilo und in Indien bei drei. Dabei trage der Weltfleischkonsum ähnlich dramatisch zum Klimawandel bei, wie die CO2-Emissionen.

„Je größer soziale Ungerechtigkeiten in einem System sind, desto instabiler werden diese“, leitete der Referent in eine engagierte Diskussion über, die Klaus Schanbacher moderierte und in der es viel um ethisches Handeln generell und um persönliche Statements ging.

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„Neugierde als Startrampe zum Mitgefühl“

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Hat im Herbst 2015 eine Woche mit Flüchtlingen in einer Waiblinger Turnhalle gelebt: Lokalredakteur Peter Schwarz (r.) im Gespräch mit einem Gottesdienstbesucher. FOTO: FROMM

Eine Woche hat im Herbst 2015 Lokalredakteur Peter Schwarz mit Flüchtlingen in Waiblingen in einer Turnhalle gelebt und täglich ganzseitig in der Presse darüber berichtet. Für die Pfarrerin der Schorndorfer Stadtkirche, Dorothee Eisrich, war dies Anlass, ihn nun zur „Stadtkirche am Abend“ einzuladen, damit er über „Mitgefühl verändert“ spricht.

In seiner launigen Rede sprach Schwarz lieber von Neugierde als journalistischer Grundhaltung, die dem Mitgefühl vorausgehe und handwerklichen Grundprinzipien. Denn wer vor Ort recherchiert statt vom Büro aus, erhalte mehr Informationen und Eindrücke. Zudem freuten sich Menschen grundsätzlich, wenn man sich für sie interessiere. Und: Gute Reporter-Geschichten lebten davon, dass es Helden und Schurken gibt, weshalb man nie zu genau hinschauen dürfe, weil sich Klischees dann differenzierten.

„Alles ändert sich, wenn sich ein Aktenzeichen in einen Menschen verwandelt“, so Schwarz, der eine prägende Erfahrung aus seinem Elternhaus preisgab. Demnach war die Tochter einer befreundeten Familie gestorben und der kleine Peter erlebte die Diskussion seiner Eltern, in der die empathische Mutter dafür plädierte, die Freunde zu besuchen, während der intelligente Vater davor warnte, dies könne aufdringlich, peinlich und gar voyeristisch sein.

Die pragmatische Mutter setzte sich mit der Bemerkung durch „einfach mal hingehen und dann schauen.“ Und offenbar war dies die richtige Entscheidung. Auch über Redakteure sagt Schwarz, „es genügt nicht die Vogelperspektive.“ Ein Journalist müsse hinsehen und hingehen und sich berühren lassen. So kam es zu seinem Besuch in der Turnhalle und der später preisgekrönten Berichterstattung, die auch ich von Anfang an für die einzig richtige Vorgehensweise hielt.

So erlebte Schwarz Männer, die in Turnhallen – durch Bauzäune abgetrennt – zu acht auf Gevierten von 32 Quadratmetern lebten.  Sobald er ein solches Quartier betrat, waren die Rollen vertauscht – und er der Gast, der alle Gefühle mit den Männern teilte, tiefe Einblicke in ihre Traumata bekam und deren Gastfreundschaft trotz des Mangels erlebte. Bis zu dreimal habe er an manchen Tagen zu Mittag gegessen, so der Referent, der vom Ambo aus sprach.

Und da Schwarz auch schon nach dem Amoklauf von Winnenden im März 2009 vor Ort mit Opfern und Angehörigen sprach, ist er in sensiblen Situationen erprobt. Sein Credo: „Wenn man sich echt statt taktisch verhält, macht man nichts falsch.“ Intuitiv habe er stets angemessen reagiert, wenn der andere etwa geweint hat. Interesse am anderen sei wichtiger als ein „perfekter Gesprächsverlauf“. Die vielen Begegnungen inseinem beruflichen Alltag hätten ihn verändert, weil Nähe Mitgefühl stiftet.

„Neugierde hilft gegen Angst vor dem Fremden“, empfahl er seinen gut 100 Zuhörern, die ihm gebannt lauschten. Es sei sein berufliches Privileg, bis zur Schamlosigkeit neugierig sein zu dürfen. Neugierde, so der gebürtige Ellwanger, sei die „Startrampe zum Mitgefühl.“

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Unsere Agentur ein Topp-Arbeitgeber

Lkw-Bau Büro
Lkw-Montage zur Überprüfung der Teamfähigkeit: Bei einem Forschungsprojekt hat unsere Agentur als besonders effizient abgeschnitten. FOTO: HS

Von der Hochschule für angewandtes Management in Berlin haben wir es jetzt schriftlich: Unsere Agentur der-Medienberater.de ist ein super sympathischer Arbeitgeber, bei dem sich alle wohlfühlen, diskret geführt werden und eigenveranwortlich sinnvolle Aufgaben erledigen. Ermittelt haben die Wissenschaftler dies per Fragebogen im Vorfeld, den jeder für sich ausfüllen musste unter Angabe seiner Funktion im Unternehmen, und einem Praxistest, bei dem wir nach strengen Vorgaben kleine Lkw montieren mussten.

Zu dem Projekt kamen wir über einen Kunden, bei dem die Wirtschaftspsychologen den Test gleichfalls machten. Und weil zu dieser Zeit noch vier von insgesamt 40 oder 50 Teams gesucht wurden, die je sechs bis zehn Mitglieder umfassen sollten, meldeten wir uns mit unserer achtköpfigen Agentur.

Offenbar waren die Berliner bereits nach Auswertung unserer acht Online-Fragebögen neugierig auf uns, weil sie nirgendwo sonst offenbar eine solche Homogenität antrafen sowohl innerhalb eines Teams wie auch zwischen Chefs und Angestellten. Während es anderenorts kaum einmal fünf identische Bewertungen oder Einschätzungen gab bzgl. Führungsstil oder Aufgabenstellung, waren es bei uns gleich acht Antworten, bei denen sechs bis acht Beteiligte identisch votierten oder fünf mit „sehr wichtig“ und drei gleich daneben mit „wichtig“.

Diese Homogenität spiegelte sich beim Praxistext wider, bei dem wir in unserem Büro in vier Durchläufen unter jeweils anderen Prämissen binnen zehn Minuten möglichst viele Lkw aus rund 20 Komponenten fertigen mussten. Dabei waren die Rollen verteilt auf drei Monteure, zwei Logistiker, eine Qualitätsbeauftragte und einen Chef, der ich war. Neben dem Ergebnis der korrekt montierten Lkw war wichtig, ob der erste Lkw binnen zwei Minuten fertig war und wieviele Komponenten am Ende an den Montageplätzen noch übrig waren.

Von Durchgang zu Durchgang steigerten wir uns von sieben über 14 auf 20 und schließlich 21 Lkw. Ab dem dritten Durchlauf hielten wir auch das Zeitlimit von unter zwei Minuten für den ersten Lkw und verbrauchten außer im dritten Durchgang, in dem ich wegen eines Mißverständnisses weiter Material nachliefern ließ, kaum ungenutzte Komponenten.

Den drei Forschern fiel auf, dass niemand im Team vor dem vierten Durchlauf wissen wollte, wo die bisherige Benchmark lag; dass ich meine Mitarbeiter eher beruhigte und lobte statt anzutreiben und dass alle sehr gut kooperierten und sich auf Veränderungen einstellten. So war die Ausgangslage so, dass an einem Produktionsplatz das Material für 80 Prozent des Lkw lag, während die anderen nur zehn Prozent hatten.

Via Logistik und Prozessoptimierung glichen wir diesen Nachteil aus und als Chef diente ich der Logistik als Zuarbeiter, weil diese in Summe den Engpass bildete, der vom QM/Controller gegen Ende so justiert werden muss, dass in den letzten 70 Sekunden nur noch auf Sicht Komponenten nachgeliefert wurden, die tatsächlich noch verbaut werden konnten.

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Bruder Jakobus lehrt christliche ZEN-Meditation

009 Bruder Jakobus in GeislingenEine faszinierende Einführung in die christliche ZEN-Meditation hat gestern Abend Bruder Jakobus (OSB) in Geislingen gegeben. Eine 15-minütige Praxiserfahrung, die mir viel kürzer vorkam, rundete den Vortrag bei der Evangelischen Erwachsenenbildung ab. Bereits die Selbstvorstellung des Benediktiners faszinierte mich, der über eine Lebenskrise während des Jura-Studiums in Heidelberg, die er als Nahtoderfahrung nicht näher ausführte, sich „auf Gott ausrichtete.“

Als 30-Jähriger, der zuvor das Diplom in katholischer Theologie in Benediktbeuren erworben hatte, trat der 1949 in Mageburg Geborene in Beuron ein. Seither befasst er sich mit Hugo Lasalle (1998-1990), der sich nach einer Kriegsverletzung 1917 einem spirituellen Leben zuwandte und in Japan „missionierte“. Dies tat der spätere Ehrenbürger von Hiroshima primär dadurch, dass er die fernöstliche Kultur und damit den ZEN-Buddhismus besser kennenlernen wollte.

„Die benediktinische Kontemplation ist den Buddhisten vertraut“, sagt Bruder Jakobus während seines gut einstündigen Vortrags. Es habe für Lasalle gesprochen, den Japanern das Christentum nicht „überzustülpen“, sondern achtsam deren Seelen zu erforschen, um ihnen auf ihrem Weg das Wort Gottes zu verkünden. Immer wieder schlägt er in seinem theologischen Vortrag gleichermaßen kundig wie kurzweilig Bögen zur Weltgeschichte.

So habe die Seidenstraße als Handelsweg über Jahrhunderte den Austausch gefördert, dass sich westliche und östliche Glaubensimpulse wechselseitig befruchten. Das belegt er mit Bildern aus der Malerei, wo Jesus unterm Kreuz seine Mutter Maria und der Jünger Johannes zur Seite stehen. In Japan gibt es Bilder von Buddha („der ins Leben gerufene“), dem die Weisheit (= Johannes) und die Barmherzigkeit (= Maria) in Gestalt von Personen zur Seite stehen.

„Großes hat immer ganz klein angefangen“, ist etwa so ein Satz, mit dem Jakobus manchen im Saal tröstend berührt. Oder: „Wecke den Buddha in Dir, was will da ins Leben gerufen werden, was bisher als Potential schlummert oder vergraben ist?“ Die ZEN-Meditation diene genau dieser Entdeckung und der entsprechende Sitz, den er später bei der praktischen Übung auf einem Tisch einnimmt, sei eine „über Jahrtausende entwickeklte Kulturleistung“, weil in dieser Haltung „die Energie bestmöglich durch unseren Körper fließt.“

Der Meditierende sitze wie der Berg Fuji und seine Gedanken zögen vorbei wie die Wolken. Dabei warte er, teils unter Schmerzen, auf den Moment, in dem der Blick frei und ungetrübt wird und er ganz klar hört und sieht. Deshalb lasse er „die Wolken“ (= Gedanken), aber auch die Schmerzen kommen und gehen. Es gehe um das Loslassen – und empfangen.

Ich hätte Jakobus noch Stunden zuhören können und vielleicht besuche ich einmal einen seiner Kurse. Morgen fahre ich ohnehin für eine Woche nach Beuron, um Urlaub im Ambiente dieser Klosteranlage zu machen und im Rhythmus der Mönche mitzuleben.

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Vorbild an Wahrhaftigkeit: Wolf Biermann

007 Biermann-Biographie
Ein absolut lesenswertes Buch: Die Biographie des aufrechten Demokraten Wolf Biermann. FOTO: FROMM

Aktuell lese, um nicht zu sagen verschlinge, ich die gut 500 Seiten dicke Autobiographie von Wolf Biermann, die kurz vor Weihnachten erschienen war. Die Lebensgeschichte des Liedermachers, der in seiner Begeisterung für den Kommunismus 1953 freiwillig von Hamburg in die DDR zog, ist ein grandioses Zeugnis für seine Zivilcourage einerseits und die Korrumpierbarkeit der allermeisten Bürger andererseits.

Die Biographie ist ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument, das das Ende der Weimarer Republik, den Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 und das geteilte Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg beleuchtet. Viele Politiker der (Welt-)Geschichte und der Kultur bis hin zu Harry Belafonte oder Joan Baez, die Biermann in der DDR besuchte und in der Friedensbewegung der 1980er-Jahre wieder traf, stehen im Kontext zu dem berühmten Deutschen.

Viele Namen wie der Dissident Robert Havemann, der als kommunistischer Wissenschaftler das KZ überlebte und gleichfalls als Querkopf schon bald den Stalinisten in der DDR lästig wurde, kommen bei der Lektüre in Erinnerung und zeichnen ein Gesamtbild. Dieses bestand in der Sehnsucht, den Nationalismus und den Kapitalismus zu überwinden, die aktuell fast in der ganzen Welt wieder Hochkonjunktur haben.

Biermanns Biographie ist mir eine Bestätigung, dass die Ablehnungen, Verdrehungen und Missachtungen, die auch mir immer noch widerfahren, in Ordnung sind und Teil des frei gewählten Weges, die eigenen Werte zu leben. Denn sittlich reif für den Kommunismus, also das Gemeinwohl als oberstenPrimat, waren und sind nur wenige, etwa Biermann oder Havemann.

Statt aber dafür geehrt und in führende Positionen gebracht zu werden, weil man von ihnen Werte wie Charakter, Mut, Selbstdisziplin oder Großmut lernen kann, wurden sie diskreditiert, ausspioniert, verleumdet, hintergangen, behindet und als Verräter gebrandmarkt. Womit sie in guter Gesellschaft sind – mit Mahatma Ghandi, Martin Luther King, Nelson Mandela oder Jesus.

Mit Empörung las ich, dass Biermanns Vater als überzeugter Kommunist 1943 im KZ umkam, und die Witwe als Genossin bis zu ihrem Tod als Arbeiterin in Hamburg dem Kommunismus treu blieb, obwohl ihr Sohn in dessen Namen drangsaliert wurde. Erst im Westen schwor er schweren Herzens diesem Ideal ob, woraufhin ihn westdeutsche Idealisten für einen Verräter hielten. Ja, soviel Dummheit und Schubladen-denken muss man aushalten. Danke, Wolf Biermann, für Dein Vorbild.

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Männerarbeit: Mehr Kooperation und Austausch

Worldcafe in Zierenberg 02-2017
Befindlichkeiten erfragen und Ideen kreieren: Beim Weltcafé im Rahmen der MKP-Mitgliederversammlung haben sich bundesweit 18 Männer eingebracht. FOTO: LANGE

Mit dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden von MKP Deutschland, Terje Lange aus Stuttgart, habe ich jüngst bei der Mitgliederversammlung und dem „Welt-Café“ in Kassel den Süden Deutschlands vertreten. Nach meiner Initiation 2013 war dies mein erster MKP-Termin auf Bundesebene und es war ein wunderbares Gefühl, die Männer aus Kiel, Hamburg, Münster oder Braunschweig kennenzulernen, die ich teils aus dem Chat und aus Erzählungen kannte.

Als am Nachmittag der Bundesvorsitzende Kai Tesmer und Terje den Stab niederlegten, um zu visualisieren, dass ihn jeder Mann persönlich und individuell aufnehmen kann und soll, erzeugte dies tiefe Kraft in unserer 19-köpfigen Runde. Anschließend erarbeiteten wir an vier Tischen in wechselnden Konstellationen, was wir tun können, um die aktuell bundesweit 28 Regionalgruppen (I-Groups) stärker, deren Leitung vielfältiger und MKP als Anlaufstelle für Männer bekannter zu machen.

So werden wir das Mentoring, also die Verbindung zwischen Trainings auf Bundesebene und den 300 Männern in den Gruppen, systematisieren und regionalisieren, damit mehr New Warrior in die Gruppen münden. Generell ist uns der Austausch der Gruppen untereinander wichtig. Idealerweise besuchen sie sich gegenseitig und Männer nehmen sich vor, etwa jeden vierten Gruppenabend in einer auswärtigen Gruppe zu verbringen.

Angeregt wurde auch, dass sich die 28 Leiter der Gruppen bundesweit austauschen. So hat etwa Kiel sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Männer schon früh in die Leitung von Abenden und Prozessen einzubinden, um sie damit zu fördern und innerhalb der Gruppe keine Hierarchien entstehen zu lassen.

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