Mutter lebt ihren Traum als Autorin konsequent

Odine Raven ist das Pseudonym einer Buchautorin, hinter dem sich eine Lehrerin und Dozentin versteckt, die im Alltag einen Haushalt mit drei Schulkindern führt und in ihrer knappen Freizeit singt und schreibt. „Ich nehme mir bewusst Auszeiten. Die Familie lernt damit umzugehen, dass die Mama bis in die Nacht am Computer sitzt“, bekennt Raven im Online-Magazin EditionF.

Sie bekomme sehr viel Unterstützung von Familie und Freunden. Die Bügelwäsche müsse dann eben mal etwas länger warten. Und: Nicht zu schreiben – oder zu singen – wäre schlimmer. „Denn jedes Element ist Teil meines Lebens. So wie ich es leben will. Es ist mir ein Bedürfnis herauszuschreiben, was mich bewegt,“ sagt die Autorin.

Sich nicht den Erwartungen anderer unterzuordnen, nicht auf den vermeintlich günstigeren Zeitpunkt für die Erfüllung eigener Bedürfnisse zu warten, sondern im Hier und jetzt ein spannendes, glückliches Leben zu leben – das genauso zu sehen haben ihr die Vampire, bon denen ihr jüngstes Buch handelt, das im Eigenverlag erscheint, beigebracht.

Und genau deshalb schreibe ich über diese Frau hier. Sie kreiert sich ihr Leben statt gelebt zu werden. Damit ist sie Vorbild und Beispiel, wie es geht, „gelingend zu leben“ und nicht Opfer zu sein, sondern Täterin. Aktuell lädt sie ihre Leser ein, ihren Vampir-Roman „Derius“ mit in den Urlaub zu nehmen, sich mit ihrem Exemplar vor den dortigen Sehenswürdigkeiten zu fotografieren und ihr das Bild zu schicken. Diese Urlaubsgrüße sollen anschließend auf Ravens Webseite veröffentlicht werden – denn von Marketing versteht die sympathische Autorin auch etwas.

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Muver: Veränderung beginnt im Kopf

Mit „Aufschlagen und Einschlagen – Der Tatgeber für den Muve nach oben“ hat Manuel Marburger im Mai 2017 im Klecks Verlag einen Leitfaden für Erfolg herausgebracht. Auf 198 Seiten legt der 43-Jährige, für den wir seit März die Kommunikation machen, in 45 Kapitelchen unterhaltsam dar, was einen Existenzgründer oder Unternehmer erfolgreich macht. Die Fibel dient im Kern der Selbstmotivation und transportiert die Botschaften: Glaube an Dich und fokussiere Dich auf ein Ziel.

Das Neue und Sympathische an dem Büchlein: Hier schreibt kein Besserwisser, sondern ein Pragmatiker, der jede Hirnwindung seiner Leser zu kennen scheint. Einfühlsam und liebevoll geht der Unternehmensberater und Speaker (siehe Video), der mit 25 Jahren seine erste Firma gegründet hat, auf die Selbstzweifel und die Ängste vor dem Scheitern ein, die oft schon die halbe Energie rauben. Die fehlt dann dem Handelnden, eben dem Muver, beim Erreichen seiner Ziele.

Konsequent duzt der Autor seine Leser, was Distanz abbaut, Vertrauen stiftet und die Glaubwürdigkeit der flott geschriebenen Zeilen erhöht. Fast hat der Leser den Eindruck, mit einem „kleinen Mann im Ohr“ Zwiesprache zu halten, der ihn mal anspornt, mal warnt. Dieser ganz besondere Duktus, die Schlichtheit der Sprache und die transportierten Lebensweisheiten machen die Lektüre so lesenswert.

An vielen Stellen fühlt man sich ertappt oder zum Ausprobieren eingeladen. „Wir blicken Dir ins Hirn, nicht bloß auf die Stirn. Verlass Dich drauf,“ ist so ein appellativer Satz. Oder „Bleib dran! Bleib echt! Bleib ehrlich! Bleib Du!“, so eine Formel für den Erfolg, die der Leser regelrecht meditieren kann. Man spürt dem Autor, der selbst drei Berufe erlernt und 2013 seine größte Firma mit einem Millionengewinn verkauft hat, an, dass er sich viel mit Psychologie und Glaubenssätzen befasst hat, die jeden von uns prägen – aber auch behindern.

„Aufschlagen und Einschlagen“ mit einem Vorwort von Commedian Bernhard Hoecker lädt niederschwellig dazu ein, sich diese Muster für sich selbst mal näher anzuschauen und Freude am Experiment zu entwickeln. Um damit eben ein Muver zu werden, wie Marburger diesen Menschentypus nennt, der alte Zöpfe abschneidet und sich neue Freiräume durch Handeln erschließt.

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Firmung: Tolle junge Menschen kennengelernt

018 Firmgruppe mit Bischof
Wunderbare junge Menschen: Ein Teil meiner Firmlinge am Samstag nach dem Gottesdienst mit Bischof Gebhart Fürst. FOTO: FROMM

Seit November hatte ich zehn junge Leute, drei Mädchen und sieben Jungs, auf ihre Firmung vorbereitet, die ihnen am Samstag Bischof Dr. Gebhart Fürst in der Schorndorfer Heilig-Geist-Kirche gespendet hat. Zehn Abenden und zwei Samstagvormittage hatte ich mit den 15-Jährigen zu gestalten. Meine Motivation dabei: Mit Jugendlichen in Kontakt kommen, wahrnehmen wie diese drauf sind und idealerweise meinen Glauben an Gott weitergeben, damit auch bei meinem Begräbnis genügend Menschen noch in der Lage sind „Großer Gott wir loben Dich“ zu schmettern.

In der Vorbereitung der Abende erhielten wir jede Menge Papier und Kopien, mit denen wir hätten arbeiten können/sollen. Doch weil mich das sehr an Religionsunterricht erinnerte und ich selbst Ideen hatte, die ich ausprobieren wollte, machte ich komplett mein eigenes Ding. Und Treffpunkt war jeweils der Besprechungsraum in meinem Büro, damit ich keine Zeit verliere oder Absprachen treffen muss.

Beeindruckt haben mich von Anfang an Pünktlichkeit und Vollständigkeit der Gruppe, in der vor allem Jugendliche aus italienischem oder polnischem Elternhaus noch Grundzüge einer christlichen bzw. katholischen Sozialisation wie etwa gemeinsames Tischgebet oder Gottesdienstbesuch am Sonntag hatten. Daran messe ich zwar nicht Frömmigkeit, aber es geht viel (Glaubens-)Substanz verloren, wenn schon Grundgebete wie das Glaubensbekentnis oder Basiswissen über die Sakramente nicht mehr vorhanden sind.

In meinen zehn Stunden setzte ich vor allem auf Selbsterfahrung und erzählte viel aus meinem Leben, welche Erlebnisse und Erfahrungen ich mit Kirche verbinde, wann mir mein Glaube half oder wie ich mit Zweifeln und Dogmen umgehe. Mehrmals lud ich die Jugendlichen ein, reihum laut auszusprechen, was sie an sich selbst gut finden. Und als sie anfangs nur Schulerfolge und andere „externe Leistungen“ aufzählten, spiegelte ich ihnen das.

An weiteren Abenden konnten sie sich dann selbst loben, dass sie etwa gut zuhören können, toll aussehen oder schön singen. Dabei beeindruckte mich, mit welcher Ernsthaftigkeit diese jungen Menschen dabei waren. So erhöhten wir bald den „Schwierigkeitsgrad“ und sie sollten sich gegenseitig Dinge sagen, die sie aneinander schätzen. Auch hier wurde es sehr intim, ohne dass gelacht wurde.

Mein Transfer dabei bestand einzig darin, dass ich ihnen sagte, dass jeder ein Ebenbild Gottes ist und deshalb diese Göttlichkeit in jedem von ihnen sichtbar ist – spätestens wenn man genau hinschaut. Deshalb ging es mir an den Abenden, an denen ich etwa von den Kriegserlebnissen meines Vaters erzählte, vor allem um Achtsamkeit.

Einmal setzten wir das Gleichnis, in dem der Weinbergbesitzer jedem am Abend denselben Lohn zahlt, als Streitgespräch um, in dem der Arbeitgeber, ein Gewerkschafter und ein Arbeiter miteinander diskutieren, was gerecht ist. Schnell merkten meine Firmlinge, wie politisch die Bibel ist. Manchmal bat ich sie auch von ihren Niederlagen zu erzählen und wie sie damit umgehen. Und einmal war mein Bruder zu Gast, der vom Sterben seiner Tochter erzählte. Auch hier war ich tief berührt, wie achtsam „meine“ Jugendlichen nachfragten.

Nun bin ich gespannt, wie es in deren (religiösem) Leben weitergeht und was „hängen bleibt“ von dem, was ich ihnen vermitteln wollte. Ich werde für diese jungen Menschen beten und bin dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte. Denn diese jungen Leute sind großartig und es nervt mich, wenn meine Generation über sie (oder Flüchtlinge) herzieht, obwohl sie kaum welche persönlich kennt.

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Autorenlesung: Zwei Männer leben ihre Träume

001 Fiore (l.) und Heiko (quer)
Büchertausch im Gosbacher Dojo: Gastgeber Fiore Tartaglia (l.) und Heiko Schwarzburger, beide überzeugte Karateka, überreichen sich gegenseitig eines ihrer Bücher. FOTO: FROMM

Champions League, Pfingstferien und subtropische Temperaturen haben am Samstag das Zuhörer-Potential für die Autorenlesung mit H.S.Eglund in der Gosbacher Kampfsportschule Taikikan drastisch reduziert.  Umso intimer waren der Kreis; das, was gesprochen wurde und was aus dem Liebes-Roman „Zen Solar“ gelesen wurde. Und immerhin: Die Presse war auch da.

So erfuhren die Zuhörer von Photovoltaik-Chefredakteur Heiko Schwarzburger, dass er sich das Psyeudonym zugelegt hat, um bei Internetrecherchen als Romanautor immer an erster Stelle zu stehen. Denn als Fachautor bringt er es unter seinem Namen auf gut 11.000 Treffer. „Eglund“ dagegen sei die sächsische Aussprache eines schwedischen Eishockey-Nationalspielers, der in den 1980er Jahren populär war und dem der stattlich gebaute Schwarzburger offenbar glich.

Der Autor ist in Leipzig geboren, hatte ursprünglich Dreher gelernt und in der NVA seinen dreijährigen Wehrdienst absolviert. 1989 war der Regime-kritische Ingenieur in Dresden dabei als die Stasi-Behörde gestürmt wurde. Nach der Wende schrieb er in Berliner Tageszeitungen über Umweltsünden der DDR bspw. im Braunkohle-Tagebau und gründete später die „Photovoltaik“, um seinen Beitrag zur Energiewende und zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten.

In einem ersten Roman „Die Glöckner von Utopia“ hatte der aktive Karateka über die politische Wende in Ostdeutschland geschrieben. „Zen Solar“, Ende 2016 erschienen, befasst sich nun mit der Energiewende, bei der es im Kern, so Eglund, um die Autonomie des Menschen gehe. Damit schlägt er die Brücke zum Zen und der fernöstlichen Philosophie der Bedürfnislosigkeit.

Entsprechend ist „Zen Solar“ in die fünf Teile Erde, Wasser, Feuer, Wind und Leere unterteilt, die den Elementen im Zen entsprechen. Der Roman ist autobiographisch angelegt und hinter dem freien Journalisten Fred Winter, der sich in die alleinerziehende Mutter Judith verliebt, verbirgt sich der Autor.

An der bayerisch-tschechischen Grenze lernt Fred Ingenieure kennen, die Windräder (Zen-Element Wind, „windger Typ“ etc.) installieren. Dabei thematisiert er die Ost-West-Problematik mit einstigem Feind- und Grenzland, wo nun beidseitig Windräder statt Raketen stehen und es um Energiewende statt Atomkrieg geht und um solare Wärme statt Kaltem Krieg. Eglunds Botschaft: Die Zeiten werden besser.

Schwarzburger, der jährlich bundesweit rund 60 Lesungen hält, fühlte sich geehrt, erstmals in einem Dojo lesen zu dürfen. Mehr noch: Mit Gastgeber Fiore Tartaglia, einem gebürtigen Neapolitaner, traf er auf einen weiteren Grenzgänger, der sich neben seinem Beruf als Graphiker schon vor 20 Jahren den Traum von der eigenen Kampfsportschule erfüllt hat.

Und als Europas meistgelesener Karatebuchautor mit einer aktuellen Gesamtauflage von 47.000 Büchern in vier Sprachen, der diese im Eigenverlag publiziert, hatten die beiden sehr viele Gemeinsamkeiten. Diese spürte man in der Wertschätzung, die die beiden einander entgegenbrachten und wie sie miteinander kommunizierten.

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Lesetipp: Märchenbuch für Führungskräfte

017 Du bist einmalig (Buch)Das Kinderbuch „Du bist einmalig“ von Max Lucado sollte zur Pflichtlektüre für Erwachsene werden. Besonders, wenn sie Führungsverantwortung haben. Denn dann wird ihr Hebel größer, an dem sie Frieden und Erfolg oder Unfrieden und Chaos in die Welt bringen. Die wunderschönen und einfühlsamen Illustrationen von Sergio Martinez machen das Büchlein zur Herzenssache.

Und darum geht es: Die „Wemmiks“ sind ein Volk von Holzpuppen, die alle der Schnitzer Eli sehr unterschiedlich gestaltet hat. In ihrem Dorf haben sie die Angewohnheit, gelbe Sterne für Positives zu vergeben und schwarze Punkte für Negatives. Alle Bewohner haben einen riesen Stress, immer mindestens einen Stern mehr als Punkte zu haben.

Punchinello, der nur Punkte hat, ist deshalb total unglücklich. Eines Tages trifft er Lucia, die weder Sterne noch Punkte hat, aber total glücklich ist. Sie gibt Punchinello den Tipp, einfach öfter den Schnitzer Eli zu besuchen. Aber mehr verrate ich nicht. Nur soviel: Ich bestelle das Büchlein am Dienstag bei der Bücherstube Seelow (bei Amazon kaufe ich nichts) 20 Mal.

Denn als Coach hatte ich genau dieses Thema zuletzt am Donnerstag wieder im Kreis von Führungskräften. Da bringe ich künftig „Du bist einmalig“ mit. Und mein Exemplar bekommt mein bester Freund, der heute Geburtstag hat. Erschienen ist das Büchlein übrigens im SCM-Verlag und kostet 8,95 Euro.

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Führen nach der Regel des Hl. Benedikt

016 Erbe und AuftragGute Bekannte wissen, dass ich ein großer Freund der Benediktiner und Verehrer von deren Ordensgründer bin, ob dessen Klugheit. So verwundert es nicht, dass ich deren Ordenszeitschrift Erbe und Auftrag abonniert habe, mit deren Herausgeber Pater Abtpräses Dr. Albert Schmidt OSB ich seit Jahrzehnten befreundet bin.

In seinem aktuellen Heft, das dem Thema „Heute Abt sein“ gewidmet ist, schreibt der argentinische Benediktiner Bernardo Olivera, der von 1990 bis 2008 erster nichteuropäischer Generalabt der Trappisten war, über seine Führungserfahrung. Eindringlich beschreibt der 74-Jährige das komplexe Wechselspiel von Gehorsam und Weisheit im Kontext von Führen und Dienen.

In seinem lesenswerten Aufsatz, den er ursprünglich als Vortrag vor Ordensoberen verfasst hatte, skizziert er fünf Felder des Führens, auf denen sich eine christliche Führungskraft bewähren muss: In der Fürsorge (als Vater), in der Formung (als Lehrer), in der Pastoral (als Hirte), in der Besserung (als Arzt) und in der Verwaltung (als Manager).

Weil kein Abt all diese Qualitäten in seiner Person vollkommen vereine, brauche er die Achtsamkeit, seine eigenen Grenzen zu erkennen; die Klugheit, von den richtigen sich Unterstützung zu holen und die Bereitschaft, sich permanent zu hinterfragen und zu entwickeln. Wo diese fünf Säulen, die der Ordensgründer in seiner Regel definiert hatte, aus der Balance kommen, drohe der Niedergang.

Eine häufige Fehlentwicklung, so der Autor, liege darin „das Administrative an die Stelle der Vaterschaft“ zu setzen. Eine solche „Verschiebung wird zur Ursache für den Niedergang“. Ich könnte noch weiter zitieren oder mit dem Text exzellent in den Trainings und Coachings arbeiten, die ich seit 2015 vermehrt in Firmen gebe. Ich arbeite dort gerne mit Klärungen, die sich aus den drei Schritten Fakten (Administration), Gefühle (Vater) und Urteile (Lehrer) zusammensetzen, zu denen mir diese Verknüpfung mit den benediktinischen Begriffen kommt.

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Lebensqualität: Eine Frage der Wertschätzung

Will ist die Hauptattraktion einer Freakshow. Er lebt ohne Arme und Beine. Eines Tages wird Zirkusdirektor Mendez auf den jungen Mann aufmerksam. Zum ersten Mal erlebt Will, gespielt von dem Autor und Prediger Nick Vujicic, so etwas wie Wertschätzung. Er schließt sich dem „Butterfly Circus“ an und lernt, dass auch er nicht wertlos ist.

Der inspirierende und ermutigende Kurzfilm zeigt, wie wichtig gegenseitige Wertschätzung und Respekt füreinander sind. Zugleich ist Vujicic, der selbst ohne Gliedmaßen geboren wurde, auch im realen Leben ein Mutmacher: Denn wenn wir ständig auf unsere Defizite schauen, wachsen unsere Defizite. Wenn wir dagegen auf unsere Ressourcen und Potentiale blicken, nähren wir diese.

In diesem Sinn: Gute Unterhaltung und viel Vergnügen beim selbst ausprobieren.

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Bestseller: Mutige Abrechnung mit Mohamed

015 Mohamed-Buch
Schnell und verständlich zu lesen: Die kritische Auseinandersetzung mit Mohamed. FOTO: FROMM

Was das Christentum spätestens seit Karl-Heinz Deschners „Konzil der Buchhalter“ und Forschungsliteratur rund um den historischen Jesus bereits hinter sich hat, hat der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad den Muslimen mit seinem Buch „Mohamed – Eine Abrechnung“ mit seinem gut 200 Seiten dünnen Taschenbuch serviert: Einen Beitrag zur Reflexion und Aufklärung.

Der Sohn eines muslimischen Gelehrten entfaltet in dem Spiegel-Bestseller die Biographie des 570 in Mekka als unehelichem Kind geborenen Propheten. Bereits als Sechsjähriger stirbt seine Mutter, womit er Vollwaise wird und fortan beim geliebten Großvater lebt, der wiederum zwei Jahre später stirbt. Abdel-Samad wählt neben der Quellenauswertung einen psychotherapeutischen Ansatz, um sich dem historischen Mohamed zu nähern.

So heiratet er 595 eine Unternehmerin, in deren Firma er zunächst Karawanenführer wird. In Summe hat der Prophet mehr als zehn  Frauen und während er in Mekka friedlich predigte und verlacht wurde, werden seine Positionen nach der Übersiedlung nach Medina und dem Aufstieg zur Macht unerbittlich und teils grausam. Immer wieder verweist der Autor auf den historischen Kontext, um Mohamed zu beleuchten, was ja auch bei der Analyse von Altem und Neuem Testament sinnvoll ist.

So postuliert Abdel-Samad, das fünfmalige Gebet pro Tag habe in Mohameds Wunsch nach Kontrolle seinen Ursprung. Auf diese Weise habe er seine Getreuen in kurzen Abständen um sich scharen und sich ihrer Loyalität versichern können. Bei den vielen rituellen Waschungen, die angesichts des Wassermangels in der Wüste die Nachfolge erschweren, vermutet der Autor einen Waschzwang Mohameds, für den er auch glaubt, Belege zu haben.

Desselben legt er nahe, Mohamed habe eine Art Epilepsie gehabt und in Verbindung mit den körperlichen Reaktionen habe er seine Eingebungen gehabt. Ohnehin habe der Religionsgründer vermutlich nicht schreiben können, so dass schon hier Diktier- und Übertragungsfehler naheliegen, für die das Buch einige Belege bietet. Vermutlich sei er auch Narzisst gewesen, was seine fehlende Empathie plausibel mache.

Schließlich gibt der Autor, der sich vom „strengen“ zum „liberalen“  Moslem gewandelt hat, eine Idee, worin die Abgrenzungstendenz der Muslime in den offenen Gesellschaften ihre Ursache haben könne: Der Spott abendländischer Kritiker über Gott und das Christentum empöre Muslime insofern, dass sie fürchten als nächstes werde auch ihre Religion beschmutzt. Die „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie oder die Karikaturisten von Charlie Hebdos scheinen dies zu bestätigen.

Die Intention dahinter: die eigene Religion schützen vor Verunglimpfung. Tatsächlich aber gehe es um eine kritische, reformatorische und exegetische Auseinandersetzung auch mit dem Islam, um letztlich in eine tiefere, spirituelle und damit friedlichere und erlöstere Ebene vordringen zu können. Ein gleichermaßen lesens- wie liebenswertes Buch, das in der aktuellen Lage doch auch einigen Mut erfordert, geschrieben, verlegt und empfohlen zu werden.

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Eurovision Song Contest & Revanchismus

Es mag eine steile These sein, aber der Eurovision Song Contest scheint mir schon deutlich mehr von politisch-taktischen Erwägungen geprägt zu sein, denn von musisch-kreativen Neigungen. Zwar sind Pop und Schlager nicht meine Genre, aber von Musik verstehe ich zumindest soviel, dass die deutschen Beiträge der vergangenen Jahre nicht schlechter waren als viele deutlich besser platzierte aus „Sympathieträger-Nationen“.

Kann es also sein, dass der Wettbewerb jährlich eine günstige Gelegenheit bietet, dem (über-)mächtigen Deutschland, das in Engineering, Exportüberschuss, EU-Politik, Fußball, Pro-Kopf-Einkommen, BSP etc. überall die Nase vorne hat, den Stinkefinger zu zeigen? Dass man unterschwellig assoziiert, die Nazi-Enkel und -Ur-Enkel können doch gar keine schöne Musik machen?

Dass Zypern Griechenland die Höchstpunktzahl gibt und die Griechen den Zyprioten, darauf kann man schon fast wetten. Die Ukraine gibt den Weissrussen zwölf Punke, egal wer singt. Und die Australier machen es mit dem Mutterland des Commenwealth ebenso. Und die Schweizer und Österreicher mit ihrem Minderwertigkeitskomplex gegenüber Deutschland können dagegen nach dieser Logik gar keine Punkte vergeben.

Und warum vergibt Irland als einzige von 42 (!!!) Nationen-Jurys überhaupt Punkte an den deutschen Song von Levina und dann auch noch gleich drei? Kann das mit den Waffenlieferungen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg an die katholischen Iren zusammenhängen, die dadurch britisches Militär banden? Ich fände spannend, hinter all dem Glamour und der vermeintlichen Leichtigkeit mal die nationalen Traumata anzuschauen.

Respekt für die Souveränität, mit der Deutschland immer wieder Sänger in den Wettbewerb schickt. Dieser Sportsgeist gefällt mir. Oder ist das am Ende auch nur ein Trauma, von den Nachbarn in Europa und der Welt endlich geliebt werden zu wollen? Mich erinnert das Gegockele des Wettbewerbs mehr an spielerisch getünchten Revanchismus.

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Performer stiehlt den Kollegen die Schau

008 Künstler-Talk 05.05.2017
Interessanter Talk (v.l.): Thomas Putze, Angela M. Flaig (verdeckt), Moderatorin Ariane Braun (Stuttgarter Zeitung), Andreas Schmidt, Hardy Langer und Ursula Quast. FOTO: FROMM

Im Mittelalter war Kunst exklusive Auftragsarbeit der Kirche zur Glaubensvermittlung. Die Künstler waren interessensgetrieben und die Skulpturen, Bilder und Fresken damit letztlich manipulativ. Deshalb stürmten die „Protestanten“ auch die Kirchen und zerstörten die vorhandene Kunst weitgehend als Akt der Emanzipation.

17 Skulpturen zieren im Rahmen des Luther-Jahres seit 1. April in zehn Metern Höhe nun wieder die seit der Reformation verwaisten Sockel der Schorndorfer Stadtkirche. Bis zur Finissage am 10. November finden sieben Begleitveranstaltungen statt, von denen ein Gespräch mit vier der 17 ausstellenden Künstler kürzlich im Altarraum der Kirche stattgefunden hat.

Im Beisein von 80 Besuchern wurde deutlich: Heutige Künstler mögen religiös sein, ihre Kunst ist aber meist ideologiefrei. Für Angela M. Flaig, in Kirchenkreisen etablierte Künstlerin aus Rottweil, gilt dies nicht. Für sie stehen die pflanzlichen Flugsamen, mit denen sie arbeitet, für Fortpflanzung und die Schöpfung per se. Sie ist in Schorndorf mit einer großen Röhre vertreten, die sie mit fixierten und verblühten Löwenzahn-Blüten befüllt hat.

In krassem Gegensatz zu ihr steht der Berliner Künstler Andreas Schmidt, der schon – an einen Bürostuhl gefesselt – durch Stuttgart gerollt ist oder in 30 Metern Höhe auf dem Ausleger eines Krans genächtigt hat. In Schorndorf ist er mit einer roten Fahne vertreten, auf der in schwarzer Schrift Mittwoch steht.

Seine Intention: Er will experimentieren und Selbsterfahrungen machen. Mit der Idee der Fahne hatte er zunächst Hemmungen, sich im Rahmen eines kirchlichen Projekts, auf das sich 100 Künstler bewarben, mitzumachen. Doch dann fand er den theologischen Unterbau: Mittwoch stehe für den Griechen-Gott Merkur und im englischen Wednesday sei noch der Wortstamm Wotan zu erkennen.

Seine These: Mit der Banalisierung der Wochentagsbezeichnung auf ihre Funktion, die Mitte der Woche, habe die Kirche das Heidnische verdrängt und die Kultur christianisiert. Die Flagge selbst steht für ein Bekenntnis. Hardy Langers Männchen, das ich hier im Foto schon gezeigt habe, sei kein Flüchtender, sondern ein Hörender, so der Schorndorfer Künstler.

Seine pinkfarbene Skulptur, die wie auf einem Sprungbrett steht, visualisiere seine Bereitschaft zum Risiko und spiegele letztlich seine biographischen Suchbewegungen wieder. Denn Langer ist getauft und konfirmiert, sei aber heute „eher auf Distanz zur Kirche“. Umso mehr freut ihn, wie nun Kunst und Kirche in diesem Projekt den Dialog suchen.

Mit Thomas Putze saß auch ein gelernter Landschaftsgärtner und studierter Theologe in der Runde, der bundesweit mit seiner Performance-Kunst sehr gut im Geschäft ist. In Schorndorf gehörte ihm bei der Vernissage die ganze Aufmerksamkeit, weil er sich nackt, nur eingerieben mit Sandstein-farbenem Lehm, für zehn Minuten in bitterer Kälte auf seinen Sockel stellte.

„Weil jede Skulptur ein Abbild ist und jede Art der Bekleidung eine Codierung, habe ich mich für die Nacktheit entschieden, obwohl das meinen pubertierenden Kindern furchtbar peinlich war“, sagt der per Bahn angereiste Stuttgarter. Die Aufregung um seine Performance erklärt er sich so, dass sich eben mancher wünsche, dass wenigstens die Kirche ein nicht-sexualisierter Ort bleibe.

Ursula Quast, die das Kunstprojekt initiiert hatte, betont, dass die Performance nicht in der Kirche, sondern an deren Außenfassade stattgefunden hat und Putze nichts Pornografisches gemacht habe, sondern lediglich unbegleitet war, wie Gott ihn schuf. Interessant sei gewesen, dass die Jury, die sich über drei Generationen und über mehrere Professionen erstreckte, einmütig war in ihrem Votum für diese 17 Künstler.

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