Presse giert nach dem Superlativ

Erinnern Sie sich noch an Skispringer „Flying Eagle“, den Engländer, der in den 80er-Jahren u.a. bei den Olympischen Winterspielen in Calgary immer weit abgeschlagen hinter dem Vorletzten landete? Er war der Star der internationalen Sportberichterstattung, weil neben den Siegern und Erfolgreichen immer auch der voyeristische Blick der Öffentlichkeit auf den Verlierer (und seine Gefühle) interessant ist. Gute Journalisten wissen das und befriedigen diesen Instinkt. Clevere Selbstbewußte wie damals „Flying Eagle“ kokettieren damit – und machen ihren Deal. Noch heute erzielt „Flying Eagle“ ein gutes Honorar, wenn er in Kaufhäusern oder Verkaufsveranstaltungen seine Story erzählt, wie es damals war bei Olympia und als Looser.

Aktuell gibt es eine Neuauflage dieser Version: Nach 2006 und 07 setzt der Belgier Wim Vansevenant alles daran, auch bei der diesjährigen „Tour de France“ den letzten Platz zu behaupten und damit einen Hattrick zu landen, der einmalig in der Tour-Geschichte ist. Auch bei dem 36-Jährigen funktioniert der Effekt, dass sich Redakteure für den Letzten interessieren. Das „bringt“ ihm Medienberichte und TV-Interviews und macht ihn somit als Werbefigur interessant. Der Radprofi garantiert sogar eine sympathische Identifikation, weil er im Gegensatz zu den Siegertypen nicht unter dem Verdacht steht, gedopt zu sein. Zudem belegt sein letzter Rang, dass er alles für sein Team „Silence Lotto“ gibt, um seinem Kapitän Cadel Evans (2. Platz 2007) zum Sieg zu verhelfen: Er bietet ihm Windschatten bis zur Selbstaufgabe, holt ihm Wasserflaschen oder Regenjacke oder bremst schon mal gegnerische Fahrer aus.

Die Beispiele belegen, dass die Medienszene nicht zwingend auf „höher, schneller, weiter“ konditioniert ist, sondern eben generell auf Superlative, die auch variieren können. Gute PR-Berater bedienen diesen Medienbedarf und kommunizieren ihr Extrem entsprechend. Den „verschämten Hochpreisigen“ kann man gleich als „den Teuersten“ positionieren oder für PR-technische Nobodys deren Superlativ finden. Daraus kann die Firma mit dem dynamischsten Wachstum, der besten Eigenkapitalquote oder der kürzesten Warenumschlagszeit werden und schon hat man eine Story.

Brilliant war auch der Hotelier, der mit dem „garantiert kinderfreien Hotelaufenthalt“ geworben und damit einen Aufschrei der Medien hervorgerufen hat. Der Mann hat gar nichts gegen Kinder, weiß aber, dass es Menschen gibt, die im Urlaub ihre Ruhe wollen. Gerne würde ich noch weitere Kategorien eröffnen, wenn sich nur die Firmen/Kunden fänden, die den erforderlichen Mut mitbringen.

Das Foto zeigt übrigens den radsportbegeisterten Autoren auf dem Mt. Ventoux. Ohne dieses Hobby wäre mir vermutlich der „belgische Looser“ nie aufgefallen und hätte mir somit die Idee für diesen Wortbeitrag gefehlt.

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Pressearbeit erhöht die Marktchancen

Der Dialog mit der Öffentlichkeit hat für innovative Betriebe längst begonnen. Der Grund: Wenn alle Anbieter ein gutes Preis-Leistungsverhältnis haben, werden am ehesten die Unternehmer interessante Aufträge bekommen, die als leistungsfähig bekannter sind. Doch den Weg in die Medien muss man kennen. Dazu einige Tipps.

1. Die Medienstrategie: Erfolg ist kein Zufall

Überlegen Sie, was aus Ihrem Betrieb berichtenswert ist: Ein interessanter Auftrag; eine innovative Weiterbildungsmethode für die Belegschaft; ein spannendes Kooperationsprojekt mit der örtlichen Hauptschule? Wenn Sie nichts Besonderes machen, sind Sie keinem Redakteur eine Nachricht wert. Innovative Ideen, neue Zusammenhänge und Exklusivität sind gefragt. Damit bringen Sie sich ins Gespräch und überzeugen ganz nebenbei auch Ihre Hausbank von Ihrer Kreditwürdigkeit. Zur Medienstrategie gehören aber auch die richtigen Adressaten (Presseverteiler) und der richtige Zeitpunkt (Planung).

  1. Das Unternehmen: PR ist Chefsache

Wenn Sie nicht davon überzeugt sind, dass gute Pressearbeit Erfolg verspricht, dann lassen Sie’s ganz, um Journalisten nicht unnötig zu belästigen. Wenn Sie aber erahnen, welche Chancen sich Ihnen hierdurch bieten, dann thematisieren Sie „Pressearbeit“ regelmäßig. „Vermarkten“ Sie Erfolge wie eingeführtes Controlling, erfolgreiche Lehrlinge oder zufriedene Kunden und denken Sie an den Nutzen für mögliche Leser. Notfalls schaffen Sie berichtenswerte Fakten, in dem Sie z.B. an einem Wettbewerb teilnehmen und wenigstens den dritten Preis machen, denn erkenn- und unterscheidbar müssen Sie ohnehin werden.

  1. Die Schnittstelle: Wie Sie Journalisten neugierig machen

Pflegen Sie Kontakt mit Journalisten, die Sie bei der Lossprechungsfeier Ihrer Kammer, im Gemeinderat oder beim Neujahrsempfang Ihres Sportvereins finden können. Oder schauen Sie mal auf einen Sprung in der Redaktion vorbei, wenn Sie etwas Wichtiges mitzuteilen haben. Ermitteln Sie, welcher Redakteur thematisch (Wirtschaft) oder territorial (Stadt, Kreis etc.) für Sie zuständig ist und fragen Sie ihn, ob er Ihre Infos lieber per Fax, Mail oder Telefon haben will.

  1. Der Pressetext: Wie Nachrichten aufgebaut sind

Besuchen Sie ein Presseseminar, das manche Volksbanken, Kreissparkassen oder Innungskrankenkassen (kostenlos) anbieten oder organisieren Sie über Ihren Verband/Kammer selbst eines. Denn Redakteure ertrinken fast in Informationen, weshalb bereits die ersten Sätze Ihrer Einladung/Ihres Pressetextes den Kern einer interessanten Nachricht bieten müssen. Dasselbe gilt für das Telefonat, sonst werden Sie rasch abgewimmelt und allenfalls als „nervig“ wahrgenommen.

  1. Die Tipps: Der Beginn einer erfolgreichen Pressearbeit

Solange Sie nur an Ihre (preisgünstige) PR denken, werden Sie nur mäßigen Erfolg haben. Denken Sie in den Kategorien von Journalisten und helfen Sie denen, ihr Lokalblatt oder Fachmagazin interessanter zu gestalten. Dazu gehört Ihrerseits Offenheit, damit sich der Redakteur nicht nur benutzt fühlt. Erzählen Sie ihm auch mal „Geschichten“, an deren Veröffentlichung er mehr Interesse hat als Sie, z.B. wie Sie mit der schlechten Zahlungsmoral Ihrer Kunden umgehen oder wie Sie Ihre Mitarbeiter zu mehr Serviceorientierung bringen.

6. Das Fazit: Haben Sie Geduld

Bei all Ihrem Engagement sollten Sie bedenken, dass Öffentlichkeitsarbeit in der Regel erst langfristig wirkt. Bringen Sie neben Engagement und Professionalität deshalb auch Geduld und Verständnis für die Rolle des Redakteurs mit, den Sie von Ihrer News überzeugen wollen. Ganz neue Chancen bietet Ihnen die Vielzahl neuerdings freier Journalisten, die meist noch über einen guten Draht zu ihren früheren Arbeitgebern verfügen und zudem Ihre „Mitteilungen“ journalistisch angemessen umsetzen können. Leicht können Sie auf diese „Freien“ bei einem Pressetermin treffen und Kontakt knüpfen, denn diese Selbstständigen leben auch von Aufträgen. Viel Erfolg.

Zur Person:

Leonhard Fromm (45) ist Medienberater in Göppingen. Der Theologe war zehn Jahre Lokal- und Wirtschaftsredakteur verschiedener Tageszeitungen und Pressesprecher der Stadt Göppingen. Heute berät er Firmen und Wirtschaftsverbände, hält Seminare (Foto) und Workshops zu Öffentlichkeitsarbeit und arbeitet als freier Wirtschaftsjournalist. Kontakt: www.der-Medienberater.de, Tel. 07161/918942.

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Was gute Pressearbeit kostet

Die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) hat im Frühjahr 2008 bei ihren Mitgliedern Zahlen erhoben, was PR kostet. Für kontinuierliche Betreuung und Beratung sind demnach je nach Umfang und Größe des Kunden monatliche Pauschalen von 2300 bis 14000 Euro fällig. Pressekonferenzen auszurichten, berechnen die PR-Agenturen mit 5100 Euro (lokal/regional) bis 9400 Euro (überregional). PR-Konzepte, die individuell auf den Kunden zugeschnitten sind, liegen demnach preislich zwischen 2200 Euro (kleine Konzeption) und 8450 Euro (große Konzeption). Für das Texten und Versenden von Pressemitteilungen legen die Agenturen Stundensätze von 90 bis 135 Euro zugrunde.

Die genannten Preise sind für mich plausibel und bei engagierter Arbeit auch ihr Geld wert, rechnet man etwa die Kosten für Anzeigen oder andere Werbemaßnahmen dagegen. Bezogen auf die genannten Preise bewegen sich meine Dienstleistungen deutlich am unteren Rande, zumal ich auch Aspekte wie Repräsentanz oder Verwaltung sehr gering halte.  Ich komme eben aus dem Journalismus, wo nicht die Inszenierung, sondern nüchterne Fakten und hohe Effizienz im Vordergrund stehen. Das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis bestätigen mir vor allem Kunden, die zuvor mit Agenturen in den klassischen Medienhochburgen München, Hamburg oder Köln zusammengearbeitet haben, wo schon die Büromieten deutlich teurer sind als bei uns in Göppingen, 40 km von Stuttgart. Nach Jahren sehr guter und vertrauensvoller Zusammenarbeit verraten mir Kunden gelegentlich, dass sie bei mir bspw. nur ein Drittel für eine teils vierfache Leistung bezahlen gegenüber der Agentur, von der sie sich zuvor enttäuscht verabschiedet hatten.

Solches Mißverhältnis von Preis und Leistung hat viele Gründe: Wenn die Kontakte zu relevanten Medien und Redakteuren gut sind, kommt die PR-Agentur gezielter zum Erfolg und muss den Kunden nicht aufwändige Suchschleifen bezahlen lassen. Wenn der Kunde vom Inhaber oder zumindest einem journalistischen Profi betreut wird, ist das Ergebnis auch deutlich besser als wenn er intern heimlich weitergeleitet wird an irgendeinen Anfänger oder Praktikanten, der nicht jahrelang Redaktionsluft geatmet hat. Wichtig ist aber auch, ob der Kunde etwas taugt. Hat er den Mut zu klaren Aussagen oder  gibt er nur laue Textsoße frei? Hat er Strategie und meßbaren Erfolg, damit es überhaupt etwas Neues zu sagen gibt oder läuft er der Branche hinterher?

Weil ich mir mit dem Schritt in die Selbstständigkeit 2002 vorgenommen habe, möglichst wenige Kompromisse machen zu müssen, arbeite ich nur für Kunden, die etwas taugen.  Denn der Kunde muss mein strategisches Vorgehen und die Regeln des Journalismus verstehen, um mir nicht ständig Knüppel zwischen die PR-Beine zu werfen. Positiver Nebeneffekt: In vielen Redaktionen mag man meine e-Mail-Adresse sogar, weil meine Anhänge keine heiße Luft liefern, sondern brauchbares Pressematerial in Wort und Bild. So schließt sich der Kreis von Preis und Leistung. Jeder bekommt, was er verdient.

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Klare Botschaften statt Phrasen

Kompliment an das bei Haufe erscheinende Marketingmagazin „acquisa“, das dem 2004 abgestürzten PR-Profi Moritz Hunzinger (auf dem Foto rechts mit PR-Berater Leonhard Fromm) in seinem Juni-Heft ein Forum gegeben hat. Denn bei allen Kopplungsgeschäften, die der Frankfurter Shootingstar etwa mit Rudolf Scharping oder Cem Özdemir gemacht hat, beherrschte er doch das PR-Handwerk par excellence und versorgte den gierigen News- und Polittalk-Markt stets mit neuem Futter. Deshalb war es auch ein Vergnügen, den mittlerweile 49-Jährigen vor drei Jahren persönlich zu treffen. Er selbst ist das beste Beispiel, wie brutal der Markt funktioniert: 20 Jahre lang suchen Politiker, Unternehmer und Journalisten seine Nähe, um von seinen Kontakten und Informationen zu profitieren, aber als seine Methoden öffentlich werden („auffliegen“), setzt die Empörung ein und er wird zur persona non grata. Dabei hat er es im Kern lediglich verstanden, Themen so zu focusieren, dass man sie versteht und Medien sie aufgreifen. Darin war/ist er ein Meister, der Volontäre ausbilden sollte.
Seine Rolle hat er so souverän ausgefüllt und die Erfolge gaben ihm Recht,  dass seine Kunden es als Privileg empfanden, dass er für sie arbeitete. Damit gab er die Regeln vor. Statt leerer Worthülsen, mit denen Mächtige Redakteure nur benutzen wollen, ließ Hunzinger seine Kunden klare Botschaften formulieren – und in den Medien damit Gehör finden.  Seine Arbeitsprinzipien sind heute noch Grundlage  erfolgreicher PR: Ereignisse schaffen, die berichtenswert sind; interessante Köpfe präsentieren, die etwas zu sagen haben und über tagesaktuelle Verteiler verfügen, die treffsicher sind. Nach diesem Prinzip arbeite auch ich seit acht Jahren konsequent und habe deshalb Freude an der Selbstständigkeit. Denn der Erfolg kommt dann quasi von alleine. Er darf einem aber nicht in den Kopf steigen, weil Hochmut kommt vor dem Fall. Im Kern muss ein seriöser PR-Berater dienen und sich in den Dienst von Botschaften stellen, die er für berichtenswert hält.

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Emotionen schaffen Betroffenheit

Während klassischer Journalismus in der Beobachterrolle bleibt, wird der gute PR-Berater zum Akteur. In vielen Fällen empfehle ich, Themen zu emotionalisieren, um im Dickicht beliebiger Informationen Betroffenheit und Identifikation zu erzielen.  Es ist die Kunst, Fakten auf den Wahrnehmungshoriziont  der gewünschten Zielgruppe herunterzubrechen. Ein gutes Beispiel ist aktuell der Ingenieurmangel. Klassischer Journalismus berichtet darüber, dass nun 50000, 75000 oder 100000 Ingenieure fehlen und appelliert in einem Kommentar vielleicht dazu, dass mehr junge Leute ein Ingenieurstudium beginnen sollten. Ich mag das nicht mehr lesen. Es nervt.
Nur einen Tick besser sind die öffentlichkeitswirksamen Events wie „Girl’s Days“, Tage der Technik oder Schnuppertage an Hochschulen, zu denen Schulklassen an Unis gekarrt und Journalisten eingeladen werden, darüber zu schreiben. Das funktioniert zwar formal, aber Begeisterung unter jungen Leuten löst dies nicht aus, einen technischen Studiengang zu belegen, und die Presseartikel machen auch nicht wirklich Appetitt. Im Gegenteil: Andere Fakten, wie etwa, dass jeder dritte Ingenieurstudent mittlerweile das Studium abbricht, weil ihm Mathematik- und Physikkenntnisse fehlen, sind gleichfalls Realitäten, die in das Gesamtbild gehören.
Mit der Göppinger Hochschule für Mechatronik bin ich aktuell in Gesprächen, wie junge Leute auf deren Studienangebote anspringen und überhaupt davon erfahren. Deshalb müssen Beiträge am Erfahrungshorizont der Studenten ansetzen, die selbst zweifeln, ob sie das mathelastige Studium schaffen; bei deren Motiven, warum sie sich dem Studium stellen oder ihrem Alltag, wie sie die Anstrengungen bewältigen. Dazu kann auch zählen, dass die Uni Mathenachhilfe anbietet oder diese über jene Betriebe (und deren Rentner) organisiert, die händeringend den technischen Nachwuchs brauchen. Auch Partys und Studentenszene müssen beleuchtet werden, um ein ganzheitliches Bild vom Mechatronikstudium zu zeichnen.
Und schließlich müssen auch die Kommunikationskanäle überprüft werden. Denn längst erreicht die Tageszeitung nicht mehr viele junge Leser. Jugendmagazine, Schülerzeitungen, Weblogs sind eher Informationskanäle, die die jungen Leute nutzen. Gerne würde ich mit einer Göppinger Szenebar den „Mechatronikstudenten des Monats“ casten oder gemäß „Big Brother“ in einem Format monatlich einen Studenten durch sein Studium begleiten. Es ist längst Zeit, ungewöhnliche Wege zu gehen und Neues auszuprobieren.  Ich bin gespannt, was wir davon umsetzen können und wie gut auch die Betriebe mitziehen. Denn Nachwuchsgewinnung und Qualifizierung sind längst zur volkswirtschaftlichen Aufgabe geworden, bei der nicht zu kurz springen darf, wer den Erfolg will.

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Marke bilden und kommunizieren

Ernst Prost (Foto), den Inhaber von Liqui Moly in Ulm zu interviewen, ist ein Erlebnis. Der Selfmademan aus Altöttung kam 1990 als Vertriebschef zu dem Schmierstoffhändler. Seit 1993 erwarb der gelernte Kfz-Mechaniker Anteile an der Firma seines Arbeitgebers, seit 1998 gehört ihm die Firma ganz und 2006 übernahm er in Saarlouis noch den angeschlagenen Hersteller Méguin, der zuvor Liqui Moly beliefert hatte. Die Folge: Seit 1990 hat Prost den Umsatz seiner Marke auf 210 Millionen Euro vervierfacht und seinen Marktanteil bundesweit auf mehr als 25 Prozent erhöht.
Im Kern sind die Produkte der Ulmer weder besser noch günstiger als die der Mitbewerber. Aber Liqui Moly versteht sehr viel von Marke, Marketing und Vertrieb. Dazu zählen eine intensive Pressearbeit und klare, kantige Formulierungen des Inhabers, die nicht nach allen Seiten abgesichert sind. Mit seiner furchtlosen Kritik an Managern und börsennotierten Aktienunternehmen hebt er sich wohltuend aus der Masse mittelständischer Unternehmer ab und gewinnt Sympathien in der Öffentlichkeit. Mit seiner Prognose, bis 2020 den Umsatz auf eine Milliarde Euro verfünffachen zu wollen, macht er sich meß- und angreifbar und zeigt zugleich Konkurrenz, Mitarbeitern und Medien, wo es lang geht. Vor dem Hintergrund davonlaufender Rohölpreise sagte er bereits im Mai 2008, sein Unternehmen sei konkursgefährdet, wenn es nun nicht handele. Soviel Ehrlichkeit und Transparenz erfordert Mut, honorieren die Medien aber auch mit Aufmerksamkeit. Denn Worthülsen werden anderenorts genug gedroschen. Und dass Prost klug und entschlossen zu handeln weiß, zeigt die Entwicklung seiner Firma.

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Innovation sichtbar machen

Der Automatisierungsspezialist Festo hat es geschafft: Von der Hannover Messe berichteten international 86 Zeitungen und Magazine sowie 43 TV-Sender über die Messeneuheiten der Esslinger AG in Familienbesitz. Der Grund: In den Messehallen fliegende Rochen und Quallen zogen nicht nur die Aufmerksamkeit von Messebesuchen und Journalisten auf sich, sie kommunizierten auch, welche Problemlösungen der schwäbische Mittelständler im Angebot hat, nämlich pneumatische Ventile und elektrotechnische Komponenten, die die Flugobjekte steuerten.
Erzählt hat das Beispiel kürzlich Dr. Eberhard Veit, der Vorstandsvorsitzende der Festo AG, in kleiner Unternehmerrunde. Es zeigt, dass nicht nur die Produkte eines Unternehmens gut sein müssen, sondern auch deren Präsentation. Letztlich auch deren Design; die Mitarbeiter, die die Produkte erklären; der Service, den das Unternehmen darum herum bietet; und eben das Image, das ein Unternehmen in den Medien hat. Veit zeigte sich bei dem Unternehmergespräch sicher, dass die Redaktionen auch in Zukunft auf ihn und das Unternehmen zukommen werden, um Statements zu erhalten und Berichte zu verfassen.
Interessant war, dass die anderen Unternehmer, die an dem Gespräch teilnahmen, vor allem beim Aspekt Pressearbeit nachhakten. „Unsere Mitarbeiter glauben erst dann, was sie bereits intern gehört haben, wenn es auch in der Zeitung steht,“ schilderte etwa Maquet-Chef Dr. Christian Keller seine Erfahrungen mit der Presse. Organisiert hatte den Abend der Ammerbucher Industriedesigner Jürgen R. Schmid, auf dem Foto links von Dr. Eberhard Veit. Auch zu sehen ist Eisfink-Chef Max Maier, der sich bestätigt fühlte, noch mutiger und profilierter am Markt aufzutreten. www.designtech.eu

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Pressearbeit und Manipulation

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die Tagesschau immer genau 15 Minuten dauert? Oder Ihre Tageszeitung (abhängig vom Anzeigenumfang) genau 32 oder 40 Seiten hat? Das hat damit zu tun, dass Redakteure die Nachrichten nach deren Relevanz werten. Was ist aber relevant? Bei uns PR-Beratern macht man es sich einfach: Relevant sei, wofür wir bezahlt werden. Sicher? Ich bspw. prüfe schon, a) für wen ich überhaupt arbeiten will und b) was ich über ihn überhaupt kommunizieren will. Und dabei lasse ich mich vom Relevanz-Kriterium leiten, das eng mit meiner Begeisterungsfähigkeit zusammenhängt (Neuigkeit, Logik, Durch- und Umsetzungsstärke, ethische Wertigkeit seines Anliegens etc.).
Nach bald 20 Jahren als angestellter Redakteur und als freier PR-Berater erlaube ich mir heute die Feststellung, dass ich verdammt viele Journalisten erlebt habe und kenne (ja, die arbeiten alle noch!!!), die deutlich subjektiver als ich ihren Informationsjob machen. Der Grund? Als Angestellte müssen sie nicht im Stundentakt reflektieren, ob sie noch das Richtige tun. Ihre Betriebsräte und Gewerkschaften haben ihnen zudem einen Kündigungsschutz erarbeitet. Das kann einschläfernd wirken und die Begeisterungsfähigkeit reduzieren. So recherchieren sie – quasi von Arbeitnehmer zu Arbeitnehmer – leichter beim Betriebsrat einer Firma. Und unerfahrene Unternehmer, die oft ein schlechtes Bild von Redakteuren haben (weil sie deren Aufgabe nicht kennen!!!), lassen sich verleugnen und geben somit erst recht Gewerkschaftssprechern und anderen Lobbyisten das Feld frei. Sichteinschränkend kommt hinzu, dass die meisten (Wirtschafts-)Redakteure noch nie selbstständig waren. Woher sollen sie also um die (Existenz-)Ängste, (Selbst-)Zweifel und (Arbeits-)Belastung von Unternehmern wissen? Eindrücke prägen. Auch mich. Bei allem journalistischem Streben nach Objektivität. Und jeder kann eben nur sehen, was er sieht. Und verarbeiten, was er erlebt hat. Das hängt auch davon ab, wieviel er herumkommt, sich auf Menschen einlässt und emotional aushält. Ich halte viel aus und mute mir (und anderen) viel zu. Ich bin eine Zu-Mutung.
Ein eindrucksvolles Beispiel journalistischer Eindimensionalität habe ich dieser Tage im Bereich Coaching erlebt. Das Thema ist so speziell, dass darüber bundesweit nur wenige (freie) Journalisten schreiben, die als Experten gelten. Die (angestellten) Redakteure beauftragen dann diese Freien (oder übernehmen deren Thesen in ihren Beiträgen), so dass quasi eine Einheitsmeinung vorherrscht. Im konkreten Fall bspw., dass Berater- und Coaching-Verbände, die Coaching zertifizieren, dies nur aus PR-Gründen tun. Das kann ein Motiv sein, warum nicht? Ich erlebe aber bspw. beim BDVT (Berufsverband der Trainer, Berater, Coaches) auch, dass es das Bemühen gibt, einheitliche Standards zu schaffen, um in eine undurchsichtige und teils zwielichtige Branche Transparenz zu bringen. Warum ich das erlebe? Weil ich für diesen Verband arbeite und mir deshalb die Zeit nehme, tiefer in seine Strukturen zu blicken und mehr Mitglieder, also ganz konkrete Menschen, kennenzulernen. Aber weil ich mich als PR-Berater des BDVT nun geoutet habe, bin ich ja wieder zum unglaubwürdigen Lobbyisten geworden, oder? Andererseits ist dieses Detail für meine Leser doch interessant. Lesen Sie meine Zeilen jetzt in einem anderen Licht? Das ist doch die eigentlich spannende Frage. Ich bin für absolute Transparenz. Meine Erfahrung aber ist, dass die wenigsten Menschen (auch Redakteure) diese Faktenlage aushielten. Vermutlich denken Politiker so auch über Bürger. Und was sagen deren PR-Berater? Ich orientiere mein Verhalten jedenfalls nicht an der Mehrheit, sondern an meinem Gewissen.

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Journalismus und PR-Beratung

Als Redakteur der Lokalzeitung NWZ war ich mit meiner Pressearbeit stets sehr nahe an den Menschen und ihren Themen. So hatte ich u.a. 1998 die Idee, zur Leser-Blatt-Bindung einen Maibaum-Wettbewerb auszuloben und dessen Sieger beim traditionellen Maientag im Göckelesmaier-Bierzelt zu ehren. Und damit die Teilnehmer möglichst aller rund 50 Teams auch aus den entferntesten Dörfern des Landkreises kämen, sollten sie alle dort ordentlich mir Bier- und Göckelesmarken begrüßt werden. Die Folge: Am Eröffnungsabend waren rund 1000 Menschen zusätzlich im Zelt und Wirt Karl Maier war hoch zufrieden. Dies war ein Beispiel, warum ich mich 2002 als Medienberater selbstständig machte. Denn im Gegensatz zur breiten Öffentlichkeit habe ich eine hohe Meinung von (guten) Journalisten: Sie kennen viele interessante Leute, können in Themen denken (neudeutsch Synergien), sich artikulieren und Öffentlichkeit herstellen. Mittlerweile habe ich das System als PR-Berater perfektioniert und bundesweit ausgebaut, freue mich aber noch immer, wenn ich zur Zwickel-Probe eingeladen werde, bei der die Geislinger Kaiser Brauerei ihr eigenes gebrautes Festbier mit Vertretern von Stadtverwaltung, Gemeinderat und Behörden erstmals verkostet. 2008 findet der Maientag im landesweit größten Festzelt (5000 Plätze) vom 6. bis 9. Juni statt. Ihm vorgeschaltet ist die Premiere des NWZ-Blasmusikfestivals am Donnerstag, 5. Juni, was den Festzeltbetrieb de facto um einen Tag verlängert.

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Vom Sinn des Bloggens

Kaum habe ich einen Blog, da lese ich in brand eins 03/2008 „Bloggen, bis der Arzt kommt“, wie gefährlich das Bloggen sei. Der Beitrag in dem unkonventionellen und deshalb so lesenswerten Wirtschaftsmagazin beginnt damit, dass zwei prominente Blogger (Marc Orchant mit 50 und Om Malik mit 41) einen Herzinfarkt hatten wegen des Termindrucks, den ihnen ihr Blog bzgl. Aktualität und Attraktivität macht. Und während ich als PR-Berater, der seine Kunden auch im Internetzeitalter optimal beraten will, eher zur Selbsterfahrung blogge, erteilt mir der Wirtschaftstitel aus Hamburg gleich die Antwort: Bei A-Bloggern „verbinden sich professionelle Leidenschaft, überdimensionales Ego und Profitstreben zu einem explosiven Gemisch.“ Ein bißchen fühle ich mich da schon erwischt, wobei ich mich mit „professionelle Leidenschaft“ am besten identifiziere. Gute Journalisten zeichnet nun auch mal Neugierde aus!  Und wie man mit Blogs Geld verdient, muss mir mein strategischer Partner Aranex demnächst noch erklären. Mich kostet der Blog bislang vor allem Zeit. Immerhin fand ich die Zeit, den brand eins-Artikel zu Ende zu lesen. Der Autor definiert A-Blogger als solche, die mehr als 1000 Verweise auf sich haben (in welchem Zeitraum?). Solche gäbe es 2600 (in welchem Raum? bundesweit?). Auf mehr als 20 Verweise kämen noch 400000 Blogs und „der lange Schwanz“, so brand eins-Autor Steffan Heuer, seien 100 Millionen Blogs mit weniger als 20 Verweisen. Auch darüber muss ich mit Aranex-Chef Reinhard Schmidt, ja, der Bruder von Harald Schmidt, sprechen, wie ich mich „vom langen Schwanz“ wenigstens bis ins Mittelfeld vorarbeite. Als Journalist habe ich immerhin gelernt: Es kommt nicht mehr nur auf gute Inhalte an, sondern auch auf gute PR- und Marketingberater. Deshalb muss ich hier abschließend die Begriffe Pressearbeit und Strategie verwenden, um beim Googeln besser (oder überhaupt) gefunden zu werden, hat man mir gesagt.

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