Mein Buchtipp: Untenrum frei

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Lesenswertes Buch über Frauen-Emanzipation, die zugleich auch Männer-Emanzipation ist: Nicht nur der anstößige Titel gibt Anstöße zum Weiterdenken. FOTO: FROMM

Auf das Buch von Margarete Stokowksi „Untenrum frei“ bin ich durch Zufall gestoßen. Und während mich der Titel als reißerisch eher abstieß, las ich bereits einen Halbsatz weiter, dass die 30-jährige Autorin Kolumnistin bei taz und spiegel-online sei, was mich wiederum neugierig machte. Denn erfolgreiche junge Kolleginnen finde ich interessant.

Die Rezension in der Stuttgarter Zeitung animierte mich, das Buch zu kaufen, um es meiner knapp 18-jährigen Tochter zu schenken, geht es doch um Emanzipation und die Entlarvung männlicher Dominanz, die noch immer – allerdings subtil- massiv in unserer Gesellschaft präsent ist. Neugierig las ich die 230 Seiten binnen Tagen selbst mit großem Gewinn.

Denn die 30-jährige gebürtige Polin analysiert messerscharf, wie (wir) Männer durch Konventionen (Erziehung, Katholizismus etc.) Frauen klein halten. So beschreibt sie, wie sie als Vierjährige vom Fahrrad fiel. Den aufgeschürften Arm ließ sie sich aufwändig verarzten, die Schmerzen zwischen den Beinen aber verschwieg sie, weil sie den Ort nicht beschreiben konnte. Die Scham ließ erstmals grüßen.

Süffisant sezessiert sie, wie Mädchen- und Frauenzeitschriften die Unterwerfung der Frau zum Ziel haben. Denn die Heftchen konditionieren Frauen darauf, sich auf ihr Äußeres zu reduzieren („Hilfe, ich bin zu dick!“) und ihrer „Problemzonen bewusst“ zu werden. Oder sie bekommen ständig vermittelt, wie sie den Mann befriedigen. Aber nahezu kein Heft ermutigt junge Frauen, den Blick auf die eigene Befriedigung zu lenken oder darauf, mit Männern auf Augenhöhe zu verhandeln.

An einigen Stellen entlarvt das Buch auch meine Haltungen, wenn es etwa um sexuelle Orientierung geht oder Gender-spezifische Erziehung: Mädchen bremse ich eher (Schutz) und Jungs ermutige ich eher (Risiko). Die Lektüre macht mir deutlich, dass ich noch immer mit zweierlei Maß messe. Und dass es in meinen Beziehungen auch so war, dass mit der Geburt eines Kindes die Rollenfixierung nahezu klassisch wurde.

Meiner Tochter schenke ich das (gelesene) Buch zum morgigen Nikolaustag. In der Hoffnung, dass auch sie es liest und einiges besser macht als ich. Vor allem achtsamer und ideologiefreier. Denn eines weiß ich auch: Mit einer emanzipierten Frau auf Augenhöhe haben erwachsene Männer viel mehr Spaß als mit einem konditionierten Mäuschen oder einer weltfremden Prinzessin. Danke, liebe Margarete, für Ihr lesenswertes Buch.

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