Oikocredit: Strategie für mehr Gerechtigkeit

013 Oikokredit mit GF
Die Mitglieder diskutieren kontrovers die Erwartung künftiger Dividenden: Am Pult der Vorsitzende Dr. Dieter Heidtmann und in der Mitte Schatzmeister Helmut Götz. FOTO: FROMM

Mit 125 weiteren Stimmberechtigten habe ich am Samstag an der Mitgliederversammlung des Fördervereins von Oikocredit Baden-Württemberg teilgenommen, der im Mai 2018 sein 40-jähriges Bestehen feiert . Der Verein umfasst aktuell 7323 Mitglieder (+ 470 binnen eines Jahres), die zusammen Genossenschaftsanteile im Wert von 132,6 Mio. Euro (+14,3 %) bei der internationalen Kreditgenossenschaft halten.

Insgesamt gibt es bundesweit acht solcher Fördervereine, die zusammen 24.752 Mitglieder (+5,2%) und 439 Mio. Euro (+12,8%) Einlagen haben. Damit sind die Baden-Württemberger mit im Schnitt 18.000 Euro Einlage je Person der stärkste Förderkreis bundesweit und die Deutschen innerhalb von Oikocredit die wichtigste Nation. Denn in Summe ist Oikocredit mit 1,2 Mrd. Euro (+17,8%) die weltweit größte Nicht-Regierungsorganisation in diesem Segment.

Oikocredit finanziert weltweit Mikrokredite für Frauen, die anders nicht an Kapital kämen. Gegründet wurde das Institut seinerzeit im Kontext des Weltkirchenrats. Die Hälfte der Kredite werden noch immer nach Südamerika vergeben. Mit 22 Prozent folgen Asien und mit 18 Prozent Afrika, wo sich das Engagement binnen dreier Jahre verdoppelt hat.

Aktuell liegt der Schwerpunkt territiorial auf Afrika und inhaltlich traditionell auf Existenzgründungen (78%). Immer sichtbarer aber werden strategische Investitionen in Landwirtschaft (15%) und erneuerbare Energien (4%), um strukturelle Veränderungen zu organisieren. Das Ziel für 2017, so der neue Vorstandsvorsitzende von Oikocredit International, der Niederländer Thos Gieskes, ist ein Wachstum von zehn Prozent. Noch wichtiger aber sei, die Bank zukunftsfähig zu gestalten.

Denn schon heute drücken niedrige Zinsen und Digitalisierung der Bankenbranche auf den Ertrag, der nur durch den Sondereffekt des Verkaufs einer Beteiligung in Kambodscha, was 22 Mio. Euro erbrachte, auf 27 Mio. Euro kam. Ohne diesen Effekt hätte sich der Überschuss gegenüber 2015 halbiert. Solche Sondereffekte durch Verkäufe werden immer wieder anstehen, da Beteiligungen strategisch ausgebaut werden.

Vor diesem Hintergrund diskutierten die Mitglieder kontrovers, ob sie weiterhin eine stabile Dividende von zwei Prozent wünschen, sofern der Jahresüberschuss das hergibt, oder diese senken und stattdessen lieber die Rücklagen stärken. Allerdings wehrten sich dagegen strategische Investoren, die bspw. die Rücklagen von Solarparks und anderen Genossenschaften hier parken und mit einer Dividende von zwei Prozent rechnen.

 

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Kommentare:

  1. Dagmar Eisenbach am

    Danke, Leo, fürs Kommen und die Zusammenfassung. Lass uns über Deine Ideen für die 40 Jahr Feier nächstes Jahr weiterreden. Freu mich, dass Du dabei bist!

  2. Leonhard Fromm am

    Ich fände auch wichtig, dass die Oikocredit-Mitglieder sich mehr über den Stellenwert von Geld in ihrem Leben austauschen. So hatte ich bei der Mitgliederversammlung das Gefühl, etliche Mitglieder erachten Geld als etwas Schlechtes. Mit dieser Haltung kann ich aber nicht objektiv über die Höhe von Dividenden diskutieren und als Unternehmer habe ich mich per se bei manchem Kontakt in den Pausen unter Generalverdacht gestellt gefühlt. So kategorisiert zu werden, empfinde ich weder als christlich noch als professionell.

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