Enthüllungsjournalismus

Vorbild an Wahrhaftigkeit: Wolf Biermann

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Ein absolut lesenswertes Buch: Die Biographie des aufrechten Demokraten Wolf Biermann. FOTO: FROMM

Aktuell lese, um nicht zu sagen verschlinge, ich die gut 500 Seiten dicke Autobiographie von Wolf Biermann, die kurz vor Weihnachten erschienen war. Die Lebensgeschichte des Liedermachers, der in seiner Begeisterung für den Kommunismus 1953 freiwillig von Hamburg in die DDR zog, ist ein grandioses Zeugnis für seine Zivilcourage einerseits und die Korrumpierbarkeit der allermeisten Bürger andererseits.

Die Biographie ist ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument, das das Ende der Weimarer Republik, den Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 und das geteilte Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg beleuchtet. Viele Politiker der (Welt-)Geschichte und der Kultur bis hin zu Harry Belafonte oder Joan Baez, die Biermann in der DDR besuchte und in der Friedensbewegung der 1980er-Jahre wieder traf, stehen im Kontext zu dem berühmten Deutschen.

Viele Namen wie der Dissident Robert Havemann, der als kommunistischer Wissenschaftler das KZ überlebte und gleichfalls als Querkopf schon bald den Stalinisten in der DDR lästig wurde, kommen bei der Lektüre in Erinnerung und zeichnen ein Gesamtbild. Dieses bestand in der Sehnsucht, den Nationalismus und den Kapitalismus zu überwinden, die aktuell fast in der ganzen Welt wieder Hochkonjunktur haben.

Biermanns Biographie ist mir eine Bestätigung, dass die Ablehnungen, Verdrehungen und Missachtungen, die auch mir immer noch widerfahren, in Ordnung sind und Teil des frei gewählten Weges, die eigenen Werte zu leben. Denn sittlich reif für den Kommunismus, also das Gemeinwohl als oberstenPrimat, waren und sind nur wenige, etwa Biermann oder Havemann.

Statt aber dafür geehrt und in führende Positionen gebracht zu werden, weil man von ihnen Werte wie Charakter, Mut, Selbstdisziplin oder Großmut lernen kann, wurden sie diskreditiert, ausspioniert, verleumdet, hintergangen, behindet und als Verräter gebrandmarkt. Womit sie in guter Gesellschaft sind – mit Mahatma Ghandi, Martin Luther King, Nelson Mandela oder Jesus.

Mit Empörung las ich, dass Biermanns Vater als überzeugter Kommunist 1943 im KZ umkam, und die Witwe als Genossin bis zu ihrem Tod als Arbeiterin in Hamburg dem Kommunismus treu blieb, obwohl ihr Sohn in dessen Namen drangsaliert wurde. Erst im Westen schwor er schweren Herzens diesem Ideal ob, woraufhin ihn westdeutsche Idealisten für einen Verräter hielten. Ja, soviel Dummheit und Schubladen-denken muss man aushalten. Danke, Wolf Biermann, für Dein Vorbild.

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Spannendes Experiment: Drei von Sinnen

Kürzlich habe ich im Schorndorfer Kino diesen 90-minütigen Film „Drei von Sinnen“ gesehen, in dem drei Freunde ein dreiwöchiges Experiment gemacht haben, das ein Kamera- und ein Ton-Mann dokumentiert haben: Das Trio ist zu Fuß und per Anhalter vom Bodensee an den Atlantik unterwegs, wobei jeweils für eine Woche einer nicht sprechen darf, nicht sieht und nicht hört.

Jeweils nach einer Woche werden die Handicaps getauscht, so dass am Ende jeder jede dieser drei massiven Beeinträchtigungen selbst erlebt hat. Der Film, den ich als DVD erworben habe und der bereits in meinem Freundeskreis zirkuliert, macht deutlich, wie schwierig die Kommunikation unter den drei Männern ist, weil etwa der Blinde und der Stumme sich fast nur über den Gehörlosen verständigen können, was diesen massiv fordert.

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Globalisierung: Wir sind eine große Familie

Seit Wochen wird mir dieses Video per Facebook immer wieder empfohlen. Und einige Male habe ich es dann auch angeschaut, weil es mich immer wieder neu berührt und inspiriert. Es ist solch ein Quatsch, in Ausgrenzungen und Gegensätzen zu denken und zu argumentieren. Wir alle sind Menschen, die sich in unseren Gefühlen und Sehnsüchten sehr ähnlich sind.

Um diese Gemeinsamkeit und Gemeinschaft zu kommunizieren, lade ich dieses Video über eine DNA-Analyse unter Studenten auch in meinem Blog hoch. Ich hoffe, das Barmherzigkeits-Gen und das der Solidarität und Verbundenheit findet sich auch bei all meinen Mitmenschen. Dann ist mir für unsere gemeinsame Zukunft nicht bange. Ohnehin sitzen wir alle in einem Boot.

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Autorenlesung mit PV-Chefredakteur

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Wollen den Polit- und Liebesroman „Zen Solar“, der im Kontext der Energiewende spielt, unter die Leute bringen: Autor Heiko Schwarzburger (von rechts), Eventmanagerin Sandra Wölfer und PR-Berater Leonhard Fromm. FOTO: KELLNER

Heiko Schwarzburger, Chefredakteur der „Photovoltaik“ in Berlin, und ich sind eine Kooperation eingegangen, in der uns Sandra Wölfer, Eventmanagerin aus Aspach, unterstützt: Der ostdeutsche Ingenieur, den ich aus dem beruflichen Kontext kenne, hat nämlich bereits mehrere Bücher im Eigenverlag geschrieben, wo wir ihn nun bei der Vermarktung unterstützen.

Vor allem sein jüngsten Buch „Zen Solar – Roman einer Liebe“ hat es mir angetan, weil die Liebe eines ostdeutschen Journalisten, der über Energiethemen schreibt (!!!), zu einer Frau vor dem Hintergrund der Energiewende und des Atomausstiegs der Bundesregierung spielt. Außerdem sind Bezüge zur politischen Wende 1989, die gleichfalls ein großer Kraftakt war, deutlich verwoben.

Das 464 Seiten dicke Buch in Hardcover, das Interessierte unter order@eglund.de direkt beim Verlag bestellen oder über den Autor, Sandra Wölfer oder mich beziehen können, liest sich flott und spannend. Die faktenreiche Argumentation aus der Feder eines Journalisten lyrisch verpackt hätte ich dem Kollegen, der im Alltag gleichfalls im Nachrichtenstil texten muss, in der Perfektion und Präzision nicht zugetraut.

Der Deal entstand aus einer Laune heraus, weil ich Wölfers Schwester gleichfalls beim Schreiben eines Erfahrungsberichts über die Tourette-Erkrankung ihres Sohnes unterstütze. Da Schwarzburger ohnehin beruflich oft bei seinem Herausgeber, dem Gentner-Verlag in Stuttgart zu tun hat, sind auch die Wege kurz.

Im ersten Step wollen wir nun Autorenlesungen im Umfeld von Banken, Verbänden und Kammern (Rendite auf Energieinvestionen), Kirchen, Parteien und Bürgerenergiegenossenschaften (Bewahrung der Schöpfung, politische Ziele) sowie Kulturzentren (brauchen Frequenz in ihren Räumen) organisieren, wofür ich teils die Adressen und Ideen liefere und Sandra Wölfer die Umsetzung macht.

Nachdem der Ingenieur Schwarzburger fachlich sehr tief in der Materie der Energiewende ist, sich auf dem politischen Parkett in Berlin bewegt und viele Hersteller, deren Projekte, Entwicklungen und Strategien kennt, ist er ein wundervolles Zugpferd, um interessante und relevante Veranstaltungen zu organisieren. Dass er deshalb auch für lokale Zeitungen ein attraktiver Interviewpartner ist, der den örtlichen Veranstalter in die Medien bringt, hat Journalist Schwarzburger bei 60 Lesungen, die er bislang selbst organsierte, bewiesen.

Erfahrungsgemäß kommen 40 bis 80 Zuhörer zu seinen gut einstündigen Lesungen mit anschließender Diskussion, deren Aufwand der Veranstalter bei bislang freiem Eintritt trägt. Typischerweise verkauft Schwarzburger dann 15 bis 20 Bücher auf Anhieb, die er teils aufwändig signiert. „Zufriedene Zuhörer und faszinierte Leser empfehlen mich weiter, was zu weiteren Bestellungen führt“, sagt der Autor, dem die Vermittlung von Fakten zur Energiewende ein wichtiges Anliegen ist und der sich auf dem Podium auch spannende Debatten mit Atomkraft-Befürwortern liefert.

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Mein Buchtipp: Untenrum frei

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Lesenswertes Buch über Frauen-Emanzipation, die zugleich auch Männer-Emanzipation ist: Nicht nur der anstößige Titel gibt Anstöße zum Weiterdenken. FOTO: FROMM

Auf das Buch von Margarete Stokowksi „Untenrum frei“ bin ich durch Zufall gestoßen. Und während mich der Titel als reißerisch eher abstieß, las ich bereits einen Halbsatz weiter, dass die 30-jährige Autorin Kolumnistin bei taz und spiegel-online sei, was mich wiederum neugierig machte. Denn erfolgreiche junge Kolleginnen finde ich interessant.

Die Rezension in der Stuttgarter Zeitung animierte mich, das Buch zu kaufen, um es meiner knapp 18-jährigen Tochter zu schenken, geht es doch um Emanzipation und die Entlarvung männlicher Dominanz, die noch immer – allerdings subtil- massiv in unserer Gesellschaft präsent ist. Neugierig las ich die 230 Seiten binnen Tagen selbst mit großem Gewinn.

Denn die 30-jährige gebürtige Polin analysiert messerscharf, wie (wir) Männer durch Konventionen (Erziehung, Katholizismus etc.) Frauen klein halten. So beschreibt sie, wie sie als Vierjährige vom Fahrrad fiel. Den aufgeschürften Arm ließ sie sich aufwändig verarzten, die Schmerzen zwischen den Beinen aber verschwieg sie, weil sie den Ort nicht beschreiben konnte. Die Scham ließ erstmals grüßen.

Süffisant sezessiert sie, wie Mädchen- und Frauenzeitschriften die Unterwerfung der Frau zum Ziel haben. Denn die Heftchen konditionieren Frauen darauf, sich auf ihr Äußeres zu reduzieren („Hilfe, ich bin zu dick!“) und ihrer „Problemzonen bewusst“ zu werden. Oder sie bekommen ständig vermittelt, wie sie den Mann befriedigen. Aber nahezu kein Heft ermutigt junge Frauen, den Blick auf die eigene Befriedigung zu lenken oder darauf, mit Männern auf Augenhöhe zu verhandeln.

An einigen Stellen entlarvt das Buch auch meine Haltungen, wenn es etwa um sexuelle Orientierung geht oder Gender-spezifische Erziehung: Mädchen bremse ich eher (Schutz) und Jungs ermutige ich eher (Risiko). Die Lektüre macht mir deutlich, dass ich noch immer mit zweierlei Maß messe. Und dass es in meinen Beziehungen auch so war, dass mit der Geburt eines Kindes die Rollenfixierung nahezu klassisch wurde.

Meiner Tochter schenke ich das (gelesene) Buch zum morgigen Nikolaustag. In der Hoffnung, dass auch sie es liest und einiges besser macht als ich. Vor allem achtsamer und ideologiefreier. Denn eines weiß ich auch: Mit einer emanzipierten Frau auf Augenhöhe haben erwachsene Männer viel mehr Spaß als mit einem konditionierten Mäuschen oder einer weltfremden Prinzessin. Danke, liebe Margarete, für Ihr lesenswertes Buch.

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Konsum: Quadratur der Schizophrenie

Bereits zum wiederholten Mal gefällt mir ein Werbevideo von Edeka, das emotionalisiert und eine ethische Botschaft wie das aktuell hier gezeigte auf den Punkt bringt. Als Medienprofi kann ich nur bestätigen, dass dieser Weg der sympathischen Präsenz klug und richtig ist. Denn dass der Lebensmittler für gute Produkte und kompetenten Service steht, braucht man nicht mehr thematisieren.

Demnach ist das Video eine sympathische Erinnerung daran, dass es Edeka gibt – in Abgrenzung zu Rewe, Aldi & Co., die alle auch Umsätze machen wollen. Und da beginnt für mich die Schizophrenie: Edeka thematisiert im Video, Eltern sollen sich Zeit für ihre Kinder nehmen. Selbst aber weiten sie die Öffnungszeiten – im Wettbewerb mit Rewe, Aldi & Co. – bis 21 Uhr und später aus, einschließlich samstags. So bleibt Familien (noch) weniger gemeinsame Zeit.

Mehr noch: Die meisten von uns sind übergewichtig, die Kühlschränke immer voll und viele Lebensmittel werden weggeschmissen. Da wäre eher die B0tschaft angesagt, mal drei Tage gar nicht einkaufen zu gehen oder ein Jahr lang (!!!) keine Textilien zu kaufen, um Ressourcen (und Geld, das zuvor durch Nebenjobs dazuverdient werden muss) zu sparen und sich bewusst zu machen, wie viel (zuviel) man hat. Das wäre Pädagogik.

Aber der Widersinn hat noch viel mehr Methode: Vor zwei Wochen war ich beim Energiekongress des Einzelhandels in Köln.  Dort referierten Energiemanager von Aldi, C&A oder Shoppingcenter-Betreibern wie ECE wie sie Energie sparen oder regenerativ erzeugen, um das klimaschädliche CO2 einzusparen. Letztlich geht es hierbei nämlich um das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten. Das wäre wahrlich ein wichtiges Weinachtsgeschenk, wenn uns das gelingt.

Und tatsächlich leisten die Verantwortlichen teils Erstaunliches. Doch andererseits werden viele CO2-Einsparungen durch wachsende Konsumansprüche (noch mehr Kühltheken, Backshops, Videowände etc.) nahezu neutralisiert. Und wenn man dann hört, wie etwa Beleuchtung von „Lightning-Managern“ eingesetzt wird, um satte Verbraucher, die nichts brauchen, zum Stoppen und Zugreifen zu bringen, frage ich mich schon, wie pervers und dekadent unsere Spezies ist.

Da referiert die Sustanability-Verantwortliche der marktführenden Shoppingcenter-Kette, wie die Hamburger nachhaltig bauen und über Steuerungstechnik etc. CO2 einsparen. Und niemand im Saal – oder die Referentin selbst – kommt auf die Idee, mal zu hinterfragen, welchen Geschäftszweck diese Konsumtempel verfolgen: Nämlich Menschen permanent zu verführen und zu manipulieren statt zu informieren oder gar zu bilden.

Zum Beispiel darüber wie Ausbeutungsstrukturen von Filialisten entlang der gesamten Wertschöpfungskette funktionieren, um T-Shirts und Hosen, die keiner braucht, für fünf Euro in ihren Stores zu verkaufen. Oder darüber, dass nicht Erwerb und Besitz glücklich machen, sondern Beziehungen und Gemeinschaft. Wir sollten uns gegenseitig bei Letzterem unterstützen statt beim Ausbeuten. Frohe Weihnachten. Hoho-hohoooo.

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Oikocredit: Mikrokredite verändern die Welt

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Kurzweilige, Mut machende zwei Stunden beim Adelberger Männervesper: Helmut Götz (l.) informiert, wie Mikrokredite die Welt verbessern. FOTO: FROMM

Oikocredit vergibt Kredite an Kooperativen in Entwicklungs- und Schwellenländern, so in Peru, Kenia oder Indien. Beim Adelberger Männervesper erklärte Schatzmeister Helmut Götz, wie diese Darlehen lokale Wirtschaftsstrukturen in Gang bringen und Gerechtigkeit stiften.

„Die Betroffenen wollen kein Mitleid, sondern eine faire Chance“, sagt Helmut Götz. Der 73-Jährige war Vorstand der Heidenheimer Volksbank und ist seit knapp zehn Jahren Schatzmeister von Oikocredit. Die internationale Kreditgenossenschaft hat  der Ökumenische Weltrat der Kirchen 1975 gegründet, um die Armut in der Welt zu bekämpfen. Heute gehören dem Institut mit Sitz in Holland 589 Direktmitglieder an, darunter Kirchen, kirchliche Organisationen wie die Diakonie, Caritas oder Brot für die Welt sowie 30 Förderkreise mit weltweit mehr als 51000 Einzelmitgliedern.

Einer  dieser Förderkreise ist der 1978 gegründete Förderkreis Baden-Württemberg e.V., dessen Vorstand Götz angehört. Aktuell unterstützen in Baden-Württemberg 7000 Mitglieder die Arbeit von Oikocredit International. Binnen 40 Jahren hat Oikocredit 2,5 Milliarden Euro an Krediten vergeben, deren Laufzeit bis zu 15 Jahren geht. Aktuell sind 940 Millionen Euro an knapp 800 Partnerorganisationen in 71 Ländern vergeben. Die Mikrofinanzdienstleistung erreicht 46 Millionen Kreditnehmer. Diese sind oft in Gruppen gebündelt, um das Ausfallrisiko zu minimieren.

So bekommen etwa im Senegal sechs Frauen zusammen 200 Euro, um je eine eigene Geflügelzucht aufzubauen. Jede muss innerhalb von einem Jahr ihr Sechstel zurückzahlen. Fällt eine Kreditnehmerin aus, übernehmen die anderen fünf die Rückzahlung ihres Anteils. Deshalb liegt die Rückzahlungsquote bei nahezu 100 Prozent.

Auch bei Oikocredit sind die Ausfälle gering. Seit 2012 lagen diese zwischen 0,8 und  2,5 Prozent, was im Kontext der Risiken von Währungsschwankungen, Diktaturen oder Klimakatastrophen zu vernachlässigen sei, so Götz. Dass 86 Prozent der Mikrokreditnehmer Frauen sind, ist ihrer Verlässlichkeit geschuldet. „Die Frauen haben eine hohe Motivation, ihre Kinder durchzubringen und ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen“, begründet der Heidenheimer, der selbst viele Länder bereist und Projekte besichtigt hat.

Entsprechend fließen Kredite in Photovoltaik-Projekte, damit die Frauen abends Strom und Licht haben, um noch arbeiten zu können. Oder es werden dringend notwenige Modernisierungen bei einer lokalen Kakao-Kooperative finanziert, um deren Wettbewerbsfähigkeit und Einkünfte zu sichern.
Weltweit beschäftigt Oikocredit 300 Mitarbeiter, die in dezentralen Strukturen die lokale Situation der Menschen kennen und die Kreditanträge bearbeiten. Diese erfolgt über Partnerorganisationen nach strikten Vorgaben: So müssen Menschen- und Arbeitsrechte oder der Umweltschutz eingehalten werden.

„Ein Grundübel sind Wucherzinsen“, sagt Götz, die durch knappe Ressourcen und ausgeprägte Machtstrukturen in Südamerika, Afrika oder weiten Teilen Asiens teils bei 100 Prozent pro Jahr liegen. Diese trieben Menschen in die Illegalität oder die Resignation. Nicht umsonst hat Wirtschaftsprofessor Muhammad Junus, der 2006 den Friedensnobelpreis erhielt, 1976 Mikrokredite mit Zinsen von 20 bis 30 Prozent in Bangladesch eingeführt und damit nachweislich die Lebenssituationen der Menschen verbessert.

Götz machte seinen knapp 20 Zuhörern im Adelberger Pfarrsaal in zwei spannenden Stunden Mut. Denn weltweit hat sich die Armut von 2000 bis 2015 in etwa halbiert, allerdings auch, weil 600.000 Chinesen durch das dortige Wirtschaftswachstum über die Schwelle von 1,90 Dollar pro Tag an Einkünften kamen. Und: Die Weltlandwirtschaft könnte sogar zwölf Milliarden Menschen ernähren, wenn die Ressourcen anders und gerechter verteilt wären.

Götz‘ Vortrag fiel auf fruchtbaren Boden: So wollen etliche Zuhörer Genossenschaftsanteile an Oikocredit erwerben, auf die in den vergangenen 25 Jahren in der Regel jährlich zwei Prozent Dividende  ausgeschüttet wurden. Auch viele Kirchengemeinden parken hier Teile ihres Geldes, das jederzeit wieder abrufbar ist. Pfarrer Tilman Schühle und Organisator Klaus Müller dankten dem Gast.

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Was Journalisten und Theologen verbindet

Mit großem Gewinn habe ich jüngst Heribert Prantls Beitrag „Zeugen der Wahrheit“ in dem kirchenkritischen Magazin Publik Forum gelesen. Der Jurist und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen macht dort deutlich, dass es Theologen, Juristen und Journalisten im Kern um die jesuanische Frage „Was ist Wahrheit?“ vor Pontius Pilatus gehen muss.

Dabei geht es nicht um die politische Klugheit des römischen Statthalters, sondern darum, das Verborgene sichtbar zu machen, für das es von Profiteuren Bestrebungen gibt, diese unsichtbar zu halten. Dort ist der Journalist gefordert, Mißstände offenzulegen, etwa dubiose Waffengeschäfte, Steuerhinterziehung oder Korruption.

Entsprechend war für Prantl wie für mich die Offenlegung der „Panama Papers“ vor wenigen Monaten eine Sternstunde des internationalen Journalismus. Die Wahrheit über gigantische Mißstände, die Strukturen der schmutzigen Geschäfte und deren Dimensionen kamen „ans Licht der Öffentlichkeit“. Und international teilten Journalisten untereinander die Aufgaben statt auf die eigene Exklusivität zu achten.

Und ein zweiter Aspekt in dem Essay gefällt mir: Prantl charakterisiert Martin Luther als „wirkmächtigen Journalisten“, der die Mißstände des Ablaßhandels in deutscher Sprache offenlegt, weshalb der neue Erlanger Ehrendoktor der Theologie Luther als Schutzpatron der Journalisten vorschlägt. Doch diese haben mit Franz von Sales bereits einen.

Der Bischof von Genf lebte im 16. Jahrhundert und versuchte, die calvenistischen Konvertiten wieder zum Katholizismus zu bekehren. Weil dies bei Strafe verboten war, so hat auch Prantl recherchiert, druckte er seine Predigten auf Flugblätter, die er an Scheunen, Tore und Bäume heftete. Dabei bediente er sich nicht einer Polemik, sondern präziser Fakten und argumentierte wie zuvor Luther auf Deutsch statt dem vorgeschriebenen Kirchenlatein.

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Unrecht: Entschädigung für Kachelmann

Zwar haben sich die Wege von Jörg Kachelmann und mir im Dissens um Geld im Februar getrennt, trotzdem empört mich, welches Unrecht ihm die deutsche Justiz und einige Medien, allen voran die Springer-Presse und die mittlerweile verurteile Steuerhinterzieherin Alice Schwarzer, angetan haben. Da wirkt die Entschädigung von knapp 400.000 Euro, die ihm nun das Oberlandesgericht Köln zugesprochen hat, eher wie ein besseres Trinkgeld.

Sein tiefer Fall hatte es mir ermöglicht, ihn 2011 nach seiner Haftentlassung für „kleines Geld“ für einen Kunden zu buchen und damit bundesweit mediale Aufmerksamkeit auf meinen Mandanten zu ziehen. Andererseits trugen wir das Risiko, unsere guten Namen mit ihm in Verbindung zu bringen, was damals höchst kontrovers diskutiert wurde. Und: Wir trugen zu seiner Rehabilitation bei.

So war ja auch der Deal im Februar zustande gekommen. Denn der Trick ist einfach: Hole einen (bezahlbaren) Prominenten, der deine Zielgruppe und die Medien interessiert, und viel kann dir nicht mehr passieren. Aktuell bediene ich den Hebel wieder. Zwar würde Kachelmann auch hier prima passen, um die Bude voll zu bekommen, doch aktuell sondiere ich u.a. bei ehemaligen Fußball-Nationalspielern.

Und während ich hier schreibe, flattert mir die Einladung einer Ludwigsburger Agentur auf den Schreibtisch, die den früheren „Sprecher“ des Fellbacher Flatrate-Bordells „Paradise“ für ihren Event gebucht hat. Dort spricht der smarte Beau als Kommunikationsberater. Übrigens: Bei unserem Agentur-Sommerfest am Freitag spricht Tobias Köhler, Leiter des Strategie- und Innovationsteams der Süddeutsche Medienholding, zu der u.a. Stuttgarter Zeitung/Nachrichten, Rheinpfalz und Süddeutsche gehören.

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Energiewende wird ein Mammutprojekt

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Hat zum Beispiel in seinem neuen Edeka-Markt in Salach einen Eisspeicher installiert, dessen im Winter gesammelte Kälte (Frost) den Markt bis in den Sommer hinein kühlt: Energie-Pionier Manfred Gebauer.

Aktuell recherchiere ich für mehrere Zeitschriften unterschiedliche Themen rund um die Energiewende, die mir ein persönliches Anliegen ist. Dabei geht es um die Strompreisentwicklung (wird wegen der Umlagen für EEG und Netzentgelte weiter steigen), Speichersysteme, Last- und Energiemanagement oder die Frage, wo das Thema in Unternehmen verankert ist. Denn eine Beobachtung ist, dass es vom Hausmeister über den Facility Manager bis zur Geschäftsführung immer weiter nach oben rückt.

Bei meinen Recherchen merke ich leider auch, dass viele Firmen bei dem Thema mauern. So verkünden sie bspw. auf ihren Homepages, bis 2020 CO2-neutral sein zu wollen oder auf ein nachhaltiges Wirtschaften zu setzen, doch auf Nachfragen bekomme ich keine Antwort oder qualifizierte Ansprechpartner.

Umso erfreulicher war dieser Tage, an den Energieanalysten der Deutsche Bank Research heranzukommen, der erst vor wenigen Wochen eine 32-seitige Studie zum Energiemarkt veröffentlicht hat. Diese kommt sehr unaufgeregt und systematisch daher und empfiehlt beiden Seiten (Atomlobby und Regenerative), das Thema ideologiefrei zu betrachten. Seine Analyse ist Basis vieler Beiträge, die ich in den kommenden Monaten dazu schreiben werde.

Besondere Freude bereiten mir die Firmenbeispiele, in denen sich Firmen schon jetzt energieautark machen und beschreiben, wie das geht, was es kostet und welche Renditen und CO2-Einsparungen die Manahmen bringen. Sogar erste Vorträge vor Unternehmen und Bürgerenergiegenossenschaften halte ich zu dem Thema, um Nachahmer zu ermutigen und Wissen in die Breite zu tragen.

Ein Unternehmer, der Kältetechnik produziert und installiert, meinte kürzlich, ich wolle mit meinem Engagement die Welt retten. Das gefalle ihm. Ich habne ihm gesagt, wenn es stimmt, dass bislang 80 Prozent der Abwärme der Anlagen, die er installiert, nicht genutzt wird, weil seine Kunden darauf nicht achten, sei es mein Ziel, dass SEINE Kunden schon bald auch die Abwärme recyceln.

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