Enthüllungsjournalismus

Dekadenz der Marktwirtschaft: ein Beispiel

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Gibt das Gefühl der Wichtigkeit, bei großen Kongressen zu reden: Hinter den Kulissen sieht der Deal häufig deutlich anders aus. FOTO: PRIVAT

Beruflich komme ich viel herum, auch in der Trainer- und Speakerszene. Und nachdem mein jüngster Beitrag, der sich kritisch mit der unsozialen Marktwirtschaft befasst hatte, so positiv aufgenommen wurde, möchte ich heute mit einem Branchenbeispiel nachlegen. Vielleicht wird dies auch eine Serie, denn keine Branche scheint besser zu sein als eine andere.

In der Trainerszene ist üblich, dass ausgebuchte Referenten nicht absagen, wenn sie nicht können, sondern mit Provisionen von 30 Prozent das Mandat weitergeben. Wenn er also den Trainertag für 3000 Euro an einen Kollegen seines Vertrauens weitergibt, erhält er 900 Euro Provision. Dieser ist aber gelegentlich auch überbucht, so dass er mit der üblichen Provision von 630 Euro den Auftrag an den Nächsten weiterreicht, der ihn dann für 1470 Euro ausführt.

Wird der Seminartag für 2500 Euro verkauft, werden 750 bzw. 525 Euro fällig und auf der dritten Stufe erhält der Ausführende 1225 Euro. Das ist dann weniger als die Hälfte, aber offenbar noch immer ein gutes Geschäft für den Aufstrebenden, weil er es vermutlich ähnlich macht, wenn er die nächst höhere Stufe erklommen hat.

Etwas anders liegt der Fall bei den Kongress-Rednern. Wer denkt, die sogenannten Keynote Speaker würden für ihren Auftritt vor 4000 Zuhörern, von denen jeder für die reguläre Karte zum Beispiel 398 Euro bezahlt hat (inklusive Mehrwertsteuer), Honorare von 5000 oder 10.000 Euro bekommen, der irrt. Um hier sprechen zu dürfen, zahlt der Referent bis zu 12.000 Euro an den Veranstalter.

Im Gegenzug wird er in der Ankündigungswerbung für den Kongress auf Plakaten, Flyern und in Zeitschriften als Experte positioniert, was seinen Marktwert verbessert. Außerdem kann er hinterher mit den werbewirksamen Fotos auf seiner Homepage und in der Akquise arbeiten. Mehr noch: Meist hat er auch mindestens ein Buch geschrieben, das die Zuhörer im Foyer erwerben können.

Und für die 12.000 Euro, die ihn die Auftrittsberechtigung kostet, erhält er im Gegenzug zum Beispiel 50 Karten, die er in seinem Umfeld zum regulären Preis von bspw. 398 Euro veräußern kann. Weil das aber in den seltensten Fällen gelingt, und die AGBs besagen, dass die Karten nicht verramscht werden dürfen, verschenkt er sie im Freundeskreis und bei den Mitarbeitern.

Das wiederum hat zur Folge, dass im Auditorium nur zu einem Bruchteil potentielle Kunden sitzen, sondern vor allem Angestellte, Angehörige und ehemalige Unternehmer, die sich mal wieder richtig wichtig fühlen wollen. Dass es immer mehr Speaker gibt, ist der Tatsache geschuldet, dass die Cash-Cow gefüttert werden muss, denn neue „Speaker“ rekrutieren eine neue Zuhörerschaft.

Mich erinnert das System an Drückerkolonnen. Und wenn dann noch die Redner über Ethik in der Wirtschaft sprechen, finde ich die Inszenierung zynisch und grotesk. Übrigens habe ich mich vor zehn Jahren in meiner (damaligen) Naivität mal um das Mandat beworben, Pressearbeit für die German Speakers Association zu machen. Ich glaube, die wußten, warum sie mich nicht genommen haben.

 

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Fake: „Bitte haben Sie keine Angst“

001 Presseartikel Köln-Fake
Stand so gestern, 19. Januar, in der Waiblinger Kreiszeitung: Dümmer kann man menschenfreundliche Redakteure nur noch schwer blamieren. FOTO: FROMM

Der Dilettantismus vieler Zeitgenossen in Sachen Pressearbeit geht mir an manchen Tagen schon mächtig auf den Senkel. Das reicht von den Pegida-Demonstranten, die „Lügenpresse“ rufen, bis zu den „Gutmenschen“, die dieser Tage Lobbyarbeit für die Flüchtlinge machen wollen, die sie in ihrem Idealismus fälschlicherweise „Gäste“ nennen: Gäste lädt man ein, wenn man gesellig ist. Flüchtlinge nimmt man auf, wenn man barmherzig ist.

Zur Sache: In Korb hat eine Ehrenamtliche, die sich für Flüchtlinge engagiert, „Waiblinger Kreiszeitung“ und „Stuttgarter Zeitung“ einen vermeintlichen Appell örtlicher Zuwanderer an die „lieben Frauen in Deutschland“ untergejubelt, in dem sich Autor Majed Mahouk – den syrischen Studenten gibt es tatsächlich – für die Übergriffe von Muslimen in Köln in der Silvesternacht entschuldigt.

Heimische Bürger und Zeitungsleser, die die vermeintlich Flüchtlings-freundliche Berichterstattung ihrer Lokalredakteure seit Monaten zunehmend stört, haben als Reflex den empathisch verfassten Text in exzellentem Deutsch gegoogelt und festgestellt, dass die Mahouk zugeschriebenen Zeilen fast identisch von Flüchtlingen aus dem anhaltinischen Köthen stammen.

Die Folge: Die naive Korberin hat die Redakteure und Redaktionen, die ohnehin schon in der Kritik stehen, bis auf de Knochen blamiert (verarscht) und damit Öl ins Feuer der „Lügenpressen“-Sympathisanten gegossen. Im Kern hätten natürlich die Redakteure die (Google-)Recherche machen müssen, die ihre erzürnten Leser nun gemacht hatten. Und die Korberin hätte besser geschwiegen, selbst einen eigenen Text verfasst oder einen PR-Profi konsultiert.

Das Beispiel aus dem privaten Umfeld zeigt aber schön, wie auch im gewerblichen Umfeld oft noch gedacht wird: Da meint der Mittelständler, weil er vor 30 Jahren in Deutsch die Note drei hatte, er könne einen Pressetext auch selbst verfassen. Liebe Mitbürger, egal ob rechts oder links, ehrenamtlich oder professionell: Was wir Journalisten machen, sofern wir Profis sind, ist so komplexe Arbeit (Handwerk!!!), dass ich mir einfach etwas mehr Respekt und Wertschätzung von euch erwarte – für mich und viele meiner Kollegen bei (Lokal-)Zeitungen, TV-Anstalten und Magazinen.

Hier noch ein Link, den ich gleichermaßen nett wie als öffentlichkeitswirksamen Zeichen professionell finde. Unser Büro macht bei der Aktion vermutlich morgen nach dem Wochenmeeting mit.

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1200 Gläubige erweisen die Referenz

026 Peters Verabschiedung
Heute im schweizerischen Olten: 1200 Gläubige, darunter 60 Sänger und 68 Ministranten, erweisen meinem Bruder (rechts im weißen Liturgiegewand), meiner Schwägerin und Kapuzinerpater Josef zum Abschied in den Ruhestand die Ehre.

Als ich 16 war, war mein 13 Jahre älterer Bruder Peter bereits Pfarrer in Ebersberg bei Backnang. Sein priesterliches Vorbild hat mich so geprägt, dass ich nach dem Abitur Latein, Griechisch und Hebräisch lernte, um Theologie zu studieren. Immer wieder besuchte ich ihn in seinem Pfarrhaus, erlebte seine gut besuchten Gottesdienste mit und wie er Menschen begeisterte.

In meinem fünften Semester Theologie machte mein Bruder öffentlich, dass er heiraten werde und deshalb schweren Herzens das Priesteramt aufgeben müsse. Bedingungslos leistete er „seiner“ Kirche dabei und in der Folge Gehorsam. Es folgten sein sozialer Absturz und das Bemühen, in der öffentlichen Verwaltung mit einem nachrangigen Job seine Familie ernähren zu können.

Im Herzen blieb mein Bruder immer Priester. Weil man ihn in der Diözese aber nicht als Pastoralreferent in einer Gemeinde arbeiten lassen wollte, bewarb er sich vor 17 Jahren in Olten (Schweiz) als Gemeindeleiter – und wurde genommen. Schweren Herzens verließ er mit seiner fünfköpfigen Familie die württembergische Heimat, um in der Fremde endlich wieder als Seelsorger wirken zu dürfen.

Doch auch hier spürte er, dessen Kommilitone Gebhard Fürst mittlerweile Bischof unserer Diözese geworden war, immer wieder die erbarmungslose Macht der Kirche, die „Gefallene“ wie ihn drangsalierte und sanktionierte. So verschärfte sich in der Schweiz das Kirchenrecht, dass er nach zehn Jahren nicht noch einmal die Pfarrei wechseln konnte, sondern ein Geduldeter blieb.

Am Dienstag ist er nun endlich 65 geworden und heute feierten wir in Olten mit SEINER Gemeinde seine Verabschiedung in den Ruhestand. Dass 1200 Menschen gekommen sind, obwohl die Säkularisation auch in der Schweiz längst fortgeschritten ist, spricht für die Qualität seiner seelsorgerlichen Arbeit und die Beliebtheit seiner Person.

60 Sänger intonierten eine südamerikanische Messe und 68 Ministranten aus den vergangenen 17 Jahren Gemeindearbeit erwiesen ihm und meiner Schwägerin, die als Gemeindereferentin hier wirkte, die Referenz. Mit Bruder Josef, einem Kapuzinerpater, der all die Jahre die Messen hielt und die Sakramente spendete, lebte mein Bruder seine priesterliche Brüderlichkeit.

In dem 90-minütigen Gottesdienst, der mit Standing Ovations für das Trio endete, kullerten mir mehrfach Tränen. Als Zwölfjähriger ministrierte ich bei seiner Primiz in unserer Heimatstadt; als 52-Jähriger war ich dabei, wie sein berufliches Leben endet. Sein priesterliches Leben, nämlich Verkündigung und Seelsorge, wird er bis zu seinem Lebensende weiterführen.

Ich danke den Oltenern, die meinen Bruder so brüderlich aufgenommen und ihm Heimat gegeben haben. Mein Bruder kann wie ich motivieren, provozieren und begeistern. Mit ihren harten Regeln hat die Amtskirche einen wundervollen Menschen von sich gestoßen, die ihrem verstaubten und verlogenen Laden gut getan hätte mit seiner Menschenliebe und Leidenschaft.

Ich bewundere meinen Bruder heute aufs Neue: Soviel Unrecht und Lieblosigkeit mit so viel Demut zu ertragen, nötigt mir größten Respekt ab. Er hätte das Zeug gehabt, innerhalb dieser Kirche Karriere zu machen, zumal die Konkurrenz angesichts des eklatanten Priestermangels (und derer charakterlicher und psychischer Deformationen) immer dünner wird.

Statt dessen ist mein Bruder immer spiritueller geworden. Das äußere Ansehen wurde ihm immer unwichtiger und lächerlicher, während es galt, „die Sache Jesu“ zu verfolgen, beim Nächsten zu sein und die Regeln der Bergpredigt zu befolgen. Ich denke, das hat er immer besser hinbekommen. Zwar bekam ich damit keinen Bruder, in dessen klerikalem Licht ich mich sonnen kann, aber eine bezaubernde Schwägerin und zwei wundervolle Nichten.

Ich bin übrigens vor circa sieben Jahren zum zweiten und letzten Mal aus der katholischen Kirche ausgeteten. Es war mein letzter Liebesdienst, den ich dieser Kirche erweisen konnte, um nicht mit meiner Kirchensteuer auch noch Verlogenheit und Unbarmherzigkeit zu mästen. Mehr als das eingesparte Geld gebe ich dorthin, wo Seelsorge und Diakonia stattfinden. Beispiele dafür gibt es glücklicherweise noch immer viele. Lieber Bruder, danke für Deine Wegbegleitung und Deinen aufrechten Gang. Du bist mir an Demut ein Vorbild.

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Lokalredakteur lebt in Sammelunterkunft mit

flüchtlinge
Essen in Zimmer 3 einer Waiblinger Sammelunterkunft: WKZ-Redakteur Peter Schwarz (r.) hat hier fünf Tage mitgelebt und seine Eindrücke ungefiltert in einer Zeitungsserie geschildert. FOTO: BÜTTNER

Peter Schwarz von der Waiblinger Kreiszeitung beweist es: Guten Lokaljournalismus zu machen, ist wirklich nicht so schwer. Fünf Tage hat der Reporter, der mit mir einst in Ellwangen Abitur gemacht hatte, in einer Waiblinger Sammelunterkunft für 117 Flüchtlinge mitgelebt. Darüber schrieb er für sein Blatt eine fünfteilige Serie mit jeweils ganzseitigen Reportagen.

Der Autor beschreibt den Alltag in einer solchen Unterkunft, in der er selbst einen Platz in „Zimmer 3“ bekommt. Dessen Bewohner stellt der Reporter unaufdringlich in einzelnen Sequenzen seinen Lesern vor: Wie ihre Flucht verlief; Motive zur Flucht; deren beruflicher und familiärer Hintergrund. So werden hinten den anonymen Zahlen Menschen spürbar, mit denen man in Resonanz geht. Die Wirkung: Man mag Kasim aus Aleppo bei sich wohnen lassen oder Jehad, dem Koch, einen Job vermitteln.

Der Reporter beschreibt, was er wahrnimmt; erzählt, welche Impulse er als Journalist in diesen Migranten auslöst; und beschreibt immer wieder, mit welcher Herzlichkeit sie ihren Mangel teilen oder ihn bekochen. Welches Glück es in diesem Elend ist, wenn ein Araber Englisch redet oder das Landratsamt einen türkischen Mitarbeiter als Übersetzer abstellt.

Ganz nebenbei räumt Schwarz viele Klischees beiseite, dass nämlich die meisten Smartphones schwer lädiert sind und die einzige Verbindung zu den Angehörigen, die oft in Todesgefahr irgendwo ausharren. Auch macht sich der Redakteur nützlich, in dem er Flüchtlinge mit seinem Auto zum Arzt fährt oder stellvertretend für uns Deutsche unsere Kultur vermittelt.

Schwarz ist, seit ich ihn kenne, ein kantiger, sperriger Kerl. Aber genau diese Typen tun dem Journalismus gut. Denn als Leser sind wir längst überinformiert. Solch profilierte Schreiber aber bieten uns Identifikations- und Reibungsfläche und letztlich Orientierung in unserem Überflussalltag. Gerade, weil ich den Sohn des früheren Ellwanger Landgerichtspräsidenten (ich war da mal Redakteur) kenne, freue ich mich an seinen Coups.

Denn wenn etwa der Ex-Rockmusiker in seiner Lokalzeitung eine Glaubensdebatte lostritt, in dem er auf einer ganzen Seite offenlegt, wie seine christliche Sozialisation im katholisch-konservativen Ellwangen war und was davon heute noch trägt oder wohin sich diese transformiert hat, dann ist das lesenswerter Journalismus. Mehr noch: Dann bestimmt die Lokalzeitung noch das Stadtgespräch. Respekt, Pit, für Deine Haltung. Du bist ein Glücksfall für die WKZ-Leser und unsere (sterbende) Zunft.

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Hagen Rether sagt uns, wie es geht

Einer der besten deutschen Kabarettisten ist für mich der Essener Hagen Rether. Denn der mittlerweile 45-Jährige, der 1973 mit seinen Eltern als Deutschstämmiger von Bukarest nach Freiburg übersiedelte, hält nicht unseren Politikern, sondern uns selbst den Spiegel vor. In seiner unvergleichlich ruhigen Art, in der er jede Menge Sprachwitz produziert, transportiert er viele Fakten, die die katastrophalen Widersprüche unserer Bequemlichkeit deutlich machen.

„Wer für zwei Wochen auf eine Yoga-Farm in Indien fliegt, um heißes Öl auf seine hohle Birne träufeln zu lassen, hat für den Rest des Jahres jedes Recht, sich über Ökologie zu äußern, verwirkt,“ ist so ein Rether-Satz, mit dem er unsere dumme Sattheit charakterisiert, um gleich den Bogen zu schlagen: „Wie sollen Politiker für solche Bürger noch die richtige Politik machen?“

Es sei leicht, auf die Politiker zu schimpfen und sich selbst nicht zu bewegen. Zu den Blödmännern gehören für Rether auch die Medien: Seit zehn Jahren machten sie Angela Merkels Politik für die sinkende Wahlbeteiligung verantwortlich. Wer das als Leser glaube, sei selbst schuld. Er gehe immer wählen, denn es sei wie mit dem Zähneputzen: „Wenn Du es nicht machst, wird alles braun.“

An dem Kabarettisten, der seine Solo-Karriere 2003 mit dem Programm „Liebe“ startete, gefällt mir sein pragmatischer Ansatz, der an meine Eigenverantwortung appelliert. Das erinnert mich an meine gestalttherapeutische Ausbildung, in der ein Kernsatz lautet: „Alles in der Welt bist Du selbst.“ Ich kann mein Leben damit verbringen, mich über Verhältnisse zu beschweren, oder ich kann die Verhältnisse ändern – oder ihnen die Macht über meine Befindlichkeit entziehen.

Der intelligente Mann, der auf der Bühne mit Bananen und roter Kaffeetasse an seinem Flügel, sitzt, ist ein Lehrmeister für diese Lebenshaltung. Am Freitag, 27. November, gastiert er in Schorndorf in der Künkelinhalle. Mit meinem Freund Martin Hollnaicher werde ich mir dieses Coaching gönnen. Meinen Lesern empfehle ich 45 Minuten Pause, das Video oben zu goutieren. Viel Vergnügen!

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Enthüllungsjournalisten erpressen König

Jeden Tag einen Tick schneller überdreht die Realität die schrägsten Phantasien: Nun haben französische Enthüllungsjournalisten den König von Marokko zu erpressen versucht, für drei Millionen Euro ein Buch über seine dunklen Machenschaften nicht zu schreiben. Immerhin, der König, der aktuell in seinem Land offenbar die Presserechte massiv einschränkt, hat die Erpresser angezeigt. Sie wurden verhaftet.

Mein erster Impuls auf die Nachricht war, diese Kollegen müssen ziemlich frustriert sein von ihrer aufopferungsvollen, arbeitsintensiven und stresserhöhten Arbeit, mit der sie in der Vergangenheit vermutlich vergebens versucht haben, Misstände dauerhaft zu beseitigen. Mir ist das in meiner Arbeit nie gelungen, weil die Öffentlichkeit binnen kürzester Zeit das Skandalthema nicht mehr interessierte (es gab ein anderes) und Gerichte den Fall ohnehin komplett anders bewerteten.

Da haben sich die französischen Kollegen vielleicht gedacht: Wenn aller Welt ohnehin alles scheißegal ist, dann nehmen wir wenigstens die drei Millionen Euro. Ob sie diese für sich verprasst oder damit eine Stiftung eingerichtet hätten, gibt die Nachrichtenlage leider nicht her. Diese Haltung aber kann ich nachvollziehen, wie ich einige Journalisten kennengelernt habe, die als Zyniker in den Ruhestand gegangen sind.

Auch die aktuelle Flüchtlingswelle hatten Redakteure teils seit Jahren prophezeit. Passiert ist daraufhin nichts. Ich habe mich in 25 Berufsjahren immer wieder mit Politikern und Unternehmern angelegt, ihnen akribisch ihr Fehlverhalten nachgewiesen und teils Prozesse geführt. Von der Öffentlichkeit bin ich dafür bejubelt worden und kurz darauf ist das Gesamtsystem wieder in die alte Lethargie gefallen. Das macht einsam.

Ich habe daraus 2001 die Konsequenz gezogen, mich selbstständig zu machen und habe selbst dann gelegentlich weitergemacht, wie im Fall Gansloser, der seit seiner Insolvenz als angestellter Brenner (und unbescholtener Bürger) in Bad Ditzenbach arbeitet. Denn manche Dreistigkeit hat weder mein Gerechtigkeitsempfinden noch meine Intelligenz ertragen. Dass ich nicht den Weg der französischen Kollegen gegangen bin, verdanke ich vermutlich meinem Glauben an Gott: Er sieht alles.

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