Gestalt-Coaching

Viel Wertschätzung zu meinem 50.

Viele Symbole der Wertschätzung für mich: St. Martin und der Bettler sowie viele, viele von Kindern gestaltete Herzen.
Viele Symbole der Wertschätzung für mich: St. Martin und der Bettler sowie viele, viele von Kindern gestaltete Herzen.

Anfang Juli war ich 50 geworden und bin gleichermaßen beeindruckt wie dankbar für die Vielzahl an Briefen, Karten, e-Mails, Telefonaten, Facebook-Grüßen und persönlichen Glückwünschen, die ich erhalten habe. Stellvertretend möchte ich zwei hervorheben, die mich besonders berührt haben: Wolfgang Schühle, Geschäftsführer von Ostheimer, brachte mir einen XXL-St.-Martin samt Pferd, Bettler und teilbarem Mantel mit.

Besonders durch seine begleitenden Worte fühlte ich mich sehr geehrt: Er meinte, ich sei so sozial und engagiert (kämpferisch) wie der heilige Martin. Der Legende nach ein römischer Offizier, der spontan seinen Mantel mit einem Bettler teilte, der am Straßenrand saß und fror. In vielen Kirchengemeinden wird an seinem Namenstag (Patrozinium) am 11. November deshalb noch immer im Schein von Fackeln und Laternen die Szene aufgeführt.

Eine Lehrerin, die mit mir von 2010 bis 2012 eine gestaltpädagogische Ausbildung gemacht hatte, schickte mir ein DinA4-Kuvert. Darin waren mehr als 20 individuell gestaltete Herzen und ein Begleitschreiben. Darin heißt es sinngemäß, ich hätte mal gesagt, dass mir materiell nichts fehlt, meine Seele aber stets genährt werden könne. So habe sie ihre Viertklässler eingeladen, je ein Herz für mich zu gestalten. Auf vielen dieser Herzen sind Symbole zu sehen und Wünsche für mich zu lesen. Vielen Dank.

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Fairness: Was uns der Sport lehrt

Als leidenschaftlicher Rennradfahrer und Boxfan stören mich natürlich die Manipulationen und das all gegenwärtige Doping. Umso mehr freue ich mich immer wieder, wenn uns der Sport, die schönste Nebensache der Welt, positiv beeinflusst, weil Menschen aus aller Welt friedlich zusammen kommen; schon Kinder hier lernen, was ein Team auszeichnet und wozu (Selbst-)Disziplin nützlich ist oder wir uns einfach mit anderen über deren Erfolg freuen können.

Um schöne Facetten hat nun der Weltverband der Sportjournalisten das Thema erweitert. In Lausanne kürten sie drei Sportler als Vorbilder für Fair-Play: Davide Ballardini, der als Trainer des FC Genua am 3. März gegen den AS Rom gegen den Abstieg spielte, rannte trotz Rückstands seiner Mannschaft bei einem verheißungsvollen Angriff auf das Feld. Der Grund: Nur dadurch weckte er die Aufmerksamkeit des Schiedsrichters, das Spiel zu unterbrechen, damit ein gegnerischer Spieler behandelt werden konnte, der schmerzverkrümmt in Genuas Strafraum am Boden lag.

Am Ende verlor Genua zwar das Spiel 1:3 und Ballardini wurde für ein Spiel gesperrt, doch seine Mannschaft schaffte auch so den Klassenerhalt. Und auch die Römer bejubelten diese Geste, in deren Mittelpunkt nicht millionenschwere Erfolge standen, sondern das Leid eines Spielers und das beherzte Handeln eines Trainers.

Bei einem Crosslauf in Spanien am 2. Dezember berührte der Charakter Ivan Anayas die Sportwelt. Der 24-Jährige war hinter Abel Mutai kurz vor dem Ziel Zweiter. Der Kenianer und Olympiadritte verlangsamte plötzlich sein Tempo, weil er die Ziellinie zehn Meter weiter vorne wähnte. Als Anaya dessen Irrtum erkennt und die Chance hat zu überholen, macht er statt dessen Mutai auf dessen Irrtum aufmerksam und weist ihm den Weg zum Ziel, wobei er weiter hinter ihm bleibt.

Schließlich ist da noch Meghan Vogel, die von den Sportjournalisten gekürt wird. In Ohio startet die 17-Jährige am 5. Juni über 3200 Meter, nachdem sie bereits tags zuvor über 1600 Meter gewonnen hatte. Entsprechend liegt sie auf der Zielgeraden auf dem letzten Platz. Vor ihr läuft Arden McMath, die plötzlich entkräftet stürzt. Vogel stoppt, zieht die Läuferin hoch, stützt sie und schleppt sich gemeinsam mit ihr als Letzte und Vorletzte über die Ziellinie. Die Zuschauer erheben sich gerührt von ihren Plätzen und bejubeln die faire Geste.

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Raum für alle – offene Stadtkirche

Selbsterfahrung im sakralen Raum: Am Samstag, 21. September, bietet die Schorndorfer Stadtkirche Interessierten spirituelle Möglichkeiten.
Selbsterfahrung im sakralen Raum: Am Samstag, 21. September, bietet die Schorndorfer Stadtkirche Interessierten spirituelle Möglichkeiten. FOTO: KUHNLE

1,8 Millionen Euro bringen die Schorndorfer Protestanten für die Innenrenovierung ihrer Stadtkirche auf. Am Samstag, 21. September, ruhen die Bauarbeiten, bevor 80 neue Kirchenbänke installiert werden. Damit bietet der Sakralraum ein einmaliges Raumgefühl, das die Gläubigen mit ihren Mitbürgern teilen wollen. Im Rahmen der Schorndorfer Kunstnacht, die im gesamten Stadtgebiet stattfindet, finden von 19 bis 23 Uhr im Stundentakt offene Angebote in der Stadtkirche statt.

Diese wollen Besuchern ermöglichen, Kirche positiver und vielfältiger zu erleben als dies viele in (Kindheits-)Erinnerung haben: Kindermalen, Künstler-Gespräch, Live-Musik oder Ausdruckstanz sind die einzelnen Programmpunkte. Insgesamt dauert das Angebot in der Stadtkirche von 11 Uhr bis Mitternacht. Es beginnt mit gemeinsamem Singen, wobei jeder Besucher spontan Lieder aus dem Gesangbuch vorschlagen kann, und endet um 23 Uhr mit Psalmensingen und Harfenklang.

Ich selbst bin an jenem Samstag von 16 bis 17 Uhr mit dem Thema „Selbsterfahrung im sakralen Raum“ dabei. In diese Stunde werde ich Methoden einfließen lassen, die ich in meiner gestaltpädagogischen Ausbildung kennengelernt und teils ausprobiert habe. Einen Vorgeschmack haben Besucher unseres Hochzeitsgottesdienstes am 14. September 2012 miterlebt: Damals stellten sich – kurz vor Renovierungsbeginn – alle 220 Besucher in Form einer (Perlen-)Kette im Raum auf, weil vor Gott jeder Mensch eine Perle ist.

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Trend 5: Intern und extern verfließen

Beispiel für schlechte Kommunikation: Bei Schlecker erfuhren die Mitarbeiterinnen stets nur aus der Presse, wie es um die Firma steht.
Beispiel für schlechte Kommunikation: Bei Schlecker erfuhren die Mitarbeiterinnen stets nur aus der Presse, wie es um die Firma steht. Kein Wunder, ist der Konzern Geschichte.

Bevor eine Firma nach außen kommuniziert, sollte sie es nach innen tun. Denn mündige Bürger sind auch mündige Arbeitnehmer – und die wollen Entwicklungen und Veränderungen über ihre Firma nicht aus der Zeitung erfahren, sondern vorab intern. Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Noch schlimmer: In der Presse steht etwas über die Firma, z.B. deren sinnstiftende Firmenkultur, was die Mitarbeiter (ganz) anders sehen. Dann leidet die Glabwürdigkeit.

Moderne Firmen, und das war der fünfte Trend bei unserer Klausurtagung mit Bain-Kommunikationschef Pierre Deraed vor fünf Wochen, sollten deshalb auch die interne Kommuniktion professionalisieren und systematisieren. Ob das regelmäßige Betriebsversammlungen sind, Rundmails an alle, Aushänge am Schwarzen Brett oder ein regelmäßiges Mitarbeitermagazin, kommt auf den konkreten Fall an.

Wichtig sind aber immer professionelle Texte und Bilder mit transparenten Fakten, die Spekulationen den Boden entziehen und Mitarbeiter zu informierten Botschaftern nach draußen machen. Das macht Unternehmen zu attraktiven Arbeitgebern, steigert die Produktivität und erhöht die Arbeitsplatzzufriedenheit. Kleiner Test: Wissen Sie, wie Ihre Mitarbeiter Sie einschätzen? Was sie über die Firma zu Hause, im Verein oder am Stammtisch reden?

Pierres Tipp an uns lautete: Eine Pressemitteilung per Mail am Vorabend ihrer Aussendung an die Medien den Mitarbeitern mailen, damit die sehen, was im Original geliefert wurde (und ob und was die Zeitung daraus macht). Im Einzelfall kann so sogar noch ein falches Detail korrigiert werden. Und: In der Personalstelle stößt der PR-Verantwortliche auf hoch spannende Themen. Nicht nur in der Geschäftsleitung, im Vertrieb oder der Technik.

Alle Kommunikationstrends:

Trend 1: Fragmentierte Öffentlichkeit

Trend 2: Digitalisierte Kommunikation

Trend 3: Personalisieren, skandalisieren

Trend 4: Viele Player kommunizieren mit

Trend 5: Intern und extern verfließen

Trend 6: Kommunikation wird global

Trend 7: Kommunikation professioneller

Trend 8: Controlling der Kommunikation

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Trilogie „Unsere Väter, unsere Mütter“

Bei einem Familientreffen im November 1993: Mein Vater Hans unten links mit zwei seiner jüngeren Brüder, die auch Soldaten der Wehrmacht waren.
Bei einem Familientreffen im November 1993: Mein Vater Hans unten links mit zwei seiner jüngeren Brüder, die auch Soldaten der Wehrmacht waren und später DDR-Bürger.

Für mich waren Sonntag, Montag und Mittwoch um 20.15 Uhr Pflicht-Termine, mir im ZDF die Trilogie „Unsere Väter, unsere Mütter“ anzuschauen. Dazu hatte ich zwei Gründe: Mein Vater Hans (Jg. 1919) und meine Mutter Elsbeth (Jg. 1921) gehören exakt dieser Generation an. Und in meiner gestaltpädagogischen und -therapeutischen Ausbildung (und in meinem Freundeskreis) treffe ich immer wieder Menschen, deren Eltern gleichermaßen emotionslos waren wie meine – mit teils existenziellen Folgen für die Betroffenen.

Ich habe keinerlei Interesse, nun den intellektuellen Kritiker an dem Dreiteiler herauszuhängen, wie dies nun wieder Kollegen diverser „Leitmedien“ tun, die dieses und jenes Haar in der Suppe zu finden glauben. Vor meinem geistigen Auge haben sich die fiktiven Biographien des Films und die dort gezeigte Gewalt und Tyrannei mit den subjektiv gefärbten (und zensierten) Erzählungen meiner Eltern zu lebendigen Bildern verwoben.

Fast glaubte ich, körperlich das Leid zu spüren, das meine Eltern (mein Vater war sechs Jahre Frontsoldat und hat alles überlebt!!!) erlebt, geduldet und teils selbst angerichtet haben. Und immer wieder fragte ich mich, wie hätte ich mich verhalten? Wie hätte mich das verändert? Wie wären meine Eltern gewesen, hätten sie eine friedliche (und ideologiefreie) Jugend erlebt und ihre Kinder (meine ersten Geschwister sind Jg. 1948 und 50) nicht im Mangel bekommen?

Ich habe meinen Vater nie gefragt, wie viele Menschen er erschossen oder vielleicht auch erschlagen oder erwürgt hat. Das verbot der Respekt, war er doch ein frommer Kirchgänger. Und doch wurden in mir wieder Sequenzen geweckt, die er gelegentlich mit einem Unterton des Stolzes oder auch wie mechanisch erzählte: Wie er etwa am Waldboden liegend ein MG auf 20, 30 auf ihn zu rennende russische Soldaten leerschießt – bis da keiner mehr rennt und überall Leichen liegen.

Oder wie er bei minus 40 Grad auf freiem Feld in Rußland mit zwei, drei Kollegen in Sommeruniform ohne Ausrüstung biwakierte. Wie lang muss eine solche Nacht gewesen sein? Wie fühlt man sich so weit weg von zu Hause und immer in der Angst, entdeckt oder angegriffen zu werden? Was wurde aus den anderen, die sich in jener Nacht mit ihrer Körperwärme gegenseitig das Überleben sicherten?

Ich ahne nur, wie viel mein Vater von seiner Herzlichkeit und Emotionalität in Russland verloren hat. Bei mir kam nämlich Zeit seines Lebens, er starb am 20.04.2009, fast nichts an. Pflichtbewußtsein war seine wichtigste Vokabel. Darüber bin ich sehr traurig. Ich habe ihm aber vergeben. Die TV-Trilogie, die mich sehr traurig und betroffen machte, hat mich darin bestätigt, dass die Vergebung richtig war. Ein Urteil steht mir nicht zu. Meinem Vater wünsche ich Erlösung und mir Befreiung von den falschen Mustern.

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Gestalttherapeutische Ausbildung

Befördert unbewußte Seiten meines Handelns an die sichtbare Oberfläche: Mein analytischer Gestalttherapeut Hans-Jürgen Krebs (l.).
Haben Freude an Veränderung: Mein analytischer Gestalttherapeut Hans-Jürgen Krebs (l.) und ich.

Seit Herbst bin ich in der Nähe von Ulm einen Samstag im Monat mit gut 20 anderen Teilnehmern in einer gestalttherapeutischen Ausbildung. Ich gehe diesen fünfjährigen Weg, der rund 750 Stunden umfasst, weil ich mich weiter mit mir selbst auseinandersetzen möchte. Zugleich erlebe ich sehr viele andere Biographien und Verhaltensweisen in der Gruppe, die meinen Horizont weiten und mir mehr von meiner eigenen Art zu fühlen, zu denken und zu handeln bewußt machen.

Dieses Bewußtmachen in Verbindung mit dem permanenten Training und Ausprobieren in der Gruppe ermöglicht es, dass meine Klaviatur zu fühlen, zu denken und zu handeln immer breiter und virtuoser wird. Damit kann ich auch besser bei meinem Gegenüber sein, egal ob in der Familie, im Beruf oder in anderen sozialen Kontexten. Diese Auseinandersetzung strengt mich gleichermaßen an, wie sie mich auch fasziniert.

Zudem lerne ich nicht nur sehr viel über die Klassiker wie Sigmund Freud oder C.G. Jung, sondern gehe jeden Samstagabend auch friedlicher und innerlich wieder geordneter nach Hause. Möglich macht dies unser Trainer und Coach Hans-Jürgen Krebs. Der 64-jährige Pädagoge und analytische Gestalttherapeut, der seine Qualifikationen am Gestaltinstitut Bodensee erworben hat, macht keinerlei Werbung und tritt kaum öffentlich auf, weshalb ich auch hier – auf seinen Wunsch – nichts Näheres zu seiner Biographie mitteile.

Seine Klienten bis hin zu Führungskräften aus Industrie und öffentlicher Verwaltung, kommen allein über Empfehlung. Krebs Kernsatz, den alle nur Hajü nennen: „Ihr wollt euch verändern, deshalb seid ihr hier. Auf, los geht’s.“ Gleichermaßen konfrontativ wie einfühlsam geht er auf jeden einzelnen ein, so dass sich jeder im vertrauten Kreis öffnen kann. Dabei agiert er gleichermaßen mit einfachen Worten, wie der blitzgescheite und jederzeit hellwache Coach auch mal kurze Exkursionen in biochemische oder medizinische Zusammenhänge samt lateinischer Fachbegriffe machen kann.

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