Interessante Köpfe

Gospelchor in Stadtkirche zieht 1000 Besucher

Der Stuttgarter „Jesustreff Gospelchor“ hat diesen Sonntag ein Benefizkonzert in der mit 1000 Besuchern prallvollen Schorndorfer Stadtkirche gegeben. Der Spendenerlös ging zugunsten einer hauptamtlichen Stelle in der evangelischen Jugendarbeit. Damit hat sich die Premiere, die Kirchengemeinderat und Stadtrat Jürgen Dobler 2016 initiiert hatte, etabliert.

Neben der Professionalität von Band und Chor, der seit Mittwoch in einem Jugendheim am Ort geprobt und gewohnt hatte, beeindruckte mich vor allem das Charisma des Chorleiters, das in seinen kleinen Moderationen spürbar wurde, in denen er seine spirituelle Haltung zeigte und zu Gelassenheit und Fehlertoleranz ermunterte, „denn vor Gott ist niemand perfekt.“

Doch wenn der Mensch das Ebenbild Gottes ist, dann kamen Gesang und Musik den himmlischen Heerscharen doch sehr, sehr nahe. Zusammen mit Sound und Lightshow wurde das Gesamtarrangement zum spirituellen Erlebnis für alle Sinne. Dabei mussten die Akteure gnädig sein, dass das durch Konventionen geprägte Publikum im Sakralraum sich dennoch mehrheitlich brav zurück- und auf den Sitzbänken hielt statt in Mittel- und Seitengang zu tanzen.

Nach Heiligabend mit 4000 Gläubigen auf dem Marktplatz war für mich das Erlebnis des mit 1000 Menschen beseelten Gotteshauses eine Erfahrung, die mich positiv stimmte angesichts der vielen schlechten Nachrichten in Stadt, Land und Erdkreis. Doch beide Male wurde deutlich: Gott und insbesondere sein Geist sind mitten unter uns und wir sind viele. Danke, danke, danke. Halleluja.

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Drei Abenteuer-Angebote für Männer 2017

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Die Abenteuerreise für je 15 Männer findet 2017 dreimal statt: Raum und Rahmen sind bereitet. Die Teilnehmer können sich jetzt anmelden. FOTO: MICHOR

Mein größter Wunsch für 2017: Dass eines, zwei oder drei meiner gestalttherapeutischen Männer-Wochenenden stattfindet, die ich erstmals offen anbiete. Denn für solche Themen und Angebote eine Community aufzubauen, ist harte Arbeit. Viele Männer reagieren mit der Bemerkung „danke, aber ich bin gesund und privat und im Beruf habe ich aktuell auch keine Probleme“.

Die machen aber auch Sport und achten auf ihre Ernährung – ohne krank zu sein. Sport gilt eben als schick, zumal man sich letztlich nicht mit sich selbst, sondern „nur“ mit dem Körper befassen muss. Wieder andere sagen „so Psycho-Seminare sind nichts für mich“ und wissen überhaupt nicht, wogegen sie sich entscheiden. Viele sagen „ich habe keine Zeit“ (Opfer) und müssten besser sagen „ich nehme mir keine Zeit“ (Täter).

Weil ich aber den Kurs halten will, werbe ich um jeden Mann. Zum Beispiel über diesen Blogeintrag. Bis vor acht Jahren hätte ich vermutlich selbst ein solches Seminar nicht besucht. Dabei hatte ich viele Verhaltens- und Bewertungsmuster, weil ich aus einer sehr moralischen Familie komme. Diese Muster haben mich weit gebracht (Leistung, Durchhaltevermögen, Selbstbewußtsein), aber eben auf Dauer auch beengt.

Nach meiner zweiten Scheidung 2009 habe ich gelernt, virtuoser mit meinen Ressourcen und „Glaubens-Sätzen“ umzugehen und meine Handlungsklaviatur deutlich zu erweitern. Heute bestimme ich, welche Sätze wann für mich gelten – und nicht mehr meine Eltern, Konventionen oder eine Moral. Meine Lebensqualität hat sich dadurch massiv gesteigert.

Als Kommunikationsberater arbeite ich bereits vereinzelt – auf Wunsch meiner Kunden – mit diesen Coaching-Dienstleistungen. Diese sind dort unüblich und gewöhnungsbedürftig, weil ich nicht primär Techniken vermittle, sondern vor allem Haltungen. Letztere zielen auf die (Weiter-)Entwicklung der spezifischen Persönlichkeit ab, wobei ich unterstützen kann. Bei diesen Kunden gibt mir (und meinem Kollegen Michael Sudahl) aber der fast schon messbare Erfolg recht: Mitarbeiter verändern sich.

Im Sommer 2016 habe ich meine vierjährige Ausbildung zum Gestalttherapeuten abgeschlossen; habe seit 2015 Klienten im Einzel und biete nun 2017 erstmals mit zwei bewährten Trainern diese drei offenen Seminare an. Robert Michor war mein Trainer bei meiner gestaltpädagogischen Ausbildung (IGBW) 2010 bis 12. Über ihn bin ich auch mit dem internationalen Männernetzwerk www.mkp-deutschland.de in Kontakt gekommen, das u.a. Regionalgruppen in Stuttgart, Schorndorf und Schwäbisch Hall unterhält. Unsere Mission: Mehr „gelingendes Leben“ in die Welt bringen. Dazu klären wir uns regelmäßig selbst und unterstützen uns gegenseitig dabei.

So nach außen zu gehen mit meinen Seminar-Angeboten ist auch ein Experiment für mich, das mich (noch) Überwindung und Kraft kostet. Denn mit den Seminaren „zeige ich mich“, übernehme Verantwortung und gebe Kontrolle ab. Schließlich könnte mein Angebot auch nicht auf die Resonanz stoßen, die ich mir wünsche. Andererseits habe ich als Medienberater, der ich gerne bin und bleibe, mein Auskommen. Ich handele und entwickle mich also in großer Freiheit.

Die Termine sind 12.-14. Mai, 29.09.-01. Oktober sowie 6.-8. Oktober jeweils in Hohenberg in einem abgelegenen Selbstversorgerhaus auf der Ostalb. Unter fromm@der-medienberater.de schicke ich gerne einen Flyer per e-Mail zu oder schicke ihn per Post, wenn ich eine Anschrift erhalte. Rückfragen gerne unter 0173-6955822 an mich. Das Abenteuer kann beginnen.

 

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„Wir hacken die neoliberale Wirtschaft“

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Beim ersten Treffen in Karlsruhe entstehen erste interessante Querverbindungen: Rainer Kroll (r.) hatte die Multiplikatoren eingeladen, die bereits in dialogischen Strukturen zum Kapitalismus eine Alternative leben. FOTO: FROMM

Ein Hauch von makro-ökonomischer 1968er-Debatte liegt im Seminarraum der Karlsruher Wohnanlage „Albgrün“, in der zehn Unternehmer aus dem Badischen und der Region Stuttgart über dialogische Unternehmenskultur als Alternative zur materiellen Dialekt sprechen. Ihr Ziel: Ein sozial- und umweltverträgliches Wirtschaftssystem in regionalen Strukturen kreieren.

Beim Eintreffen am Morgen fällt auf: Die Auswärtigen sind per Bahn angereist. Schon in der Vorstellungsrunde fallen Begriffe wie Kapitalismus, Neoliberalismus oder Neu-Feudalismus, die die Redner kritisch sehen. Die Statements machen aber auch deutlich, dass sich hier Unternehmer treffen, die sehr wohl nach den bestehenden Regeln der Marktwirtschaft spielen können – dies aber nicht mehr wollen.

Da ist Ralph Suikat, der mit einem Partner binnen 20 Jahren eine IT-Firma mit 150 Mitarbeitern geschaffen hat, und der heute einer Unternehmerinitiative fairantwortung.org vorsteht. „Die neoliberale Wirtschaft zu hacken, auch mit anderen Aktionen und Initiativen, ist meine vordringliche Aufgabe“, merkt der 51-Jährige mit dem Laptop auf dem Schoß süffisant an. Oder Peter Bauer aus Speyer, der als Konflikt-Coach Großgruppenprozesse mit bis zu 1000 Teilnehmern moderiert und „auf Konzern-Themen immer weniger Lust“ hat.

Auch Gastgeber Rainer Kroll, der seine Karriere als Kaufmann bei BASF gestartet und als Ingenieur mit Schwerpunkt Architektur mit der Gestaltung von Lebensräumen für dm-Gründer Götz Werner fortgesetzt hat, beeindruckt: Das „Wohnprojekt am Albgrün“, das 30 Millionen Euro Bausumme in 100 Wohneinheiten umfasst, hat er als Mehrgenerationen-Anlage initiiert und projektiert. In mehreren Häusern leben ökonomisch Schwache als Mieter der städtischen Wohnbau, zumeist Ältere als Genossen in Gemeinschaftseigentum sowie junge Familien mit KfW-Förderung als Eigentümer zusammen.

In einem der kleineren Gemeinschaftsräume findet das Treffen statt. Kroll erläutert das Konzept solidarischen Wohnens: „Als im Wohndorf-eigenen Kindergarten 2015 die Erzieherinnen wie überall gestreikt haben, haben die Bewohner die Kinderbetreuung selbst organisiert.“ Im Gegenzug kaufen Jüngere für Ältere ein, Bewohner organisieren untereinander Car-Sharing und Mittagstisch und mit zwei Landwirten gibt es Kooperationen für Bioprodukte.

Für den 57-jährigen Kroll, der seit zehn Jahren bundesweit solche Projekte moderiert, sind seine Wohnkonzepte ein Beispiel für Gemeinwohl-Ökonomie. „In den 1910er-Jahren entstanden im Deutschen Reich binnen zehn Jahren sieben Millionen Wohnungen durch regionale Genossenschaften, in denen der Staat die Rentengelder anlegte,“ verweist der gebürtige Bielefelder auf Vorbilder aus der jüngeren Wirtschaftsgeschichte.

Otmar Donnenberg, 76-jähriger Organisationsberater, der 35 Jahre in den Niederlanden bei Shell und Exxon beschäftigt war und Action-Learning-Projekte im Gesundheitswesen durchgeführt hat, möchte an seinem jetzigen Wohnort Weil am Rhein Krolls Konzept in die Stadtteilarbeit einbringen. Einzige Nicht-Unternehmerin in der Runde ist Monika Spahl. Die promovierte Oberärztin einer Psychosomatischen Fachklinik ist gekommen, „weil das bisherige Wirtschaftssystem die Menschen krank macht.“ Unter ihren Patienten seien „viele Manager, die am Ende sind.“

Sehr viel gearbeitet hat in seinem Leben auch schon Günter Rickert. Als Immobilienfinanzierer hat er nach der Wende ein Vermögen gemacht, das er heute verwaltet. In Dresden gründete der vierfache Vater nebenbei zunächst einen Waldorf-Kindergarten und dann eine –Schule, damit seine Kinder diese besuchen konnten. Mit 65 anderen Kapitalgebern hat er eine Null-Zins-Initiative gegründet, die nachhaltige Projekte finanziert. Dazu zählt eine solidarische Agrar-Initiative, deren Mitinitiator und Buchhalter der Privatier ist.

Dass seine Finanzierungsinitiative Bafin-konform wurde, verdankt der Zahlenmensch einem spezialisierten Finanz-Juristen. Denn zwei Dinge wurden bei dem eintägigen ersten Workshop deutlich: Alternative Modelle müssen rechtskonform sein und ehe das bestehende System nachhaltig verändert wird, wollen sich die Gestalter gegenseitig mit ihren Kompetenzen unterstützen oder in ihren jeweiligen Netzwerken Experten vermitteln.

Für ein zweites Treffen im März wollen sie Vordenker wie Götz Werner (bedingungsloses Grundeinkommen), Rudolf Bühler (schwäbisch-hällisches Landschwein) oder Manfred Gebauer (Edeka-Märkte als Plattform für regionale Produkte) gewinnen. Wichtige Multiplikatoren seien auch Vorstände von Geno-Banken und Kreissparkassen, die regional verwurzelt und auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen sind. Kluge Köpfe ahnen es: Als Kommunikationsprofi gehöre ich diesem Netzwerk an, damit es in den Medien auch Gehör findet.

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Mein Weg vom Selbsthass zur Selbstliebe

Wer mich kennt und meinen 2007 gestarteten Blog zumindest gelegentlich liest, weiß um meinen Veränderungsprozess oder hat zumindest eine Idee davon. Mein ehrenamtliches Engagement in der internationalen Männerarbeit bei MKP und meine Initiative, 2017 mit zwei anderen Trainern auf der Ostalb im Mai und im Oktober drei Männer-Wochenenden anzubieten, hat mich mit dem Männerportal zusammengebracht.

Dort bin ich seit heute Autor mit einem ersten Beitrag, in dem ich erstmals über meine Veränderung und Entwicklung schreibe. Ich denke, diese „Offenbarung“ passt gut zum Advent und letztlich zu Weihnachten. Selbstverständlich will ich dies auch als Einladung verstanden wissen, sich für meine Angebote zu interessieren, für die es Flyer gibt, die ich jedem neugierig gewordenen Mann gerne zukommen lasse.

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Von Benediktinern lernen

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Immer wieder inspirierend zu lesen: Die Benediktiner-Zeitschrift „Erbe und Auftrag“. FOTO: FROMM

Über die im Geburtsjahr meines Vaters 1919 gegründete benediktinische Quartals-Zeitschrift Erbe und Auftrag bin ich mit meinem Freund Pater Albert Schmidt verbunden, der seit 2006 Schriftleiter dieser theologisch-monastischen Lektüre ist. Diese ist üblicherweise einem Schwerpunkt gewidmet, wie etwa die Bedeutung der Klostergärten für das Leben in Gemeinschaft; der Ökumene oder dieses Mal eben dem „Mönchtum in Lateinamerika.“

Vor allem beeindruckt hat mich die Biographie des Benediktiners Richard Weberbergers, der in Brasilien Bischof war. Als 2009 das Doppeljubiläum seines 70. Geburtstags anstand und das 30-jährige Bestehen seiner Diözese, wurde ein großes Fest vorbereitet und viele Speisen zubereitet. Und als das Essen gekocht war, ließ Dom Ricardo es in Autos verladen, die quer durch die Stadt zu den Favelas fuhren, statt es mit seinen Gästen zu verzehren.

Dort schlug der Jubilar eigenhändig mit der Schöpfkelle auf einen Topfrand, so dass rasch die Kinder zusammenliefen. Und Dom Ricardo belehrte seine staunenden Gäste, die Eltern schämten sich ob ihrer Armut,weshalb sie die Kinder schickten. In einem anderen Beitrag regt der Autor, der selbst einen Konvent leitet, an, Ordensleute mögen sich weltweit mehr durchmischen in ihren Gemeinschaften, um multikultureller zu leben und damit Vorurteile abzubauen und vorbildlich zu leben.

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Mein Buchtipp: Untenrum frei

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Lesenswertes Buch über Frauen-Emanzipation, die zugleich auch Männer-Emanzipation ist: Nicht nur der anstößige Titel gibt Anstöße zum Weiterdenken. FOTO: FROMM

Auf das Buch von Margarete Stokowksi „Untenrum frei“ bin ich durch Zufall gestoßen. Und während mich der Titel als reißerisch eher abstieß, las ich bereits einen Halbsatz weiter, dass die 30-jährige Autorin Kolumnistin bei taz und spiegel-online sei, was mich wiederum neugierig machte. Denn erfolgreiche junge Kolleginnen finde ich interessant.

Die Rezension in der Stuttgarter Zeitung animierte mich, das Buch zu kaufen, um es meiner knapp 18-jährigen Tochter zu schenken, geht es doch um Emanzipation und die Entlarvung männlicher Dominanz, die noch immer – allerdings subtil- massiv in unserer Gesellschaft präsent ist. Neugierig las ich die 230 Seiten binnen Tagen selbst mit großem Gewinn.

Denn die 30-jährige gebürtige Polin analysiert messerscharf, wie (wir) Männer durch Konventionen (Erziehung, Katholizismus etc.) Frauen klein halten. So beschreibt sie, wie sie als Vierjährige vom Fahrrad fiel. Den aufgeschürften Arm ließ sie sich aufwändig verarzten, die Schmerzen zwischen den Beinen aber verschwieg sie, weil sie den Ort nicht beschreiben konnte. Die Scham ließ erstmals grüßen.

Süffisant sezessiert sie, wie Mädchen- und Frauenzeitschriften die Unterwerfung der Frau zum Ziel haben. Denn die Heftchen konditionieren Frauen darauf, sich auf ihr Äußeres zu reduzieren („Hilfe, ich bin zu dick!“) und ihrer „Problemzonen bewusst“ zu werden. Oder sie bekommen ständig vermittelt, wie sie den Mann befriedigen. Aber nahezu kein Heft ermutigt junge Frauen, den Blick auf die eigene Befriedigung zu lenken oder darauf, mit Männern auf Augenhöhe zu verhandeln.

An einigen Stellen entlarvt das Buch auch meine Haltungen, wenn es etwa um sexuelle Orientierung geht oder Gender-spezifische Erziehung: Mädchen bremse ich eher (Schutz) und Jungs ermutige ich eher (Risiko). Die Lektüre macht mir deutlich, dass ich noch immer mit zweierlei Maß messe. Und dass es in meinen Beziehungen auch so war, dass mit der Geburt eines Kindes die Rollenfixierung nahezu klassisch wurde.

Meiner Tochter schenke ich das (gelesene) Buch zum morgigen Nikolaustag. In der Hoffnung, dass auch sie es liest und einiges besser macht als ich. Vor allem achtsamer und ideologiefreier. Denn eines weiß ich auch: Mit einer emanzipierten Frau auf Augenhöhe haben erwachsene Männer viel mehr Spaß als mit einem konditionierten Mäuschen oder einer weltfremden Prinzessin. Danke, liebe Margarete, für Ihr lesenswertes Buch.

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Stadtführung für meine ehemaligen Pfadfinder

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Doppelte Begegnung mit der Vergangenheit: Neckarsulmer Pfadfinder aus meiner Kindheit haben am Samstag in Schorndorf eine Stadtführung auf den Spuren Gottlieb Daimlers unternommen. FOTO: FROMM

Karl-Otto Völker, ein Schorndorfer Urgestein und exzellenter Kenner der Stadtgeschichte, hat am Samstag für Neckarsulmer, mit denen ich in Kindheit und Jugend bei den katholischen Georgs-Pfadfindern war, eine Stadtführung gegeben. Seine Spezialität: Im Outfit Gottlieb Daimlers führt der 70-Jährige durch dessen Geburtsstadt (1834-1900).

So kam Daimler als zweiter Sohn einer kinderreichen Bäcker- und Gastwirtsfamilie zur Welt und machte nach dem Realschulabschluss ab 1848 eine vierjährige Ausbildung zum Büchsenmacher, ehe er im Elsaß in Geislingen, in England und bei Deutz in Köln arbeitete. Dadurch spach er Englisch und Französisch, hatte Eindrücke von der Industrialisierung und mit der Abfindung von Deutz das Startkapital für seine Selbstständigkeit.

Denn der begnadete Zeichner wollte – im Gegensatz zu Otto Benz in Karlsruhe – in Bad Cannstatt wohnend einen Universalmotor entwickeln, der zu Land, zu Wasser und in der Luft Mobilität ermöglicht. Zusammen mit dem begnadeten Ingenieur Wilhelm Maybach gelang ihm dies auch, wenngleich er verarmt starb. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise musste die Marke Daimler übrigens 1924 auf Druck der Banken mit der Marke Benz fusionieren. Sitz der Firma wurde Untertürkheim.

Nach 90 kurzweiligen Minuten Führung, die im Geburtshaus Daimlers endete, gingen wir auf dem Schorndorfer Weihnachtsmarkt, der just am Samstag eröffnet hat, noch eine Wurst essen und einen Glühwein trinken. Den Neckarsulmer Pfadfindern fühle ich mich noch immer eng verbunden, wofür solche Anlässe hilfreich sind, diese Beziehung zu leben.

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Nina Scheer: Keine Alternative zur Energiewende

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Die Energiewende ist auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit: Nina Scheer (2.v.r.) war Zugpferd der Podiumsdiskussion des Solarvereins Rems-Murr. FOTO: PRIVAT

Die Energiewende muss über die Einkommenssteuer finanziert werden und nicht wie bisher über eine Vielzahl an Umlagen, so der Tenor einer Diskussion. Das sei sozial gerechter und marktkonformer, um keine Anreize zu setzen, Abgaben zu vermeiden. Organisiert hatte die zwei Stunden mit 150 Zuhörern aus sieben Energiegenossenschaften im Landkreis der Solarverein Rems-Murr e.V. im Waiblinger Bürgerzentrum.

„50 Prozent der Bevölkerung wären von den Kosten für die Energiewende befreit“, rechnet taz-Redakteur Malte Kreuzfeld vor. Er möchte EEG- und Netzgelt-Umlage, die den Preis je Kilowattstunde (kWh) Strom binnen 15 Jahren auf fast 30 Cent verdoppelt haben, abschaffen und diese Kosten über die Einkommenssteuer finanzieren. „Die Lasten für das politische Ziel der Energiewende müssen gerecht verteilt werden“, so seine Argumentation.

Dazu gibt ihm ausgerechnet Esther Chrischilles Recht. Denn auch die Lobbyistin vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht über den Stromverbrauch die Unternehmen im globalen Wettbewerb der Standorte belastet. Nur vier Prozent der Betriebe seien von der EEG-Umlage, die 24 Milliarden Euro pro Jahr einbringt, entlastet.

Dem widerspricht Nina Scheer, SPD-Bundestagsabgeordnete in Schleswig-Holstein. Die Tochter des früheren Rems-Murr-Politikers Hermann Scheer, der das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) Ende der 1990er-Jahre erfunden hatte, um das Stromsparen und die Energiewende zu fördern, hält an dessen verbrauchsorientierter Intention fest. „Die Frage ist doch nicht, was uns die Energiewende kostet, sondern was es uns kostet, wenn wir sie nicht machen.“

Sie hält eine CO2-Steuer dagegen, die fossile Verbrennung bepreisen würde: „Das wären zehn Cent je kWh, dann können wir die EEG-Umlage gerne abschaffen.“ Laut Scheer bezahlen wir diese schon heute in Form schwindender Lebensqualität und Gesundheit. Jörg Jasper, Energieexperte der EnBW, räumt ein, dass die Umlage-Thematik mittlerweile so komplex sei, dass auch „die Experten sie in Gänze nicht mehr verstehen.“ Für Investitionsentscheidungen fehle die Planungssicherheit.

In der lebhaften Diskussion merkte ein Redner an, dass auch auf die Umlagen Mehrwertsteuer erhoben wird. Andere wollten wissen, auf welche Technologien die Experten bei der Energiewende setzen; ob bei den Ausbauszenarien die e-Mobilität berücksichtigt ist oder ob Bürgerenergiegenossenschaften von dem Ausschreibungsprozedere ausgenommen sind, mit dem die Bundesnetzagentur den Zubau reglementiert.

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Oikocredit: Mikrokredite verändern die Welt

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Kurzweilige, Mut machende zwei Stunden beim Adelberger Männervesper: Helmut Götz (l.) informiert, wie Mikrokredite die Welt verbessern. FOTO: FROMM

Oikocredit vergibt Kredite an Kooperativen in Entwicklungs- und Schwellenländern, so in Peru, Kenia oder Indien. Beim Adelberger Männervesper erklärte Schatzmeister Helmut Götz, wie diese Darlehen lokale Wirtschaftsstrukturen in Gang bringen und Gerechtigkeit stiften.

„Die Betroffenen wollen kein Mitleid, sondern eine faire Chance“, sagt Helmut Götz. Der 73-Jährige war Vorstand der Heidenheimer Volksbank und ist seit knapp zehn Jahren Schatzmeister von Oikocredit. Die internationale Kreditgenossenschaft hat  der Ökumenische Weltrat der Kirchen 1975 gegründet, um die Armut in der Welt zu bekämpfen. Heute gehören dem Institut mit Sitz in Holland 589 Direktmitglieder an, darunter Kirchen, kirchliche Organisationen wie die Diakonie, Caritas oder Brot für die Welt sowie 30 Förderkreise mit weltweit mehr als 51000 Einzelmitgliedern.

Einer  dieser Förderkreise ist der 1978 gegründete Förderkreis Baden-Württemberg e.V., dessen Vorstand Götz angehört. Aktuell unterstützen in Baden-Württemberg 7000 Mitglieder die Arbeit von Oikocredit International. Binnen 40 Jahren hat Oikocredit 2,5 Milliarden Euro an Krediten vergeben, deren Laufzeit bis zu 15 Jahren geht. Aktuell sind 940 Millionen Euro an knapp 800 Partnerorganisationen in 71 Ländern vergeben. Die Mikrofinanzdienstleistung erreicht 46 Millionen Kreditnehmer. Diese sind oft in Gruppen gebündelt, um das Ausfallrisiko zu minimieren.

So bekommen etwa im Senegal sechs Frauen zusammen 200 Euro, um je eine eigene Geflügelzucht aufzubauen. Jede muss innerhalb von einem Jahr ihr Sechstel zurückzahlen. Fällt eine Kreditnehmerin aus, übernehmen die anderen fünf die Rückzahlung ihres Anteils. Deshalb liegt die Rückzahlungsquote bei nahezu 100 Prozent.

Auch bei Oikocredit sind die Ausfälle gering. Seit 2012 lagen diese zwischen 0,8 und  2,5 Prozent, was im Kontext der Risiken von Währungsschwankungen, Diktaturen oder Klimakatastrophen zu vernachlässigen sei, so Götz. Dass 86 Prozent der Mikrokreditnehmer Frauen sind, ist ihrer Verlässlichkeit geschuldet. „Die Frauen haben eine hohe Motivation, ihre Kinder durchzubringen und ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen“, begründet der Heidenheimer, der selbst viele Länder bereist und Projekte besichtigt hat.

Entsprechend fließen Kredite in Photovoltaik-Projekte, damit die Frauen abends Strom und Licht haben, um noch arbeiten zu können. Oder es werden dringend notwenige Modernisierungen bei einer lokalen Kakao-Kooperative finanziert, um deren Wettbewerbsfähigkeit und Einkünfte zu sichern.
Weltweit beschäftigt Oikocredit 300 Mitarbeiter, die in dezentralen Strukturen die lokale Situation der Menschen kennen und die Kreditanträge bearbeiten. Diese erfolgt über Partnerorganisationen nach strikten Vorgaben: So müssen Menschen- und Arbeitsrechte oder der Umweltschutz eingehalten werden.

„Ein Grundübel sind Wucherzinsen“, sagt Götz, die durch knappe Ressourcen und ausgeprägte Machtstrukturen in Südamerika, Afrika oder weiten Teilen Asiens teils bei 100 Prozent pro Jahr liegen. Diese trieben Menschen in die Illegalität oder die Resignation. Nicht umsonst hat Wirtschaftsprofessor Muhammad Junus, der 2006 den Friedensnobelpreis erhielt, 1976 Mikrokredite mit Zinsen von 20 bis 30 Prozent in Bangladesch eingeführt und damit nachweislich die Lebenssituationen der Menschen verbessert.

Götz machte seinen knapp 20 Zuhörern im Adelberger Pfarrsaal in zwei spannenden Stunden Mut. Denn weltweit hat sich die Armut von 2000 bis 2015 in etwa halbiert, allerdings auch, weil 600.000 Chinesen durch das dortige Wirtschaftswachstum über die Schwelle von 1,90 Dollar pro Tag an Einkünften kamen. Und: Die Weltlandwirtschaft könnte sogar zwölf Milliarden Menschen ernähren, wenn die Ressourcen anders und gerechter verteilt wären.

Götz‘ Vortrag fiel auf fruchtbaren Boden: So wollen etliche Zuhörer Genossenschaftsanteile an Oikocredit erwerben, auf die in den vergangenen 25 Jahren in der Regel jährlich zwei Prozent Dividende  ausgeschüttet wurden. Auch viele Kirchengemeinden parken hier Teile ihres Geldes, das jederzeit wieder abrufbar ist. Pfarrer Tilman Schühle und Organisator Klaus Müller dankten dem Gast.

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Besuch bei einer herzensguten Persönlichkeit

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Zu Besuch bei Prof. Albert Höfer (l.): Seit mehr als 40 Jahren blind, hat der Vater der christlichen Gestaltpädagogik an seinem Wohnzimmertisch schon mit vielen Mit-Überzeugten diskutiert und Konzepte und Visionen entworfen. FOTO: FROMM

Tief berührt bin ich am Freitag von meiner kurzen Reise nach Graz zurückgekehrt, wo ich bei dem in Gestaltkreisen berühmten Albert Höfer übernachten durfte. Der 84-jährige Professor für Religionspädagogik hat 1983 die christliche Gestalttherapie begründet, die auf Fritz Perls basiert. In Graz gründete er das Institut für Integrative Gestaltpädagogik und Seelsorge (IIGS).

Das IIGS hat heute in der Rechtsform von Vereinen sechs Ableger in Deutschland, die regelmäßig zweijährige, nebenberufliche Ausbildungen zum Gestaltpädagogen anbieten, etwa für Erzieher, Religionslehrer oder heilende Berufe. Aber auch für Menschen, die einen intuitiveren Zugang zu sich selbst haben und sich besser kennen, verstehen und annehmen wollen.

Daneben gibt es Institute in Luxemburg, der Schweiz, der Solwakei und in Slowenien, wo man an der Universität von Ljubljana Gestaltpädagogik sogar studieren kann. Entsprechend verwundert es nicht, dass über Höfer bereits vier Dissertationen verfasst wurden. Dies ist eine späte Genugtuung für den weltzugewandten Theologen, der unter den Verkrustungen des österrechischen Klerus doch einiges zu ertragen hatte, wie er mir andeutete.

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Alberts Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit haben mich tief beeeindruckt.

Besonders beeindruckt war ich, wie der Theologe unter seinen nationalsozialistisch geprägten Eltern zu leiden hatte, die den sehbehinderten Jungen in ihrem Fanatismus trotzdem auf eine NS-Eliteschule schickten, wie es im gesamten Deutschen Reich offenbar nur 14 gab. Die Kunstlehrerin habe ihn für die Malerei und Bildhauerei des Mittelalters begeistert, sagt er, die fast ausnahmslos christliche Kunst gewesen sei.

Als 13-Jähriger, so erzählt Höfer, der schon bei der Begrüßung auf das Du bestand, habe er mit dem Fahrrad alle Kirchen seiner Salzburger Heimat abgefahren, um deren Altäre, Wand- und Deckenmalereien zu studieren. Als der Professor die ultimative Diagnose bekam, er werde in wenigen Jahren völlig erblinden, besuchte er noch viele kunsthistorische Sehenswürdigkeiten wie die Sixtinische Kapelle oder den Riemenschneider-Altar, um sie vor seinem geistigen Auge abzuspeichern.

Seit mehr als 40 Jahren völlig erblindet, lebt der Vater der christlichen Gestaltpädagogik mitten in Graz mit jeweils drei Studenten, die ihn in seiner Autonomie unterstützen. Bei meinem Besuch waren das zwei kroatische Studenten der Molekularbiologie und eine Ukrainerin, die Cello studiert. Über dieses Convivium hat Albert jede Menge Gesellschaft (und WLAN in seiner Wohnung) und Besuch seiner ehemaligen Mitbewohner, deren Zahl sich mittlerweile locker auf 40 belaufen dürfte.

Gekommen war ich, um mit Alberts engstem Vertrauten, Robert Michor, zu klären, ob wir 2017 gemeinsame Männerseminare in einem Selbstversorgerhaus bei Ellwangen anbieten wollen. Robert hatte u.a. bei Albert studiert und war ständiger Teilnehmer bei den kreativen Treffen in dessen Wohnzimmer, bei denen die Konzeptionen für Gestaltkurse seit 1981 diskutiert und entwickelt wurden.

Später wurde Robert Psychotherapeut und war 2010 bis 2012 mein Trainer, als ich beim IGBW in Untermarchtal die Ausbildung zum Gestaltpädagogen gemacht habe. Beide sind wir auch Mitglied bei MKP, wo sich Männer klären. Dritter im Bund bei den 2017er-Angeboten im Südwesten wird Chuck Le Monds sein. Der in Österreich lebende Musiker kam in Minnesota/USA zu MKP und ist im Verband legendär für seine Schatten-Arbeiten (Shadow work).

Für Albert war es eine Freude, dass an seinem Wohnzimmertisch die versöhnende, integrierende, klärende und heilende Arbeit für Menschen (in diesem Fall Männer) weitergeht. Für mich war es ein total gutes Gefühl, in dieser Energie mit authentischen Männern etwas Neues zu beginnen. Unsere Termine für die drei Kurswochenenden sind: 12.-14. Mai; 29.09.bis 01.10. und 06.-08. Oktober.

Bitte vormerken, weitersagen und idealerweise anmelden unter fromm@der-medienberater.de. Wir wollen die Wochenenden auf 15 Teilnehmer beschränken und werden mit maximal 350 bis 400 Euro (für TN, die das Seminar steuerlich absetzen können) je Person für Kost, Logie und Seminargebühr hinkommen. Details folgen.

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