Migranten

Globalisierung: Wir sind eine große Familie

Seit Wochen wird mir dieses Video per Facebook immer wieder empfohlen. Und einige Male habe ich es dann auch angeschaut, weil es mich immer wieder neu berührt und inspiriert. Es ist solch ein Quatsch, in Ausgrenzungen und Gegensätzen zu denken und zu argumentieren. Wir alle sind Menschen, die sich in unseren Gefühlen und Sehnsüchten sehr ähnlich sind.

Um diese Gemeinsamkeit und Gemeinschaft zu kommunizieren, lade ich dieses Video über eine DNA-Analyse unter Studenten auch in meinem Blog hoch. Ich hoffe, das Barmherzigkeits-Gen und das der Solidarität und Verbundenheit findet sich auch bei all meinen Mitmenschen. Dann ist mir für unsere gemeinsame Zukunft nicht bange. Ohnehin sitzen wir alle in einem Boot.

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Prominente Autorin für unser Online-Magazin

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Wird Autorin unseres im März 2015 gegründeten Online-Magazins: Ex-Sozialministerin Katrin Altpeter, die ab April Schulleiterin einer Altenpflegeschule wird. Diese Woche haben wir die Zusammenarbeit bersprochen. FOTO: STÜWE

Mit Katrin Altpeter hat die-Pflegebibel.de eine starke Partnerin gewonnen: Die 53-jährige Ex-Sozialministerin des Landes Baden-Württemberg wird regelmäßige Kolumnistin unseres Online-Magazins, das aktuell bundesweit pro Monat gut 20.000 Leserinnen erreicht, zu 80 Prozent Altenpflege-Fachkräfte und zu einem Fünftel Krankenschwestern und pflegende Angehörige.

Die Sozialdemokratin hat nach der Mittleren Reife in Waiblingen selbst Altenpflegerin gelernt, vier Jahre in dem Beruf gearbeitet und von 1990 bis 92 die Ausbildung zur Lehrerin in dieser Branche gemacht. Bis 2001 hat sie unterrichtet, war aber zwischendurch zwei Jahre Leiterin des ambulanten Pflegedienstes der AWO in Backnang.

1989 in die SPD eingetreten, saß die Mutter einer mittlerweile erwachsenen Tochter von 1994 bis 99 im Gemeinderat ihrer Heimatstadt Waiblingen, war von 2001 bis 2016 Landtagsabgeordnete und von 2002 bis 2006 Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Rems-Murr. Von 2011 bis 2016 war Altpeter Arbeits- und Sozialministerin der grün-roten Landesregierung von Winfried Kretschmann.

Ab 1. April ist die Sozialdemokratin Leiterin der Altenpflegeschule des Berufsfortbildungswerks (bfw) des DGB in Stuttgart-Bad Cannstatt. In dieser Funktion kann sie sowohl über den konkreten Unterricht wie über die Bildungspolitik und vieles mehr in der Pflegebranche schreiben. „Das bekomme ich zeitlich gut hin“, lacht die Waiblingerin, deren Arbeitstage als Ministerin von 6 bis 23 Uhr sechs Tage die Woche gingen.

Zuvor geht sie aber nochmal für vier Wochen nach Dominica in Urlaub. Von dort stammt der Freund ihrer Tochter, der in Deutschland eine Koch-Ausbildung macht. Wir freuen uns auf ihre vielen Kontakte, ihr Wissen und ihre Themenvorschläge, die den Leserinnen der-Pflegebibel.de zu gute kommen werden.

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Mein Pladoyer für mehr soziale Gerechtigkeit

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Ich bekenne mich zur SPD und gerne zu einer „langweiligen Mitte“ mit langwierigen, komplexen Entscheidungsprozessen, weil ich unser Land für seine offene Gesellschaft liebe und wieder mehr soziale Gerechtigkeit will. FOTO: FROMM

Der Absturz der SPD bei der Landtagswahl 2016 im Südwesten auf knapp 13 Prozent hat mich dazu veranlasst, mich zu dieser Traditionspartei mit dem Markenkern der sozialen Gerechtigkeit wieder zu bekennen – und sie bei allen sich bietenden Gelegenheiten zu wählen. Meine Premiere ist deshalb die Bundestagswahl am 24. September.

Für diese Entscheidung war und ist nicht der Kanzlerkandidat ausschlaggebend, sondern mein Demokratieverständnis. Umso mehr hat mich am Sonntagabend Martin Schulz beeindruckt, der als Solist bei Anne Will den richtigen Ton traf und die Themen auf den Punkt brachte. Denn dem – politisch unkorrekt formulierten – „kleinen Mann“ mit dem „normalen Einkommen“ müssen wir alle wieder mehr Respekt entgegen bringen und seinen Dienst für das Gemeinwohl wertschätzen.

Mich empört, dass unsere Gesellschaft immer weiter in arm und reich auseinanderfällt und ich das zwar – akademisch-ökonomisch korrekt – mit Globalisierung und Digitalisierung nachvollziehen und erklären kann, damit aber einerseits Eliten stabilisiere, die sich der Demokratie und dem Wettbewerb durch ihre Privilegien komplett entziehen, und andererseits „kleine Männer“ scharenweise den Radikalen in die Arme treibe, die unsere Gesellschaft und die Welt spalten, zerstören und Hass säen.

Deshalb bekenne ich mich als selbstbewußter Besserverdiener, der formal den Schutz des Staates nicht braucht, zur SPD, die mir hilft, Werte wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit politisch zu kultivieren. Ich wähle die SPD, weil ich gesellschaftliche Probleme durch mein persönliches Engagement vor Ort selbst löse und diese Hilfe organisiere statt sie an überforderte und anonyme Institutionen zu delegieren.

Ich wähle die SPD, weil ich mich durch eigene Anstrengung in dieser Gesellschaft nach oben gearbeitet habe und trotzdem will, dass es gerecht zu geht. Denn nicht jeder hat meine Selbstdisziplin, Konstitution und Resilienz – zumindest noch nicht jetzt. Und wir lernen gemeinsam, weil wir auch nur so stark sind wie der Schwächste in unserer Gesellschaft.

Ich wähle die SPD, weil ich nicht mehr nur mit wenigen nach vorne stürmen will, sondern hinten schauen, dass wieder mehr mitkommen. Denn ein kleiner Schritt gemeinsam macht mehr Spaß und weniger Probleme als ein großer Schritt allein. Ich wähle die SPD, weil ich dieses Land und seine offene Gesellschaft liebe.

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Gospelchor in Stadtkirche zieht 1000 Besucher

Der Stuttgarter „Jesustreff Gospelchor“ hat diesen Sonntag ein Benefizkonzert in der mit 1000 Besuchern prallvollen Schorndorfer Stadtkirche gegeben. Der Spendenerlös ging zugunsten einer hauptamtlichen Stelle in der evangelischen Jugendarbeit. Damit hat sich die Premiere, die Kirchengemeinderat und Stadtrat Jürgen Dobler 2016 initiiert hatte, etabliert.

Neben der Professionalität von Band und Chor, der seit Mittwoch in einem Jugendheim am Ort geprobt und gewohnt hatte, beeindruckte mich vor allem das Charisma des Chorleiters, das in seinen kleinen Moderationen spürbar wurde, in denen er seine spirituelle Haltung zeigte und zu Gelassenheit und Fehlertoleranz ermunterte, „denn vor Gott ist niemand perfekt.“

Doch wenn der Mensch das Ebenbild Gottes ist, dann kamen Gesang und Musik den himmlischen Heerscharen doch sehr, sehr nahe. Zusammen mit Sound und Lightshow wurde das Gesamtarrangement zum spirituellen Erlebnis für alle Sinne. Dabei mussten die Akteure gnädig sein, dass das durch Konventionen geprägte Publikum im Sakralraum sich dennoch mehrheitlich brav zurück- und auf den Sitzbänken hielt statt in Mittel- und Seitengang zu tanzen.

Nach Heiligabend mit 4000 Gläubigen auf dem Marktplatz war für mich das Erlebnis des mit 1000 Menschen beseelten Gotteshauses eine Erfahrung, die mich positiv stimmte angesichts der vielen schlechten Nachrichten in Stadt, Land und Erdkreis. Doch beide Male wurde deutlich: Gott und insbesondere sein Geist sind mitten unter uns und wir sind viele. Danke, danke, danke. Halleluja.

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4000 Mitfeiernde auf Schorndorfer Marktplatz

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Fürchtet euch nicht: 4000 Schorndorfer bekennen sich an Heiligabend auf ihrem Marktplatz zur Weihnachtsbotschaft, machen sich gegenseitig Mut und intonieren am Ende „Oh, Du fröhliche.“ Welch‘ ein Geschenk. FOTO: FROMM

Mehr als 100 Mitwirkende vom Posaunenchor über einen vom Kirchenchor unterstützten Projektchor bis hin zum Kinderchor und der Jugendkantorei haben an Heiligabend auf dem Schorndorfer Marktplatz nach der Premiere 2012 öffentlich Weihnachten gefeiert. Rund 4000 Gläubige, Zweifler und vielleicht Ungläubige nahmen an dem 50-minütigen Gottesdienst teil.

In dessen Mittelpunkt stand das Lukas-Evangelium von der Geburt Jesu; den als erste die Hirten besuchten, die zu den Ärmsten der Gesellschaft gehörten; und schließlich die neugierigen Könige, die ihre Komfortzone verlassen hatten, um sich auf eine neue (Welt-)Ordnung einzulassen. Zentral war der Satz an die Hirten „Fürchtet euch nicht!“, der auch heute gilt.

„Weil die Angst der schlechteste aller Ratgeber ist,“ so Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann in seiner Predigt, „weil wir sonst alles zu verlieren drohen, was uns wichtig ist: Unseren Zusammenhalt und vielleicht sogar unsere Liebe.“ Dass neben einem Kind und anderen auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer eine Fürbitte vortrug, stimmt mich für die Werteorientierung in unserer Stadt mit ihren 40.000 Einwohnern zuversichtlich.

Schade fand ich, dass die Initiative von Stadtpfarrerin Dorothee Eisrich im Vorfeld unter den Gläubigen offenbar umstritten war: Da sind Befürworter wie ich, die sagen, wir müssen mit der Botschaft zu den Menschen gehen und uns mit unserem Glauben in der Stadt zeigen; und da sind die Konservativen, die das Geheimnis ihres Glaubens in sakraler Umgebung feiern wollen, zumal die für viel Geld 2013 renovierte Kirche 1000 Gläubige fasst, die aber seltenst da sind.

Fakt ist aber, dass auf den Marktplatz viermal soviele Menschen kamen, von denen die meisten in eine Kirche nicht gekommen wären. Und: Bereits am Sonntag, 8. Januar, dürfte die Stadtkirche um 18 Uhr mit mehr als 1000 Besuchern aus allen Nähten platzen, wenn ein Stuttgarter Gospelchor nach dem Erfolg von diesem Jahr erneut ein Benefizkonzert gibt.

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Wundervolles Adventskonzert beschwingt

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Verzaubern mit ihren Melodien (v.l.): Margot Kroner (Leitung), Gerda Engelfried, Elke Lang und Dagmar Delingat am Sonntagabend in Rommelshausen. FOTO: FROMM

Die „Groovin‘ Voices“ aus Donzdorf haben mir und rund 100 weiteren Besuchern am Sonntagabend ein wundervolles Geschenk gemacht: Das Frauen-Quartett gab in Rommelshausen in der glanzvoll erstrahlten Mauritiuskirche ein Adventskonzert. Unter dem Motto „Joy to the world“ intonierten sie weltweit bekannte Melodien aus Pop, Klassik, Jazz und Swing.

Begleitet am e-Piano von Michael Hauser zeigten Margot Kroner (Leitung), Gerda Engelfried, Elke Lang und Dagmar Delingat eindrucksvoll auf, welche spirituelle Kraft die Musik hat, uns Menschen im wahrsten Wortsinn in Schwingung zu versetzen. Enorm war aber auch die gesangliche Leistung, vierstimmig virtuos und akurat die Melodien zu entfalten.

Das Quartett samt Pianist ist für mich ein Symbol dafür, wie Menschen mit Achtsamkeit und gegenseitiger Wahrnehmung erst Spitzenleistung erbringen können. Denn der Erfolg liegt oft in den unmerklichen Details. Dazu gaben die Sängerinnen vor der Kulisse der Apsis unter dem Kreuz ein ästhetisches Bild ab, das den Lebensbogen visualisiert: Während sie vom Baby in der Krippe singen, hängt darüber der zu Tode Gefolterte. Aleppo & Co. lassen grüßen, auch unter dem Frank Sinatra-Swing.

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Von Benediktinern lernen

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Immer wieder inspirierend zu lesen: Die Benediktiner-Zeitschrift „Erbe und Auftrag“. FOTO: FROMM

Über die im Geburtsjahr meines Vaters 1919 gegründete benediktinische Quartals-Zeitschrift Erbe und Auftrag bin ich mit meinem Freund Pater Albert Schmidt verbunden, der seit 2006 Schriftleiter dieser theologisch-monastischen Lektüre ist. Diese ist üblicherweise einem Schwerpunkt gewidmet, wie etwa die Bedeutung der Klostergärten für das Leben in Gemeinschaft; der Ökumene oder dieses Mal eben dem „Mönchtum in Lateinamerika.“

Vor allem beeindruckt hat mich die Biographie des Benediktiners Richard Weberbergers, der in Brasilien Bischof war. Als 2009 das Doppeljubiläum seines 70. Geburtstags anstand und das 30-jährige Bestehen seiner Diözese, wurde ein großes Fest vorbereitet und viele Speisen zubereitet. Und als das Essen gekocht war, ließ Dom Ricardo es in Autos verladen, die quer durch die Stadt zu den Favelas fuhren, statt es mit seinen Gästen zu verzehren.

Dort schlug der Jubilar eigenhändig mit der Schöpfkelle auf einen Topfrand, so dass rasch die Kinder zusammenliefen. Und Dom Ricardo belehrte seine staunenden Gäste, die Eltern schämten sich ob ihrer Armut,weshalb sie die Kinder schickten. In einem anderen Beitrag regt der Autor, der selbst einen Konvent leitet, an, Ordensleute mögen sich weltweit mehr durchmischen in ihren Gemeinschaften, um multikultureller zu leben und damit Vorurteile abzubauen und vorbildlich zu leben.

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Mein Buchtipp: Untenrum frei

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Lesenswertes Buch über Frauen-Emanzipation, die zugleich auch Männer-Emanzipation ist: Nicht nur der anstößige Titel gibt Anstöße zum Weiterdenken. FOTO: FROMM

Auf das Buch von Margarete Stokowksi „Untenrum frei“ bin ich durch Zufall gestoßen. Und während mich der Titel als reißerisch eher abstieß, las ich bereits einen Halbsatz weiter, dass die 30-jährige Autorin Kolumnistin bei taz und spiegel-online sei, was mich wiederum neugierig machte. Denn erfolgreiche junge Kolleginnen finde ich interessant.

Die Rezension in der Stuttgarter Zeitung animierte mich, das Buch zu kaufen, um es meiner knapp 18-jährigen Tochter zu schenken, geht es doch um Emanzipation und die Entlarvung männlicher Dominanz, die noch immer – allerdings subtil- massiv in unserer Gesellschaft präsent ist. Neugierig las ich die 230 Seiten binnen Tagen selbst mit großem Gewinn.

Denn die 30-jährige gebürtige Polin analysiert messerscharf, wie (wir) Männer durch Konventionen (Erziehung, Katholizismus etc.) Frauen klein halten. So beschreibt sie, wie sie als Vierjährige vom Fahrrad fiel. Den aufgeschürften Arm ließ sie sich aufwändig verarzten, die Schmerzen zwischen den Beinen aber verschwieg sie, weil sie den Ort nicht beschreiben konnte. Die Scham ließ erstmals grüßen.

Süffisant sezessiert sie, wie Mädchen- und Frauenzeitschriften die Unterwerfung der Frau zum Ziel haben. Denn die Heftchen konditionieren Frauen darauf, sich auf ihr Äußeres zu reduzieren („Hilfe, ich bin zu dick!“) und ihrer „Problemzonen bewusst“ zu werden. Oder sie bekommen ständig vermittelt, wie sie den Mann befriedigen. Aber nahezu kein Heft ermutigt junge Frauen, den Blick auf die eigene Befriedigung zu lenken oder darauf, mit Männern auf Augenhöhe zu verhandeln.

An einigen Stellen entlarvt das Buch auch meine Haltungen, wenn es etwa um sexuelle Orientierung geht oder Gender-spezifische Erziehung: Mädchen bremse ich eher (Schutz) und Jungs ermutige ich eher (Risiko). Die Lektüre macht mir deutlich, dass ich noch immer mit zweierlei Maß messe. Und dass es in meinen Beziehungen auch so war, dass mit der Geburt eines Kindes die Rollenfixierung nahezu klassisch wurde.

Meiner Tochter schenke ich das (gelesene) Buch zum morgigen Nikolaustag. In der Hoffnung, dass auch sie es liest und einiges besser macht als ich. Vor allem achtsamer und ideologiefreier. Denn eines weiß ich auch: Mit einer emanzipierten Frau auf Augenhöhe haben erwachsene Männer viel mehr Spaß als mit einem konditionierten Mäuschen oder einer weltfremden Prinzessin. Danke, liebe Margarete, für Ihr lesenswertes Buch.

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Konsum: Quadratur der Schizophrenie

Bereits zum wiederholten Mal gefällt mir ein Werbevideo von Edeka, das emotionalisiert und eine ethische Botschaft wie das aktuell hier gezeigte auf den Punkt bringt. Als Medienprofi kann ich nur bestätigen, dass dieser Weg der sympathischen Präsenz klug und richtig ist. Denn dass der Lebensmittler für gute Produkte und kompetenten Service steht, braucht man nicht mehr thematisieren.

Demnach ist das Video eine sympathische Erinnerung daran, dass es Edeka gibt – in Abgrenzung zu Rewe, Aldi & Co., die alle auch Umsätze machen wollen. Und da beginnt für mich die Schizophrenie: Edeka thematisiert im Video, Eltern sollen sich Zeit für ihre Kinder nehmen. Selbst aber weiten sie die Öffnungszeiten – im Wettbewerb mit Rewe, Aldi & Co. – bis 21 Uhr und später aus, einschließlich samstags. So bleibt Familien (noch) weniger gemeinsame Zeit.

Mehr noch: Die meisten von uns sind übergewichtig, die Kühlschränke immer voll und viele Lebensmittel werden weggeschmissen. Da wäre eher die B0tschaft angesagt, mal drei Tage gar nicht einkaufen zu gehen oder ein Jahr lang (!!!) keine Textilien zu kaufen, um Ressourcen (und Geld, das zuvor durch Nebenjobs dazuverdient werden muss) zu sparen und sich bewusst zu machen, wie viel (zuviel) man hat. Das wäre Pädagogik.

Aber der Widersinn hat noch viel mehr Methode: Vor zwei Wochen war ich beim Energiekongress des Einzelhandels in Köln.  Dort referierten Energiemanager von Aldi, C&A oder Shoppingcenter-Betreibern wie ECE wie sie Energie sparen oder regenerativ erzeugen, um das klimaschädliche CO2 einzusparen. Letztlich geht es hierbei nämlich um das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten. Das wäre wahrlich ein wichtiges Weinachtsgeschenk, wenn uns das gelingt.

Und tatsächlich leisten die Verantwortlichen teils Erstaunliches. Doch andererseits werden viele CO2-Einsparungen durch wachsende Konsumansprüche (noch mehr Kühltheken, Backshops, Videowände etc.) nahezu neutralisiert. Und wenn man dann hört, wie etwa Beleuchtung von „Lightning-Managern“ eingesetzt wird, um satte Verbraucher, die nichts brauchen, zum Stoppen und Zugreifen zu bringen, frage ich mich schon, wie pervers und dekadent unsere Spezies ist.

Da referiert die Sustanability-Verantwortliche der marktführenden Shoppingcenter-Kette, wie die Hamburger nachhaltig bauen und über Steuerungstechnik etc. CO2 einsparen. Und niemand im Saal – oder die Referentin selbst – kommt auf die Idee, mal zu hinterfragen, welchen Geschäftszweck diese Konsumtempel verfolgen: Nämlich Menschen permanent zu verführen und zu manipulieren statt zu informieren oder gar zu bilden.

Zum Beispiel darüber wie Ausbeutungsstrukturen von Filialisten entlang der gesamten Wertschöpfungskette funktionieren, um T-Shirts und Hosen, die keiner braucht, für fünf Euro in ihren Stores zu verkaufen. Oder darüber, dass nicht Erwerb und Besitz glücklich machen, sondern Beziehungen und Gemeinschaft. Wir sollten uns gegenseitig bei Letzterem unterstützen statt beim Ausbeuten. Frohe Weihnachten. Hoho-hohoooo.

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Nina Scheer: Keine Alternative zur Energiewende

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Die Energiewende ist auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit: Nina Scheer (2.v.r.) war Zugpferd der Podiumsdiskussion des Solarvereins Rems-Murr. FOTO: PRIVAT

Die Energiewende muss über die Einkommenssteuer finanziert werden und nicht wie bisher über eine Vielzahl an Umlagen, so der Tenor einer Diskussion. Das sei sozial gerechter und marktkonformer, um keine Anreize zu setzen, Abgaben zu vermeiden. Organisiert hatte die zwei Stunden mit 150 Zuhörern aus sieben Energiegenossenschaften im Landkreis der Solarverein Rems-Murr e.V. im Waiblinger Bürgerzentrum.

„50 Prozent der Bevölkerung wären von den Kosten für die Energiewende befreit“, rechnet taz-Redakteur Malte Kreuzfeld vor. Er möchte EEG- und Netzgelt-Umlage, die den Preis je Kilowattstunde (kWh) Strom binnen 15 Jahren auf fast 30 Cent verdoppelt haben, abschaffen und diese Kosten über die Einkommenssteuer finanzieren. „Die Lasten für das politische Ziel der Energiewende müssen gerecht verteilt werden“, so seine Argumentation.

Dazu gibt ihm ausgerechnet Esther Chrischilles Recht. Denn auch die Lobbyistin vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht über den Stromverbrauch die Unternehmen im globalen Wettbewerb der Standorte belastet. Nur vier Prozent der Betriebe seien von der EEG-Umlage, die 24 Milliarden Euro pro Jahr einbringt, entlastet.

Dem widerspricht Nina Scheer, SPD-Bundestagsabgeordnete in Schleswig-Holstein. Die Tochter des früheren Rems-Murr-Politikers Hermann Scheer, der das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) Ende der 1990er-Jahre erfunden hatte, um das Stromsparen und die Energiewende zu fördern, hält an dessen verbrauchsorientierter Intention fest. „Die Frage ist doch nicht, was uns die Energiewende kostet, sondern was es uns kostet, wenn wir sie nicht machen.“

Sie hält eine CO2-Steuer dagegen, die fossile Verbrennung bepreisen würde: „Das wären zehn Cent je kWh, dann können wir die EEG-Umlage gerne abschaffen.“ Laut Scheer bezahlen wir diese schon heute in Form schwindender Lebensqualität und Gesundheit. Jörg Jasper, Energieexperte der EnBW, räumt ein, dass die Umlage-Thematik mittlerweile so komplex sei, dass auch „die Experten sie in Gänze nicht mehr verstehen.“ Für Investitionsentscheidungen fehle die Planungssicherheit.

In der lebhaften Diskussion merkte ein Redner an, dass auch auf die Umlagen Mehrwertsteuer erhoben wird. Andere wollten wissen, auf welche Technologien die Experten bei der Energiewende setzen; ob bei den Ausbauszenarien die e-Mobilität berücksichtigt ist oder ob Bürgerenergiegenossenschaften von dem Ausschreibungsprozedere ausgenommen sind, mit dem die Bundesnetzagentur den Zubau reglementiert.

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