Migranten

Oikocredit: Mikrokredite verändern die Welt

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Kurzweilige, Mut machende zwei Stunden beim Adelberger Männervesper: Helmut Götz (l.) informiert, wie Mikrokredite die Welt verbessern. FOTO: FROMM

Oikocredit vergibt Kredite an Kooperativen in Entwicklungs- und Schwellenländern, so in Peru, Kenia oder Indien. Beim Adelberger Männervesper erklärte Schatzmeister Helmut Götz, wie diese Darlehen lokale Wirtschaftsstrukturen in Gang bringen und Gerechtigkeit stiften.

„Die Betroffenen wollen kein Mitleid, sondern eine faire Chance“, sagt Helmut Götz. Der 73-Jährige war Vorstand der Heidenheimer Volksbank und ist seit knapp zehn Jahren Schatzmeister von Oikocredit. Die internationale Kreditgenossenschaft hat  der Ökumenische Weltrat der Kirchen 1975 gegründet, um die Armut in der Welt zu bekämpfen. Heute gehören dem Institut mit Sitz in Holland 589 Direktmitglieder an, darunter Kirchen, kirchliche Organisationen wie die Diakonie, Caritas oder Brot für die Welt sowie 30 Förderkreise mit weltweit mehr als 51000 Einzelmitgliedern.

Einer  dieser Förderkreise ist der 1978 gegründete Förderkreis Baden-Württemberg e.V., dessen Vorstand Götz angehört. Aktuell unterstützen in Baden-Württemberg 7000 Mitglieder die Arbeit von Oikocredit International. Binnen 40 Jahren hat Oikocredit 2,5 Milliarden Euro an Krediten vergeben, deren Laufzeit bis zu 15 Jahren geht. Aktuell sind 940 Millionen Euro an knapp 800 Partnerorganisationen in 71 Ländern vergeben. Die Mikrofinanzdienstleistung erreicht 46 Millionen Kreditnehmer. Diese sind oft in Gruppen gebündelt, um das Ausfallrisiko zu minimieren.

So bekommen etwa im Senegal sechs Frauen zusammen 200 Euro, um je eine eigene Geflügelzucht aufzubauen. Jede muss innerhalb von einem Jahr ihr Sechstel zurückzahlen. Fällt eine Kreditnehmerin aus, übernehmen die anderen fünf die Rückzahlung ihres Anteils. Deshalb liegt die Rückzahlungsquote bei nahezu 100 Prozent.

Auch bei Oikocredit sind die Ausfälle gering. Seit 2012 lagen diese zwischen 0,8 und  2,5 Prozent, was im Kontext der Risiken von Währungsschwankungen, Diktaturen oder Klimakatastrophen zu vernachlässigen sei, so Götz. Dass 86 Prozent der Mikrokreditnehmer Frauen sind, ist ihrer Verlässlichkeit geschuldet. „Die Frauen haben eine hohe Motivation, ihre Kinder durchzubringen und ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen“, begründet der Heidenheimer, der selbst viele Länder bereist und Projekte besichtigt hat.

Entsprechend fließen Kredite in Photovoltaik-Projekte, damit die Frauen abends Strom und Licht haben, um noch arbeiten zu können. Oder es werden dringend notwenige Modernisierungen bei einer lokalen Kakao-Kooperative finanziert, um deren Wettbewerbsfähigkeit und Einkünfte zu sichern.
Weltweit beschäftigt Oikocredit 300 Mitarbeiter, die in dezentralen Strukturen die lokale Situation der Menschen kennen und die Kreditanträge bearbeiten. Diese erfolgt über Partnerorganisationen nach strikten Vorgaben: So müssen Menschen- und Arbeitsrechte oder der Umweltschutz eingehalten werden.

„Ein Grundübel sind Wucherzinsen“, sagt Götz, die durch knappe Ressourcen und ausgeprägte Machtstrukturen in Südamerika, Afrika oder weiten Teilen Asiens teils bei 100 Prozent pro Jahr liegen. Diese trieben Menschen in die Illegalität oder die Resignation. Nicht umsonst hat Wirtschaftsprofessor Muhammad Junus, der 2006 den Friedensnobelpreis erhielt, 1976 Mikrokredite mit Zinsen von 20 bis 30 Prozent in Bangladesch eingeführt und damit nachweislich die Lebenssituationen der Menschen verbessert.

Götz machte seinen knapp 20 Zuhörern im Adelberger Pfarrsaal in zwei spannenden Stunden Mut. Denn weltweit hat sich die Armut von 2000 bis 2015 in etwa halbiert, allerdings auch, weil 600.000 Chinesen durch das dortige Wirtschaftswachstum über die Schwelle von 1,90 Dollar pro Tag an Einkünften kamen. Und: Die Weltlandwirtschaft könnte sogar zwölf Milliarden Menschen ernähren, wenn die Ressourcen anders und gerechter verteilt wären.

Götz‘ Vortrag fiel auf fruchtbaren Boden: So wollen etliche Zuhörer Genossenschaftsanteile an Oikocredit erwerben, auf die in den vergangenen 25 Jahren in der Regel jährlich zwei Prozent Dividende  ausgeschüttet wurden. Auch viele Kirchengemeinden parken hier Teile ihres Geldes, das jederzeit wieder abrufbar ist. Pfarrer Tilman Schühle und Organisator Klaus Müller dankten dem Gast.

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Eichenkreuzsport zeigt mehr Flagge

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Landesebene und Pfarreibasis verzahnen sich in Leonberg: Die Workshops des Eichenkreuzsports beim Jahresforum waren sehr praxisorientiert und boten den Teilnehmern konkrete Handlungsorientierung für ihre Vereinsarbeit. FOTO: FROMM

Integration von Migranten, Pressearbeit, Projektmanagement: Die Verantwortlichen in den 150 Ortsvereinen des Eichenkreuzsports in Württemberg wollen in der Gesellschaft mehr Flagge zeigen. In Leonberg haben sich nun 80 Delegierte beim diesjährigen Sport-Forum kundig gemacht und ausgetauscht. Einer der drei Referenten war ich.

„Wir haben eine Aufbruchstimmung erzielt und Strukturen geschaffen, die die Basis und die Führung besser miteinander verzahnen“, sagt Henrik Struve. Der 40-Jährige ist hauptamtlicher Geschäftsführer beim Eichenkreuz, dem evangelischen Sportverband. In Personalunion ist der Diakon auch Sportjugendreferent beim Evangelischen Jugendwerk Württemberg (EJW).

Der Kick kommt gerade recht. Seit Jahren leiden viele Ortsgruppen unter schwindenden Mitgliederzahlen, Überalterung und Bedeutungsverlust. „Wir machen einen super Job und keiner bekommt es mit“, sagt etwa ein Handball-Trainer im Workshop, in dem es um effiziente Strukturen geht. Auch wird es immer schwieriger, Ehrenamtliche für den Sportbetrieb zu interessieren.

Eine Schwierigkeit liegt darin, dass die Eichenkreuzsport-Strukturen komplexer sind als die eines klassischen Sportvereins und viele Mannschaften nicht am Liga-Betrieb des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) teilnehmen. Letzteres aber ist oft Kriterium für die Berichterstattung der Lokalzeitungen, kläre ich die Teilnehmer auf.

„Bei uns steht nicht der Wettbewerb im Vordergrund, sondern die Gemeinschaft“, begründet Anastasios Leontopoulos diesen Unterschied. „Wir wollen Jugendlichen beibringen, dass man auch aus Niederlagen etwas lernen kann“, begründet der Leonberger EJW-Jugendreferent diese Haltung. Zudem sei Sport nur eine Möglichkeit, seine Persönlichkeit zu entwickeln.

Das wird im Workshop von David Scholz deutlich. Bei dem WLSB-Referenten für Flüchtlingsintegration holen sich rund 20 Teilnehmer Anregungen, wie sie in ihren lokalen Sportgruppen auf Migranten zugehen können und worauf dabei zu achten ist. „Als Christen gebietet uns die Nächstenliebe, diesen Schritt zu gehen, aber auch als Bürger dieses Landes ist es klug, dass aus Fremden bald Freunde werden“, sagt ein Übungsleiter. Und ein Schiedsrichter ergänzt: „Diese unverhofften Neuzugänge stärken unsere Vereinsstrukturen.“

Dass die Jugendarbeit im christlichen Sportverein viele Themen bietet, die auch für die Presse interessant sind, arbeite ich in meinem Workshop vor großer Kulisse heraus. So kann interessant sein, wie und warum ein Verein ein polizeiliches Führungszeugnis für seine Trainer eingeführt hat. „Damit kommen wir unserer Sorgfaltspflicht gegenüber den Eltern nach,“ sagt der Fellbacher Sportchef, dem die 15 Euro je Testat die Stadt bezahlt hat.

Ein anderer erzählt, was sie gegen Koma-Saufen unter jungen Leuten tun; wie sehr überfürsorgliche Mütter die Jugendarbeit behindern oder wie sie Ehrenamtliche für ihren Verein finden. Den Teilnehmern empfehle ich, in ihrer Lokalredaktion zu identifizieren, welcher Journalist für sie zuständig ist und ihm offen zu erzählen, welche Themen den Vereinsalltag begleiten.

Im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg betreuen über 350 Haupt- und 53.400 Ehrenamtliche mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche in 1400 Pfarreien. Hinzu kommen 100 FSJ-ler (Freiwilliges Soziales Jahr) in Pfarreien, die beim EJW angestellt sind. Unter dessen Dach sind 10.000 Sportler in 600 Gruppen in 150 Pfarreien im Eichenkreuz organisiert. Diese bilden in 48 Bezirken oft eigene Ligen und tragen Turniere aus.

Neben Wintersport sind vor allem Fußball, Handball, Volleyball und Indiaca populär. Vereinzelt auch Lauf- und Radsport. Neben dem Eichenkreuzsport gehören zum EJW vor allem der CVJM (Christlicher Verein junger Menschen) und Jugendgruppen in Pfarreien. Der Haushalt des EJW von zehn Millionen Euro finanziert sich zu je einem Drittel aus Mitteln der Evangelischen Landeskirche; öffentlichen Zuschüssen, Projektgeldern und Spenden; sowie Freizeit-/Bildungsarbeit und sonstigen Ersätzen.

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Kommunalpolitik ist die Schule der Demokratie

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Ein Großer der Kommunalpolitik tritt ab: Laudator Ivo Gönner (r.) herzt seinen Schorndorfer Parteifreund Karl-Otto Völker, der 38 Jahre im Gemeinderat seiner Heimatstadt diente. FOTO: STADT

38 Jahre saß mein Nachbar Karl-Otto Völker für die SPD im Gemeinderat der Stadt Schorndorf, davon 30 Jahre als deren Fraktionsvorsitzender. Vorige Woche ist der 70-Jährige in einem Festakt für geladene Gäste im (linken) Kulturzentrum Manufaktur verabschiedet worden. Festredner war der Grand Seigneur der Südwest-Sozialdemokratie, Ivo Gönner, selbst bis vor kurzem Oberbürgermeister von Ulm und Präsident des Städtetags.

„Kommunalpolitik ist die Schule der Demokratie“, meinte Gönner in einer launig gehaltenen Rede mit vielen Spitzen und Schmunzetten. Denn im Stadtparlament seien die Auswirkungen sämtlicher Beschlüsse von EU, Bund und Land zu spüren und zum Greifen, weshalb hier die Politik auf die Wirklichkeit der Bürger treffe.

Schorndorfs OB Matthias Klopfer, der als SPD-Mitglied seine Wahl 2006 vor allem der Unterstützung durch Völker verdankte, würdigte die Verdienste seines „persönlichen Freundes“ und zählte etliche Ehrenämter und Verdienste des früheren Pressesprechers der AOK Baden-Württemberg auf. So gehört der Mitbegründer der Manufaktur 1968 als unabhängigem Kulturzentrum noch immer dem Kreistag an, in dem er die SPD-Fraktion führt. In dieser Funktion gehört er auch dem Beirat der Kreissparkasse an.

Auch bei Volkshochschule, Bürgerstiftung oder christlichen Vereinen wie dem CVJM war und ist der Vater zweier erwachsener Söhne engagiert und treibende Kraft, wie aktuell bei der Integration von Migranten. Seit vielen Jahren ist Völker auch stellvertretender Vorsitzender des Landesseniorenrats, um nur einige Ämter hervorzuheben.

Treffend charakterisierte Klopfer den 70-Jährigen als eloquenten Generalisten, den eine rasche Auffassungsgabe und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden auszeichnen, gepaart mit Streitlust, Fairness, Menschenfreundlichkeit, Geselligkeit und Einfühlungsvermögen. Im Outfit des Gottlieb Daimler, der in Schorndorf geboren ist, ist der Sozialdemokrat auch für seine kurzweiligen und informativen Stadtführungen bekannt, die u.a. tiefe wirtschaftspolitische Einsichten in die damalige Zeit gewähren.

Eine Talkrunde mit seinen Fraktionskollegen von CDU, Grünen und Freien Wählern, moderiert vom Redaktionsleiter der Schorndorfer Nachrichten rundete den zweistündigen, offiziellen Teil ab, an dem u.a. der aktuelle Landrat und dessen Vorgänger sowie die gesamte Führung der Stadtverwaltung teilnahmen. Umso berührter war ich, als Völkers Nachbar dabei sein zu dürfen, der zudem erst vor vier Jahren in „seine“ Straße gezogen ist.

Aber vermutlich hat der alte Kämpe gerochen, dass ich wie er ein „zoon politicon“ im besten griechisch-philosophischen Sinne bin, der nicht nach dem Staat ruft, sondern weiß, dass er selbst der Staat ist und sich deshalb nach Kräften und Talenten einbringt. Da Diplomatie nicht meine Stärke ist, gehöre ich keinen politischen Gremien an. Als Ex-Lokalredakteur, der aber dauerhaft den Gemeinderatssitzungen in Ellwangen, Westhausen und Lauchheim (bis spät in die Nacht) fast zwei Jahre lang beigewohnt hat, kann ich bestätigen, dass man erst dort begreift, wie genial Demokratie tatsächlich funktioniert.

Lieber Karl-Otto, vielen, vielen Dank für all das, was Du für unser Gemeinwohl geleistet hast. Wer Dich erlebt, weiß, dass Du dadurch auch selbst viel bekommen hast: Zuwendung, Weisheit, breiteste Allgemeinbildung, spannende Kontakte bundesweit und ein fröhliches Wesen. Danke, lieber Nachbar, Du bist Vorbild, Ermutigung und vieles mehr. Danke auch Deiner Frau Renate und Deinen Söhnen, die von der Kehrseite eines solch öffentlichen Lebens wissen. Ich hatte eine solche Mutter – übrigens auch Bundesverdienstkreuzträgerin. Aber das wäre eine andere Geschichte.

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Janosch-Biographie: Vom Opfer zum Täter

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Meine Urlaubslektüre: Auch ich habe mit meiner Tochter nie „heile Welt“ gespielt. Barbie bekam Ken nicht, weil er schwul war, oder für ein neues Kleid fehlte das Geld. Fasziniert war sie von unseren Handlungen und Wendungen trotzdem immer.

Meine Urlaubslektüre war die Biographie des Deutsch-Polen Horst Eckert. Besser bekannt ist der mittlerweile 85-Jährige, der auf Teneriffa lebt, als Janosch, der mit dem Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“ 1978 seinen beruflichen Durchbruch hatte. Tatsächlich sind auch meine Kinder mit dem Vater von Bär und Tiger groß geworden und in Göppingen, wo ich bis 2012 lebte, wurde die TV-Sendung „Tigerenten-Club“ aufgezeichnet.

Die Biographie, verfasst von der Polin Angela Bajorek, hat mir mein 27-jähriger Sohn (oder traf die Auswahl seine Partnerin, die in der Pädagogik arbeitet?) zum Geburtstag geschenkt. Erwartet hatte ich leichte Kost und gelesen habe ich tiefe Verzweiflung. Denn Horst – der Vater war ein polnischer Nazi – ging in seiner Kindheit durch die Hölle. Als Kinderbuchautor hat er diese Kindheit therapeutisch Zeit seines Lebens aufgearbeitet.

Vater Wilhelm, erzählt er der Biographin, war täglich besoffen, schlug die Mutter und ihn und war ein linkischer Charakter. Die Mutter, zu schwach, den Vater zu verlassen, ließ ihren Stress in Form von Gewalt auch an dem Kleinen aus. Nicht besser ging es ihm beim katholischen Kaplan, der das Kind sadistisch quälte, oder der Hitlerjugend, in der ihn sein Vater sehen wollte.

Auch dort ertrug das Kind Gewalt, die ihm Führer und andere Kinder antaten, zumal ihn die katholische Kirche gelehrt hatte, dass er nicht zurückschlagen dürfe. Gejubelt habe er, als russische Soldaten die Kirche seiner Stadt 1945 anzündeten, weil sie die Nazis und die Kirche besiegt hätten. Bettelarm kommt Janosch als 14-jähriger Flüchtling mit seinen Eltern nach Krefeld und Osnabrück, wo er versucht, Fuß zu fassen.

Zweimal scheitert der sensible Künstler an selbstherrlichen Professoren an der Kunstakademie. Den Frauen und dem Alkohol zugetan, emanzipiert sich der junge Mann von den Werten seiner Kindheit, scheitert aber auch mit den eigenen Versuchen, seine Zeichnungen als Kinderbuch zu vermarkten. Nur 45 Exemplare von „Die Geschichte von Valek dem Pferd“ werden 1960 verkauft.

Immerhin: Ein Lektor erkennt die schmale Nische, in die der Deutsch-Pole auf dem Kinderbuch-Markt passt. Nicht heile Welt ist sein Thema, sondern Verarbeitung von Leid. Da verhandeln Gänse mit dem Fuchs, dass er sie nicht frisst; sympathische Protagonisten trinken zuviel oder haben nur ein Bein oder ein Auge, was auf Kriegsversehrte anspielt.

Nach einer durchzechten Nacht, in der Janosch im Suff seinem Lektor seine traumatische Kindheit erzählt, ermuntert dieser ihn, seine Erlebnisse in einem Buch zu verarbeiten. 41 Flaschen Gin, so die Biographin, trinkt Janosch, ehe 1970 „Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm“ verfasst ist. Kein Wunder, sage ich als Gestalttherapeut: Zugang zum Verdrängten hatte der Autor vermutlich nur, wenn er die Kontrolle verliert und auch nur im Suff konnte er die Erinnerung ertragen.

Noch viel mehr gäbe es zu diesem lesenswerten Buch für mich zu sagen und daraus zu schöpfen. „Wer fast nichts braucht, hat alles“ ist für mich der Beleg dafür, dass wir jede Opfer- in eine Täterbiographie verwandeln können, wenn wir unsere Introjekte erkennen und töten und die gewonnenen Freiräume mit Liebe füllen. Der 85-jährige Schnauzbart legt dafür Zeugnis ab.

 

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Wie ein Mann aus seiner Verbitterung kommt

Im Sommer-Freiluftkino des Schorndorfer City-Marketingvereins habe ich jüngst diesen wunderbaren schwedischen Film „Ein Mann namens Ove“ gesehen. Er erzählt die Geschichte eines emotionslosen Pedanten, der verwitwet in seinem Wohngebiet alle Nachbarn tyrannisiert und der sich erhängen will, nachdem ihm in der Firma nach 46 Jahren auch noch gekündigt wird.

Skizziert wird ein Kautz, der auf den ersten Blick wirklich zum Kotzen ist. Einzig am Grab seiner geliebten Frau blitzt schon von Anfang an etwas von seinem liebevollen Wesen auf. Veränderung kommt in sein Leben durch neue Nachbarn, die sich von seiner schroffen Art nicht einschüchtern lassen, sondern diese geradezu ignorieren.

Diese Unvoreingenommenheit bringt letztlich auch Ove aus dem Konzept, der dadurch ungewollt mehr und mehr von seinem wahren, verletztlichen Wesen zeigt. Wie bei einer Zwiebel trägt der Film Schale um Schale seines Wesens ab, bis der vielfach verletzte kleine Ove sichtbar wird. Der frühe Tod der Mutter, der ihn zum Halbwaisen macht; der emotional überforderte Vater, der dem Kleinen nicht die Liebe schenken kann, die er bräuchte.

Der Film ist ein Pladoyer dafür, Menschen nicht nach ihrem ersten Eindruck, den sie machen, zu kategorisieren und – wie im Fall Oves – abzulehnen. Sondern, wie die Nachbarin, die arabische Migrantin ist, wieder und wieder in Kontakt zu gehen und förmlich die raue Schale des Gegenübers zu durchdringen.

Denn letztlich hatte Ove soviel Schmerz und Enttäuschung erlebt, dass er verbitterte. Doch all seine Energie kann „umgedreht“ und in Liebe verwandelt werden, wenn Menschen einen Zugang zu ihm finden. Das ist das, was ich auch vielen jungen Migranten wünsche, die nun mit dem Terrorismus sympathisieren. Denn sie haben soviel Ablehnung und Gewalt erlebt, dass sie nun selbst Täter sein wollen statt immer Opfer zu bleiben.

„Ein Mann namens Ove“ bringt gut zum Ausdruck, was wir bei MKP in der Männerarbeit weltweit – und auch in Schorndorf – machen: Männern einen Ort geben, wo sie ihre Verletzungen anschauen und ihre Wunden lecken können, um dann zu klären, wie sie künftig leben wollen. Dabei dient jeder Mann jedem in einem herrschaftsfreien, vertrauten Raum als Projektions- und Trainingsfläche, Ermutigung und Trost.

Denn nicht jeder Mann hat das Glück, auf Nachbarn wie Ove zu treffen. Hat man aber andererseits mal am Elixier der (Nächsten-)Liebe genippt und den Kelch des Hasses stehen gelassen, trifft man auf immer mehr Botschaften und Botschafter der Liebe in dieser Welt. Und das macht frei und stark. Aho.

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Flüchtlinge in Deutschland: Klartext reden

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Wohltuender Tabubruch: Das Evangelische Gemeindeblatt lädt seine Leser ein, ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen zu schildern.

Dass die Medien im Kontext der Flüchtlingsberichterstattung als Lügenpresse in Verruf gekommen sind, haben sie meines Erachtens mit selbst verschuldet. Der Grund: Die Verantwortlichen in den Redaktionen glaubten vermutlich, mit einer kritischen, also faktenorientierten Berichterstattung migrationsfeindlichen Tendenzen Vorschub zu leisten. Das Gegenteil aber war der Fall. Verschweigen schürt Mißtrauen.

Das Beispiel zeigt, dass sich in den Redaktionen offenbar nichts geändert hat, seit ich ihnen 2002 den Rücken gekehrt habe. Noch immer meinen Redakteure offenbar zu wissen, was gut ist für ihre Leser und mit welchen Informationen sie überfordert sind. Welche Arroganz. Live erlebt habe ich das während meines Volontariats 1990/91 und meinen ersten Berufsjahren als die Republikaner im Südwesten so stark waren.

Nun lese ich wieder in (fast) keiner Zeitung, wie schlecht bspw. die Qualifikation der allermeisten Flüchtlinge ist; wie reaktionär deren Frauenbild oder ihre Motivation, den vorgeschriebenen Deutschkurs zu besuchen. Und wenn leise Kritik geäußert wird, wird diese sofort mit Fluchttraumata, der (schlechten) Unterbringung oder der Trennung von Familie und Freunden relativiert.

Das alles stimmt. Und doch will ich nicht immer nur diese Seite hören, sondern auch jene, dass in dieser (christlich geprägten Hightech-)Gesellschaft nur ankommt, wer sich schnellstmöglich integriert. Und dazu gehört primär die Sprachkenntnis oder die Fähigkeit des gezügelten Umgangs mit Alkohol, erst recht, wenn man ihn aus religiösen Gründen ohnehin meiden sollte.

Flüchtlinge haben bei allem Respekt vor ihrer Biographie eine Bringschuld, die m.E. groß ist. Schließlich ermöglichen Demokraten und Christen wie ich den Zugang in unser Land, wir finanzieren ihren Aufenthalt und versuchen gleichzeitig noch unsere Mitbürger bei der Stange zu halten, damit diese nicht heimlich oder offenkundig AfD wählen und mit den Pegida-Leuten auf die Straße gehen (, was zu einer weiteren Belastung unserer Polizei führt).

Das Evangelische Gemeindeblatt hat nun mit seiner Doppel-Ausgabe 32-33/2016 vorgemacht, wie ich mir eine ausgewogene Berichterstattung wünsche. Hier kommen Helfer zu Wort, die beschreiben, wie mühselig die Patenschaft für einen Flüchtling ist, weil er etwa Tugenden wie Pünktlichkeit oder Verbindlichkeit erst lernen muss. Ich selbst vermiete bewusst an eine fünfköpfige afghanische Familie und weiß (ein wenig), wovon ich spreche.

Wer etwa als Migrant in einen Rechtsstaat flüchtet, sollte sich an dessen Regeln halten und wenn es Monate dauert, alle Formulare beisammen zu haben. Seinen Pflichten stehen dann aber unverbriefbare Rechte gegenüber. Und er sollte wissen, sein Deutschkurs kostet 1000 Euro,  den deutsche Bürger ihm ermöglichen. Einfach unterzutauchen und zu Verwandten weiterziehen, ist keine Lösung.

Wenn die einen in unserer Gesellschaft den Fremden nicht nur Hass entgegenbrächten und die anderen nicht nur Naivität, kämen wir mit der Integration sicher deutlich weiter. Die zumeist jungen Männer sind klare Ansagen kulturell bedingt gewohnt. Dazu gehört für mich auch, dass unsere Grenzen vorerst zu bleiben bis die Behörden verdaut haben, was da an Mehraufwand kam. Denn auch die Mitarbeiter in den Job-Centern etc. sind meine Nächsten.

Die Serie im Evangelischen Gemeindeblatt werde ich mit Interesse verfolgen. Danke, liebe Kollegen, für euren journalistischen Mut.

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Zu den Wurzeln meiner Werteorientierung

011 Stamm 60 Jahre mit Fürst 10.07.2016
Christliche Werte verbinden uns: Aktive (l.) und ehemalige (r.) Neckarsulmer Pfadfinder vor der Stadtkirche St. Dionys nach dem Festgottesdienst mit Bischof Gebhard Fürst (Mitte). FOTO: DPSG

Prägend und unvergessen sind meine Kindheit und Jugend bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg in meinem Neckarsulmer Heimatstamm St. Dionys, wo ich seit meiner Erstkommunion 1971  Mitglied war. Der Jugendverband hat mir soziale Kompetenzen vermittelt, internationale Begegnungen ermöglicht und die Chance gegeben, mich auf vielen Feldern auszuprobieren.

Kürzlich hatten wir 60-jähriges Stammesjubiläum, bei dem ich viele Ehemalige traf, die längst reife Männer und Frauen geworden sind, die Verantwortung in unserer Gesellschaft, in ihren Berufen, ihren Familien, immer noch im Jugendverband oder der Kirchengemeinde tragen. Das hat mich stolz gemacht auf unsere Gemeinschaft, in der wir auch schon immer große Unterschiede gelebt und ausgehalten haben. Stichwort Toleranz.

Manche ergrauten Männer treffen sich noch heute 14-tägig zum Stammtisch in der Formation, in der sie als 13-Jährige in der Sippe zusammen waren. Respekt. So viel Kontinuität war mir auf Grund meiner Ausbildungs- und Erwerbsbiographie nicht möglich. Aber ich spüre die Verbundenheit und Herzlichkeit, mit der mich meine alten Kameraden immer wieder aufs Neue aufnehmen.

Und wenn ich mich heute für Flüchtlinge, sozial Schwache, Behinderte oder den Schutz unserer Umwelt einsetze, so weiß ich mich stets von der Haltung geleitet, die meine Gruppenleiter, allen voran unser verstorbener Stammesvorsitzender Wolfgang Spohn, uns vermittelt und vorgelebt haben. Zwei Sätze unseres Gründers Robert Baden-Powell sind mir wie ins Herz gebrannt: „Verlasse die Welt ein Stück besser als Du Sie vorgefunden hast!“

Und der zweite Satz des britischen Generals, der vor allem in den zehn Jahren galt, in denen ich selbst in Ellwangen und Göppingen Gruppenleiter war und dazwischen auf Diözesanebene aktiv in der Leiterausbildung: „In jedem Jungen sind mindestens fünf Prozent Gutes. Es ist unsere Aufgabe, diese fünf Prozent durch Förderung und Führung zum Tragen zu bringen.“ (sinngemäß zitiert)

In der Leiterausbildung haben wir den jungen Erwachsenen vermittelt, dass „Kampf und Kontemplation“ bzw. „Mystik und Politik“ zusammengehören (Dr. Walter-Georg Panhans), um den „aufrechten Gang“ zu üben. Leben als Pfadfinder heiße: „Leben mit offenem Fenster und das Gesicht in den Wind halten.“ Nach diesen Prinzipien lebe und arbeite ich noch heute sehr gerne.

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Reise in meine ehrenamtliche Vergangenheit

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Auf der Schwäbischen Alb bei Hechingen: Die meisten unserer Mitglieder des Diözesan-Arbeitskreises aus den 1980er-Jahren, die sich erstmals organisiert wiedergesehen haben. FOTO: FISCHER

Jüngst haben wir uns zu zehnt in unserem ehemaligen Diözesanarbeitskreis der Pfadfinderstufe in Hechingen getroffen. Dort war ich als Theologiestudent von 1984 bis 1989 in der diözesanweiten Ausbildung junger Erwachsener zu Gruppenleitern für 14- bis 16-Jährige ehrenamtlich tätig. In dieser Zeit habe ich mich erstmals mit Psychologie und Erlebnispädagogik auseinandergesetzt.

Von den Erfahrenen im Team, etwa dem hauptamtlichen Sozialpädagogen Georg Engelbertz, dem Meterologen Dr. Walter Panhans, dem Bäckermeister Franz Kohler, der Erzieherin Irene Kerber oder dem Physikstudenten und späteren Arbeitskreisvorsitzenden Martin Fischer konnte ich viel lernen. Das reichte von der Gesprächsführung und -kultur bis zum Projektmanagement.

Besonders wichtig waren mir die Werte, die wir leben und vermitteln wollten: Es ging darum, persönliche Grenzen und Blockaden zu überwinden, die Konfortzone zu verlassen, sich auszuprobieren und Experimente zu machen. Zugleich ging es als Pfadfinder (!!!) darum, die Schöpfung zu bewahren (Ökologie) und alle Menschen als Brüder und Schwestern zu sehen, weshalb wir uns gegen Unrecht, Ausbeutung, Rassismus und für Inklusion und Diversity einsetzten. Nur kannten wir damals letztere Worte noch nicht.

Damals habe ich viel für mein späteres und heutiges Leben gelernt, etwa Wochenenden und Zeltlager für bis zu 300 Personen vorzubereiten; Menschen zu motivieren; Konflikte herrschaftsfrei auszutragen oder meine Zeit genau einzuteilen. Vor allem ging es immer wieder darum, etwas zu riskieren und Fehler machen zu dürfen. Das hat mein Selbstbewußtsein, aber auch meine Selbsteinschätzung verfeinert.

Beim Wiedersehen, teils nach 20 und mehr Jahren, haben wir nun festgestellt, dass uns diese katholische Jugendarbeit alle ähnlich geprägt hat. Viele von uns, wie ich, sind später in die Selbstständigkeit; arbeiten heute als Trainer und Coaches oder engagieren sich in ihren Kirchengemeinden, Umwelt- oder Bürgerinitiativen.

Diese Reise in die Vergangenheit war ein schöner Abgleich mit der Gegenwart. So stellten alle fest, dass ich schon früher provokativ und sehr direkt gewesen sei und immer eine Gitarre dabei hatte. Letzteres stimmt schon lange nicht mehr. Und Christoph Bläsi, damals Germanist und heute Professor an der Gutenberg-Universität in Mainz, meinte: „Du bist heute so ausgeglichen“. Schön, dass man merkt, dass ich an mir gearbeitet habe.

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Psyeudo-Empörung über Gaulands „Zitat“

Super, endlich wieder ein Aufreger über die AfD, den alle kapieren – ohne jedes politische Faktenwissen. Es gilt als Konsens, dass Alexander Gauland im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gegen die political correctness verstoßen hat. Skandal. Echt cool, wie ihn da die FAS-Kollegen überführt haben.

Niemals glaube ich, dass Gauland den dunkelhäutigen Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng beleidigen wollte. Als früherer Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen“ wollte er vermutlich plakativ sprechen, was ja Redakteure mögen. Üblicherweise helfen diese auch nach, wenn der Interviewpartner allzu zögerlich ist. Im Fall des 75-Jährigen klingt dies plausibel, kennt er sich doch offenbar im Fußball gar nicht aus.

Tatsächlich ausdrücken wollte der Jurist, der 40 Jahre CDU-Mitglied war, ehe er mit anderen Euro-Kritikern 2013 aus wirtschaftspolitischen Gründen die AfD gründete, die Befindlichkeit in Deutschland. Und da attestiere ich dem AfD-Bundesvorstandsmitglied, dass die meisten Bundesbürger lieber neben mir, dem weißhäutigen Akademiker, wohnen wollen als neben einem Schwarzen (es sei denn er ist Promi und Millionär wie z.B. Roberto Blanco auch).

Das ist zwar traurig, aber ziemlich sicher bundesdeutsche Realität in mehr oder weniger weiten Kreisen. Übrigens bekam auch Tübingens Grüner OB Boris Palmer ziemlich eine auf die Mütze von seinen Mitbürgern, nachdem er in einem Spiegel-Interview sinngemäß gesagt hatte, auch die Professoren seiner multikulturellen Uni-Stadt seien nicht erfreut, wenn in ihrer Nachbarschaft eine Flüchtlingsunterkunft stehe (oder die Tochter mit einem Migranten pusiert).

Entsprechend wollte Gauland, der von 1987 bis 91 immerhin die hessische Staatskanzlei geleitet hat, eher seinen Mitbürgern den Spiegel vorhalten als dem begnadeten Boateng, der zudem sicher jede Menge Steuern zahlt und vieles mehr. Warum also dieses bewußte Mißverstehen-wollen, zu dem sogar die Kanzlerin ihre Distanzierung – in diesem Fall besser „ihren Senf“ – dazugibt?

Ich vermute, weil damit jeder meint, irgendwelche (hohlen) Bonuspunkte sammeln zu können. Der eigentliche Skandal ist aber jeder von uns selbst: Ich würde vermutlich auch „schlucken“, wenn meine Tochter mit einem Schwarzen oder Rassisten liiert wäre. In meinem konkreten Umfeld sind es Wähler der Grünen schon, wenn die Tochter einen zehn oder 15 Jahre älteren Mann „bringt“. Dann empören wir uns doch lieber kollektiv über Gauland.

Mit diesem Beitrag möchte ich mich von dieser Psyeudo-Empörung distanzieren. Die ist mir zu einfach (= primitiv) und wird die AfD weiter stärken. Super.

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Landesseniorenrat und Pflegebibel eng beisammen

008 mit Karl-Otto Völker
Manchen gemeinsame Sache: Der 2. Vorsitzende des Landesseniorenrats, Karl-Otto Völker (l.), und der Herausgeber der Pflegebibel, Leonhard Fromm, wohnen beide in Schorndorf und finden auf Anhieb etliche Anknüpfungspunkte für Kooperationen. FOTO: CC

Schon einige Zeit war klar: Der 2. Vorsitzende des Landesseniorenrates (LSR), Karl-Otto Völker, wohnt in Schorndorf wie ich. In der Geburtsstadt von Gottlieb Daimler hat deshalb auch unsere Pflegebibel seit ihrer Gründung im März 2015 ihr Redaktionsbüro. Am Montag, 23. Mai, kam nun der SPD-Stadtrat und frühere AOK-Landespressesprecher zum Meinungsaustausch in die Redaktion.

Günstig für uns: Der LSR hat mit „Im Blick“ eine viermal jährlich erscheinende Publikation, in der Völker unser Online-Magazin vorstellen will, damit es weitere Bekanntheit erfährt. Denn Klicks – aktuell 13.000 Leser im Monat – sind die Währung, die uns relevant macht für Leser, Politiker oder Anzeigenkunden. Und allein im Südwesten leben 2,7 Millionen Rentner.

Weil auch diese Senioren immer häufiger online gehen, könnte hier eine Medienpartnerschaft entstehen. Denn für Themen, Ideen und Anregungen von außen ist unsere Redaktion ebenso offen, wie wir gerne bei LSR-Veranstaltungen referieren und mit deren Teilnehmern (kontrovers) diskutieren, schließlich bekommen wir sehr viel mit über Praktiken, Probleme, Lösungen und Trends.

Der 70-jährige Völker ist ein gutes Beispiel für die „modernen Alten“: Er hat jede Menge Berufserfahrung, bundesweite Kontakte und die nötige Zeit und den politischen Willen, Prozesse zu gestalten. Bei der AOK führte der gelernte Sozialversicherungskaufmann einst Öffentlichkeitsarbeit ein, als die Krankenkasse „noch eine Behörde war und wir hinter dem Schalter weiße Kittel getragen haben.“

Im Outfit des Gottlieb Daimler führt der Sozialdemokrat, der für seine Partei seit 1978 im Stadtrat und im Kreistag sitzt, rund 100 Mal im Jahr Touristen und Interessierte durch die Stadt. Unserem Agenturteam hat er eine solche Führung spontan angeboten, wo wir doch gerade darüber sprachen, was wir miteinander und füreinander tun könnten. Eine Menge.

 

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