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Ausbeutung: „Externalisierung kommt nach Hause“

021 Stephan Lessenich
Sein Buch, das vor Ort auslag, war nach dem gut strukturierten Vortrag in der Stadtkirche sehr gefragt: Stephan Lessenich (l.) signiert und beantwortet Rückfragen vieler Besucher. FOTO: FROMM

„Politisieren Sie Ihre eigenen Lebensverhältnisse“, hat Stephan Lessenich seine rund 200 Zuhörer am Sonntagabend in der Schorndorfer Stadtkirche aufgefordert. Dort referierte der aktuell wohl angesagteste Soziologie-Professor Deutschlands in zweimal 30 Minuten über Externalisierung, also die Auslagerung von Kosten, Umweltschäden und Gesundheitsrisiken in den „globalen Süden.“

Denn nur wer politisch fragt, wer oder was ihn zwingt, strukturelles Unrecht unterstützen zu müssen, komme in einen Habitus der Eigenverantwortlichkeit. Der Münchner Autor von „Neben uns die Sintflut“ (Hanser-Verlag) warnt davor, dass es „massive Gegenkräfte gibt, die uns für dumm verkaufen wollen.“ Mit dem Appell „empört euch und fragt nach!“ endete sein strukturierter Vortrag, der mit lang anhaltendem Applaus goutiert wurde.

Nach Schorndorf in das Format „Kirche am Abend“ hatte den Wissenschaftler Pfarrerin Dorothee Eisrich geholt. Diese führte ihn mit alttestamentlichen Versen des Sozial-Propheten Ezechiel (Hesekiel) ein, der das Volk Israel im 6. Jahrhundert vor Christus wegen seines Götzendienstes anprangerte: „Ihr habt Blut an euren Händen“ und „schämt euch“, heißt es da.

„Dem habe ich wenig hinzuzufügen, aber ich bin Soziologe und kein Moraltheologe“, begann daraufhin Lessenich seinen zweiteiligen Vortrag im Rahmen des Gottesdienstes mit Musik und Segen. Am Beispiel der Antibiotika-Produktion im indischen Hyderabad stieg der 52-Jährige steil in sein Thema der Externalisierung ein. Die Medizin, die hierzulande Leben schenke, zerstöre bei seiner Herstellung Leben dort.

Und statt die Ursachen zu bekämpfen, würden Reisende von dort nun gescreent auf multiresistente Keime. „Das Beispiel zeigt mustergültig das Prinzip der Abschottung und der einseitigen Ausbeutung“, so der gebürtige Stuttgarter. „Unsere“ Profite seien Geld, Wohlstand, Demokratie, (Reise-)Freiheit, Gesundheit, sozialer Frieden, unversehrte Umwelt und vieles mehr. „Den anderen“ blieben Armut, Krankheit, Terror, Unterernährung, Dürre, verseuchtes Wasser, Dürren und Diktatur.

„Wir leben nicht über unsere Verhältnisse, sondern über die der anderen“, so Lessenichs Kernthese. Und: „Wir produzieren nicht nach uns die Sintflut, sondern längst neben uns.“ Auch hierzulande sei der biologische Fußabdruck der gebildeten Reichen deutlich größer als der der ungebildeten Armen, einfach deshalb, weil erstere mit ihren höheren Einkommen mehr Möglichkeiten haben, Ressourcen zu nutzen, z.B. Fernreisen per Flugzeugm, große Autos und Häuser etc.

Die Gesellschaften des früh industrialisierten Nordens seien strukturell auf Externalisierung, also Ausbeutung und Schädigung, des „agrarisch geprägten Südens“ ausgerichtet. So habe allein Deutschland auf einer Fläche Hessens seine Soja-Produktion nach Argentinien ausgelagert, um es preisgünstig für Biokraftstoff, Nahrung für Vegetarier und Tierfutter für unsere Fleischproduktion zu verbrauchen. Und China, die USA, England oder Frankreich machten dort dasselbe.

Die Folgen: Argentinien ist vom Fleisch- zum Soja-Produzenten abgestiegen, die Monokulturen zerschlagen kleinbäuerliche Strukturen und beschleunigen die Verelendung in den Zentren. Außerdem zerstören Herbizide und Pestizide das ökologische Gleichgewicht und die Abholzung der Regenwälder wird beschleunigt, weiI den wachsenden Bevölkerungen Anbauflächen für die eigene Ernährung fehlen.

„Die Globalisierung schließt nicht die Lücke, wie einige behaupten, sondern vergrößert sie“, doziert Lessenich eloquent vom Ambo der Stadtkirche. Und: Das Kernproblem seien nicht die acht reichsten Multimilliardäre dieser Welt, die bereits die Hälfte dieser Welt besäßen, sondern das Verhalten jedes einzelnen Konsumenten. Der Soziologe zu den Kirchgängern: „Jeder, der hier sitzt, ist Profiteur des Systems. Und wir lagern das Bewußtsein über diese Prozesse permanent aus, um überhaupt handlungsfähig zu bleiben.“

Wir bräuchten ein neues Bewußtsein für unsere Handlungsoptionen, um unser Verhältnis zu unserer Mobilität, Ernährung oder Bekleidung zu reflektieren, denn „die Bürger dieser Gesellschaft haben in Wahrheit eine machtvolle Position.“ Der Habitus der Beharrung sei in den gesellschaftlichen Strukturen verkörperlicht, in Konventionen, die wiederum den Habitus prägen.

Individueller Verzicht verändere diesen gesellschaftlichen Habitus ebenso wenig, wie die Energiewende, die suggeriert, man könne „dann ökologisch weitermachen wie bisher“, zitiert Lessenich den US-Amerikaner Timothy Mitchell. Es brauche stattdessen politische Veränderungen, die ein anderes, ethisches Handeln habituell machten. Schließlich komme „die Externalisierung zunehmend nach Hause“.

Als Beispiele nennt der Referent „die ersten zwei Millionen Flüchtlinge, die schon da sind“. Weltweit seien aber bereits 60 Millionen auf der Flucht und die Abschottung der europäischen Grenzen werde immer martialischer. Auch der Klimawandel komme zunehmend in Europa an und „viele von Ihnen kennen von zuhause die Pflegearrangements die wir mit Osteuropäerinnen eingehen.“ Auch dies sei Externalisierung, weil diese Frauen und Mütter zu Hause in ihren Familien und Volkswirtschaften fehlten.

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Konstantin Wecker: Poesie und Widerstand

020 Konstantin WeckerEin geradezu spirituelles Erlebnis, das dank rund sieben Zugaben knapp 3,5 Stunden dauerte, war das Konzert von Konstantin Wecker diesen Freitag im Münchner Zirkus Krone. Unter dem Motto „Poesie und Widerstand“ spielte der seit Juni 70-Jährige, begleitet von einer grandiosen Band samt Streichern, viele seiner Lieder, die gleichermaßen von Liebe wie Trotz und eben Widerstand künden.

Dazwischen rezitierte der große Entertainer mit der noch immer so fulminanten Stimme Passagen aus seiner jüngst erschienen Biographie und streute höchst lyrische Gedichte ein, die er in den vergangenen Jahrzehnten verfasst hat, und die an Aussagekraft und Intensität in ihrer Schlichtheit seither eher gewonnen haben. Eben genau das macht den Meister aus, der in kleinen Verhältnissen in München geboren wurde.

Besonders berührt haben mich seine Erzählungen über seinen Vater, der als Maler und (Opern-)Sänger wenig erfolgreich war. Der Vorteil für den Sohn: Der Vater war mangels Engagements viel zu Hause und konnte schon früh die Musikalität und pazifistische Gesinnung des Filius‘ fördern. Im „klassischen Sinne“, so Wecker, sei sein Vater „ein Loser“ gewesen. Vermutlich rühre seine Sympathie für die vermeintlich Schwachen daher, so der Musiker. Die „Verlierer“ seien vermutlich einfach „nicht brutal genug“, sich ihren Anteil am Kuchen zu holen, so seine Interpretation.

Außer „Willy“ fehlt vor gut 2000 Besuchern im intimen Rund der Zirkuskuppel kaum ein Hit des Utopisten, der durch und durch pazifistisch-anarchistisch denkt und singt. Und gerne lasse ich mich auf seine Vision einer friedvollenWelt ein, für die er mit seinen Liedern, Statements und Konzerten, die mich atmosphärisch an Kirchentage erinnern, ja auch Wichtiges leistet. Und doch sehe ich manches differenzierter, nicht zuletzt, weil auch ich nicht mehr 24, sondern 54 bin.

In Summe geht es mir aber wie vielen im Publikum, durch deren dicht gestuhlte Reihen er am Ende, Friedenslieder singend, geht: Ich habe den Eindruck, seine Texte hat er für mich geschrieben. Und mit seinen unentwegten Botschaften und Appellen, den Rassisten und Nationalisten Widerstand zu leisten; den aufrechten Gang beizubehalten, auch wenn man der Einzige ist (oder zumindest der Erste); und auf die Kraft der Liebe zu vertrauen, das trifft schon sehr mein Lebensgefühl und das offenbar vieler anderer, die sich in ihrem Alltag um Nächstenliebe und Ökologie bemühen.

Konstantin, Dein Konzert war ein großes Geschenk für mich. Und danke, Christian und Renate, dass ihr mich dazu angestiftet und begleitet habt. Mein benediktinischer Freund Albert (OSB) lebt seit bald 50 Jahren in Beuron „ora et labora“; ich seit dem Abitur und der katholischen Jugendarbeit „Mystik und Politik“ bzw. „Kampf und Kontemplation“. Dein Thema „Poesie und Widerstand“ trifft diese Dualität, in der es meine Lebensaufgabe bleibt, in die richtige Balance zu kommen.

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Mensch tendiert zur Selbstlosigkeit

Der 1,5-stündige Beitrag auf Arte, der leider nur noch 16 Tage freigeschaltet ist, macht deutlich, dass der Mensch zur Selbstlosigkeit von Geburt an konditioniert ist. Ich finde beeindruckend, welche Methoden und Studien Forscher entwickelt haben, um diese These wissenschaftlich zu untermauern. Letztlich ist sie aber nur logisch. Denn nur gemeinsam kann die Menschheit überleben.

Da ist es klug von der Natuir eingerichet, dass der Mensch schon im Alter von wenigen Monaten auf Hilfsbereitschaft angelegt ist und in moralischen Kategorien Gut von Böse unterscheiden kann. Umso bedenklicher ist, was offenbar in Kindheit und Jugend alles passiert, dass sich der Mensch diese Konditionierung offenbar häufig zumindest teilweise abgewöhnt.

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Berlin-Besuch zu einem historischen Zeitpunkt

019 Leo am Brandenburger Tor 30.06.2017
Die Wiedervereinigung haben die Menschen, die östlich des Brandenburger Tors, lebten, 1989 ermöglicht. An diesem historischen Ort bin ich immer wieder tief berührt von der Deutschen Einheit. FOTO: FISCHER

Beruflich war ich von Donnerstag bis Sonntag in Berlin, um einige Geschäftskontakte auch mit persönlichen Begegnungen und Gesprächen zu pflegen. Trotz des dichten Programms und der weiten Wege innerhalb der Hauptstadt war der Besuch des Brandenburger Tors für mich obligatorisch. Jedes Mal erlebe ich diesen Ort als Triumpf der Freiheit über die Unterdrückung.

Denn als Sohn eines thüringischen Vaters, dessen drei Brüder nach dem Zweiten Weltkrieg im Osten blieben, bin ich ein intimer Kenner der mir verhassten DDR. Zwar bin ich im Herzen Sozialist geblieben, doch diese verlogene Art des „real existierenden Sozialismus“ durchschaute ich schon als Jugendlicher bei unseren regelmäßigen DDR-Besuchen.

Meine Verwandten waren eingesperrt, sollten per Presse-Zensur verblödet werdet und die SED-Bonzen führten ein verlogenes Doppelleben, das kluge DDR-Bürger letztlich nur im Suff ertragen konnten. Zugleich sind mir diese Erinnerungen und  Berlin-Besuche Verpflichtung, mich für unsere in die Jahre gekommene Demokratie einzusetzen, wenngleich mir auch hier vieles nicht gefällt und mich manches an Verlogenheit erinnert.

Immerhin war ich nur wenige Stunden nachdem der Bundestag die gleichgeschlechtliche Ehe beschlossen hatte vor Ort und tausende Demonstranten in regenbogenfarbenen Textilien und ebensolchen Fahnen feierten diesen Meilenstein der vermeintlichen Gleichberechtigung. Und noch etwas war historisch bei meinem Besuch: Der Jahrhundertregen an unserem Ankunftstag, der die Stadt teilweise flutete, und der auch die Anfahrt zum Sommerfest unseres Kunden Kapilendo am Freitag zum Abenteuer machte.

20170630 mit Ingo Schiller (Herta BSC, hoch)
Hätte ich nicht gedacht: Ingo Schiller (l.) und ich haben etliche gemeinsame Bekannte. FOTO: STÜWE

Dort hatte man eigens ein Zelt aufgestellt, um der Witterung zu trotzen. Der Stimmung tat das keinen Abbruch und auch interessante Gespräche und Begegnungen durfte ich erleben. So etwa mit Hertha BSC-Geschäftsführer Ingo Schiller, auf dessen Club der VfB Stuttgart zum Saisonauftakt trifft. Der Chef von 70 Mitarbeitern, der einen Etat von 130 Millionen Euro verantwortet, kannte von Andreas Schweickert und Gerd Hofele (FA-Management) über Ex-Box-Weltmeister Firat Arslan bis zu den Jürgen Klinsmann-Freunden Roland Eitel (Pressesprecher) und Christoph Schickhardt (Sportanwalt) auch viele Personen, mit denen ich im Sport bereits zu tun hatte.

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Arroganz der digitalen Business-Diktatur

Travis Kalanick von Uber, Mark Zuckerberg von Facebook, Jeff Bezos von Amazon oder Marc Benioff von Airbnb – sie alle revolutionieren mit ihren Digitalisierungsstrategien die Weltmärkte. Und mit ihrer Marktmacht die Demokratie. Da ist es gut, dass Kalanick nun über seine eigene Aggressivität gestolpert ist, mit der er seine Fahrdienst-App weltweit auf dem Rücken des Taxi-Gewerbes durchgedrückt hat.

Billiger und schneller sollte alles werden, so die Verheißung der Internetpioniere aus dem Silicon Valley. Die Welt „demokratisieren“ und mit „shared economy“ die Menschheit beglücken, heißen die Allmachtsphantasien, mit denen die milliardenschweren Konzerne teils Rechtsstaatsprinzipien umgehen, Steuern vermeiden und Suchoptionen manipulieren.

Dabei ist eine Machokultur gewachsen, die die Arroganz vermeintlicher Weltverbesserer genährt hat, die die sozialen Verwerfungen ihrer digitalen Revolution ignorieren und Empathie und soziale Verantwortung vermissen lassen. Immenser Arbeitsdruck, grenzenlose Arbeitszeiten und unmenschlicher Tempowahn beschreiben die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter an der US-Westküste.

Dass in den Digital-Konzernen zudem fast ausschließlich gebildete weiße Männer arbeiten, kommt erschwerend hinzu und begünstigt den Machoismus, der Frauen und Minderheiten diskriminiert und ungebildete wie Lagerarbeiter oder Kurier- und Taxi-Fahrer ausbeutet. Fast wünsche ich mir, dass Konzerne wie Daimler oder VW mit ihren sozialen Standards und starken Gewerkschaften im Aufsichtsrat das Geschäft mit dem Mobilitätsmanagement übernehmen.

Denn die eigentliche Wertschöpfung liegt in der Produktion von Autos, von Büchern, von Zeitungen oder Hotellerie-Dienstleistungen – und nicht im skrupellosen Dealen damit. Denn die konventionellen Wertschöpfer schaffen Jobs, zahlen Steuern und Sozialabgaben. Die hoch gelobten Unternehmen der Digitalwirtschaft, insbesondere Facebook, oder steuerlich gesehen auch Apple, entziehen sich dqagegen ihrer sozialen Verantwortung.

Sie blenden die Öffentlichkeit sogar mit vermeintlichen Milliardenspenden für soziale Zwecke ihrer Wahl. Aber erstens ist das Geld ein Teil der vermiedenen Steuern und zweitens ist dieses Mäzenatentum anti-demokratisch und absolutistisch. Denn hier entscheidet im Zweifel ein Einzelner, was wächst und was stirbt, und nicht das Volk. Zudem sind diese vermeintlichen Mega-Spenden Teil einer subversiven Marketing-Strategie. Für mich stinkt diese digitale Diktatur zum Himmel und ich boykottiere sie, wo ich kann.

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Mutter lebt ihren Traum als Autorin konsequent

Odine Raven ist das Pseudonym einer Buchautorin, hinter dem sich eine Lehrerin und Dozentin versteckt, die im Alltag einen Haushalt mit drei Schulkindern führt und in ihrer knappen Freizeit singt und schreibt. „Ich nehme mir bewusst Auszeiten. Die Familie lernt damit umzugehen, dass die Mama bis in die Nacht am Computer sitzt“, bekennt Raven im Online-Magazin EditionF.

Sie bekomme sehr viel Unterstützung von Familie und Freunden. Die Bügelwäsche müsse dann eben mal etwas länger warten. Und: Nicht zu schreiben – oder zu singen – wäre schlimmer. „Denn jedes Element ist Teil meines Lebens. So wie ich es leben will. Es ist mir ein Bedürfnis herauszuschreiben, was mich bewegt,“ sagt die Autorin.

Sich nicht den Erwartungen anderer unterzuordnen, nicht auf den vermeintlich günstigeren Zeitpunkt für die Erfüllung eigener Bedürfnisse zu warten, sondern im Hier und jetzt ein spannendes, glückliches Leben zu leben – das genauso zu sehen haben ihr die Vampire, bon denen ihr jüngstes Buch handelt, das im Eigenverlag erscheint, beigebracht.

Und genau deshalb schreibe ich über diese Frau hier. Sie kreiert sich ihr Leben statt gelebt zu werden. Damit ist sie Vorbild und Beispiel, wie es geht, „gelingend zu leben“ und nicht Opfer zu sein, sondern Täterin. Aktuell lädt sie ihre Leser ein, ihren Vampir-Roman „Derius“ mit in den Urlaub zu nehmen, sich mit ihrem Exemplar vor den dortigen Sehenswürdigkeiten zu fotografieren und ihr das Bild zu schicken. Diese Urlaubsgrüße sollen anschließend auf Ravens Webseite veröffentlicht werden – denn von Marketing versteht die sympathische Autorin auch etwas.

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Muver: Veränderung beginnt im Kopf

Mit „Aufschlagen und Einschlagen – Der Tatgeber für den Muve nach oben“ hat Manuel Marburger im Mai 2017 im Klecks Verlag einen Leitfaden für Erfolg herausgebracht. Auf 198 Seiten legt der 43-Jährige, für den wir seit März die Kommunikation machen, in 45 Kapitelchen unterhaltsam dar, was einen Existenzgründer oder Unternehmer erfolgreich macht. Die Fibel dient im Kern der Selbstmotivation und transportiert die Botschaften: Glaube an Dich und fokussiere Dich auf ein Ziel.

Das Neue und Sympathische an dem Büchlein: Hier schreibt kein Besserwisser, sondern ein Pragmatiker, der jede Hirnwindung seiner Leser zu kennen scheint. Einfühlsam und liebevoll geht der Unternehmensberater und Speaker (siehe Video), der mit 25 Jahren seine erste Firma gegründet hat, auf die Selbstzweifel und die Ängste vor dem Scheitern ein, die oft schon die halbe Energie rauben. Die fehlt dann dem Handelnden, eben dem Muver, beim Erreichen seiner Ziele.

Konsequent duzt der Autor seine Leser, was Distanz abbaut, Vertrauen stiftet und die Glaubwürdigkeit der flott geschriebenen Zeilen erhöht. Fast hat der Leser den Eindruck, mit einem „kleinen Mann im Ohr“ Zwiesprache zu halten, der ihn mal anspornt, mal warnt. Dieser ganz besondere Duktus, die Schlichtheit der Sprache und die transportierten Lebensweisheiten machen die Lektüre so lesenswert.

An vielen Stellen fühlt man sich ertappt oder zum Ausprobieren eingeladen. „Wir blicken Dir ins Hirn, nicht bloß auf die Stirn. Verlass Dich drauf,“ ist so ein appellativer Satz. Oder „Bleib dran! Bleib echt! Bleib ehrlich! Bleib Du!“, so eine Formel für den Erfolg, die der Leser regelrecht meditieren kann. Man spürt dem Autor, der selbst drei Berufe erlernt und 2013 seine größte Firma mit einem Millionengewinn verkauft hat, an, dass er sich viel mit Psychologie und Glaubenssätzen befasst hat, die jeden von uns prägen – aber auch behindern.

„Aufschlagen und Einschlagen“ mit einem Vorwort von Commedian Bernhard Hoecker lädt niederschwellig dazu ein, sich diese Muster für sich selbst mal näher anzuschauen und Freude am Experiment zu entwickeln. Um damit eben ein Muver zu werden, wie Marburger diesen Menschentypus nennt, der alte Zöpfe abschneidet und sich neue Freiräume durch Handeln erschließt.

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Firmung: Tolle junge Menschen kennengelernt

018 Firmgruppe mit Bischof
Wunderbare junge Menschen: Ein Teil meiner Firmlinge am Samstag nach dem Gottesdienst mit Bischof Gebhart Fürst. FOTO: FROMM

Seit November hatte ich zehn junge Leute, drei Mädchen und sieben Jungs, auf ihre Firmung vorbereitet, die ihnen am Samstag Bischof Dr. Gebhart Fürst in der Schorndorfer Heilig-Geist-Kirche gespendet hat. Zehn Abenden und zwei Samstagvormittage hatte ich mit den 15-Jährigen zu gestalten. Meine Motivation dabei: Mit Jugendlichen in Kontakt kommen, wahrnehmen wie diese drauf sind und idealerweise meinen Glauben an Gott weitergeben, damit auch bei meinem Begräbnis genügend Menschen noch in der Lage sind „Großer Gott wir loben Dich“ zu schmettern.

In der Vorbereitung der Abende erhielten wir jede Menge Papier und Kopien, mit denen wir hätten arbeiten können/sollen. Doch weil mich das sehr an Religionsunterricht erinnerte und ich selbst Ideen hatte, die ich ausprobieren wollte, machte ich komplett mein eigenes Ding. Und Treffpunkt war jeweils der Besprechungsraum in meinem Büro, damit ich keine Zeit verliere oder Absprachen treffen muss.

Beeindruckt haben mich von Anfang an Pünktlichkeit und Vollständigkeit der Gruppe, in der vor allem Jugendliche aus italienischem oder polnischem Elternhaus noch Grundzüge einer christlichen bzw. katholischen Sozialisation wie etwa gemeinsames Tischgebet oder Gottesdienstbesuch am Sonntag hatten. Daran messe ich zwar nicht Frömmigkeit, aber es geht viel (Glaubens-)Substanz verloren, wenn schon Grundgebete wie das Glaubensbekentnis oder Basiswissen über die Sakramente nicht mehr vorhanden sind.

In meinen zehn Stunden setzte ich vor allem auf Selbsterfahrung und erzählte viel aus meinem Leben, welche Erlebnisse und Erfahrungen ich mit Kirche verbinde, wann mir mein Glaube half oder wie ich mit Zweifeln und Dogmen umgehe. Mehrmals lud ich die Jugendlichen ein, reihum laut auszusprechen, was sie an sich selbst gut finden. Und als sie anfangs nur Schulerfolge und andere „externe Leistungen“ aufzählten, spiegelte ich ihnen das.

An weiteren Abenden konnten sie sich dann selbst loben, dass sie etwa gut zuhören können, toll aussehen oder schön singen. Dabei beeindruckte mich, mit welcher Ernsthaftigkeit diese jungen Menschen dabei waren. So erhöhten wir bald den „Schwierigkeitsgrad“ und sie sollten sich gegenseitig Dinge sagen, die sie aneinander schätzen. Auch hier wurde es sehr intim, ohne dass gelacht wurde.

Mein Transfer dabei bestand einzig darin, dass ich ihnen sagte, dass jeder ein Ebenbild Gottes ist und deshalb diese Göttlichkeit in jedem von ihnen sichtbar ist – spätestens wenn man genau hinschaut. Deshalb ging es mir an den Abenden, an denen ich etwa von den Kriegserlebnissen meines Vaters erzählte, vor allem um Achtsamkeit.

Einmal setzten wir das Gleichnis, in dem der Weinbergbesitzer jedem am Abend denselben Lohn zahlt, als Streitgespräch um, in dem der Arbeitgeber, ein Gewerkschafter und ein Arbeiter miteinander diskutieren, was gerecht ist. Schnell merkten meine Firmlinge, wie politisch die Bibel ist. Manchmal bat ich sie auch von ihren Niederlagen zu erzählen und wie sie damit umgehen. Und einmal war mein Bruder zu Gast, der vom Sterben seiner Tochter erzählte. Auch hier war ich tief berührt, wie achtsam „meine“ Jugendlichen nachfragten.

Nun bin ich gespannt, wie es in deren (religiösem) Leben weitergeht und was „hängen bleibt“ von dem, was ich ihnen vermitteln wollte. Ich werde für diese jungen Menschen beten und bin dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte. Denn diese jungen Leute sind großartig und es nervt mich, wenn meine Generation über sie (oder Flüchtlinge) herzieht, obwohl sie kaum welche persönlich kennt.

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Autorenlesung: Zwei Männer leben ihre Träume

001 Fiore (l.) und Heiko (quer)
Büchertausch im Gosbacher Dojo: Gastgeber Fiore Tartaglia (l.) und Heiko Schwarzburger, beide überzeugte Karateka, überreichen sich gegenseitig eines ihrer Bücher. FOTO: FROMM

Champions League, Pfingstferien und subtropische Temperaturen haben am Samstag das Zuhörer-Potential für die Autorenlesung mit H.S.Eglund in der Gosbacher Kampfsportschule Taikikan drastisch reduziert.  Umso intimer waren der Kreis; das, was gesprochen wurde und was aus dem Liebes-Roman „Zen Solar“ gelesen wurde. Und immerhin: Die Presse war auch da.

So erfuhren die Zuhörer von Photovoltaik-Chefredakteur Heiko Schwarzburger, dass er sich das Psyeudonym zugelegt hat, um bei Internetrecherchen als Romanautor immer an erster Stelle zu stehen. Denn als Fachautor bringt er es unter seinem Namen auf gut 11.000 Treffer. „Eglund“ dagegen sei die sächsische Aussprache eines schwedischen Eishockey-Nationalspielers, der in den 1980er Jahren populär war und dem der stattlich gebaute Schwarzburger offenbar glich.

Der Autor ist in Leipzig geboren, hatte ursprünglich Dreher gelernt und in der NVA seinen dreijährigen Wehrdienst absolviert. 1989 war der Regime-kritische Ingenieur in Dresden dabei als die Stasi-Behörde gestürmt wurde. Nach der Wende schrieb er in Berliner Tageszeitungen über Umweltsünden der DDR bspw. im Braunkohle-Tagebau und gründete später die „Photovoltaik“, um seinen Beitrag zur Energiewende und zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten.

In einem ersten Roman „Die Glöckner von Utopia“ hatte der aktive Karateka über die politische Wende in Ostdeutschland geschrieben. „Zen Solar“, Ende 2016 erschienen, befasst sich nun mit der Energiewende, bei der es im Kern, so Eglund, um die Autonomie des Menschen gehe. Damit schlägt er die Brücke zum Zen und der fernöstlichen Philosophie der Bedürfnislosigkeit.

Entsprechend ist „Zen Solar“ in die fünf Teile Erde, Wasser, Feuer, Wind und Leere unterteilt, die den Elementen im Zen entsprechen. Der Roman ist autobiographisch angelegt und hinter dem freien Journalisten Fred Winter, der sich in die alleinerziehende Mutter Judith verliebt, verbirgt sich der Autor.

An der bayerisch-tschechischen Grenze lernt Fred Ingenieure kennen, die Windräder (Zen-Element Wind, „windger Typ“ etc.) installieren. Dabei thematisiert er die Ost-West-Problematik mit einstigem Feind- und Grenzland, wo nun beidseitig Windräder statt Raketen stehen und es um Energiewende statt Atomkrieg geht und um solare Wärme statt Kaltem Krieg. Eglunds Botschaft: Die Zeiten werden besser.

Schwarzburger, der jährlich bundesweit rund 60 Lesungen hält, fühlte sich geehrt, erstmals in einem Dojo lesen zu dürfen. Mehr noch: Mit Gastgeber Fiore Tartaglia, einem gebürtigen Neapolitaner, traf er auf einen weiteren Grenzgänger, der sich neben seinem Beruf als Graphiker schon vor 20 Jahren den Traum von der eigenen Kampfsportschule erfüllt hat.

Und als Europas meistgelesener Karatebuchautor mit einer aktuellen Gesamtauflage von 47.000 Büchern in vier Sprachen, der diese im Eigenverlag publiziert, hatten die beiden sehr viele Gemeinsamkeiten. Diese spürte man in der Wertschätzung, die die beiden einander entgegenbrachten und wie sie miteinander kommunizierten.

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Lesetipp: Märchenbuch für Führungskräfte

017 Du bist einmalig (Buch)Das Kinderbuch „Du bist einmalig“ von Max Lucado sollte zur Pflichtlektüre für Erwachsene werden. Besonders, wenn sie Führungsverantwortung haben. Denn dann wird ihr Hebel größer, an dem sie Frieden und Erfolg oder Unfrieden und Chaos in die Welt bringen. Die wunderschönen und einfühlsamen Illustrationen von Sergio Martinez machen das Büchlein zur Herzenssache.

Und darum geht es: Die „Wemmiks“ sind ein Volk von Holzpuppen, die alle der Schnitzer Eli sehr unterschiedlich gestaltet hat. In ihrem Dorf haben sie die Angewohnheit, gelbe Sterne für Positives zu vergeben und schwarze Punkte für Negatives. Alle Bewohner haben einen riesen Stress, immer mindestens einen Stern mehr als Punkte zu haben.

Punchinello, der nur Punkte hat, ist deshalb total unglücklich. Eines Tages trifft er Lucia, die weder Sterne noch Punkte hat, aber total glücklich ist. Sie gibt Punchinello den Tipp, einfach öfter den Schnitzer Eli zu besuchen. Aber mehr verrate ich nicht. Nur soviel: Ich bestelle das Büchlein am Dienstag bei der Bücherstube Seelow (bei Amazon kaufe ich nichts) 20 Mal.

Denn als Coach hatte ich genau dieses Thema zuletzt am Donnerstag wieder im Kreis von Führungskräften. Da bringe ich künftig „Du bist einmalig“ mit. Und mein Exemplar bekommt mein bester Freund, der heute Geburtstag hat. Erschienen ist das Büchlein übrigens im SCM-Verlag und kostet 8,95 Euro.

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