Transparenz

Von Kofferträgern und mutigen Gmündern

Positiven Auftakt haben vermeintliche Besserwisser gründlich vermiest: Richard Arnold (vorne im weißen Hemd) und Klaus Pavel (hinten) mit den motivierten Flüchtlingen. FOTO: GT
Positiven Auftakt haben vermeintliche Besserwisser gründlich vermiest: Richard Arnold (vorne Mitte im weißen Hemd) und Klaus Pavel (dahinter) mit den motivierten Flüchtlingen. FOTO: GT

Als ich erstmals vom Schwäbisch Gmünder Kofferträger-Projekt hörte, habe ich mich über soviel Kreativität gefreut. Denn Asylbewerber, die typischerweise zum Nichtstun und zur Ausgrenzung in ihrer Unterkunft verurteilt sind, bekommen hier eine sinnvolle Aufgabe und die Chance, mit Einheimischen in Kontakt und in Beziehung zu kommen. Und Reisende erhalten den Service, dass ihre Koffer während einer komplexen Baustelle für sie getragen werden.

So weit, so gut. Womit weder ich, noch die hauptverantwortlichen Akteure, nämlich OB Richard Arnold, sein Pressesprecher Markus Herrmann und Landrat Klaus Pavel aber gerechnet hatten, waren die vermeintlichen Besserwisser, Bedenkenträger und Gutmenschen. Von „Ausbeutung“, „Sklaverei“ und „Post-Kolonialismus“ war plötzlich die Rede; OB Arnold musste sich als Rasssist beschimpfen lassen und im Internet ergoß sich ein Shitstorm über die Verantwortlichen.

Die Bahn AG, ursprünglich Kooperationspartner, zog sich sofort – feige und opportunistisch – aus dem gemeinsamen Projekt zurück, was den Druck auf die verbleibenden Ostälbler erhöhte, die man nun auch noch schamlos „provinziell“ und sonst noch was nennen konnte. Das Gute – und da freue ich mich, zumal Markus Herrmann ein alter Weggefährte von mir ist, mit dem ich 1991/92 beim selben Verlag volontiert habe – aber ist, dass nun die Stauferstädter nicht auch noch einknicken, sondern allenfalls Versäumnisse in der Kommunikation einräumen.

Denn Fakt ist, dass viele Diskussionsteilnehmer weder die Fakten kennen, noch zur Kenntnis nehmen wollen, dass diese acht von insgesamt 250 Flüchtlingen in dieser Unterkunft den Kofferträger-Job freiwillig angenommen haben. Ihre vermeintlichen Fürsprecher tun ihnen überhaupt keinen Gefallen. Im Gegenteil: Die Besserwisser bevormunden die Flüchtlinge, in dem sie ihnen einreden wollen, ausgebeutet zu werden. Und auch viele Medien fallen in diesen anbiederischen Tenor.

Ohnehin steht dahinter eine Geisteshaltung, die unsere Gesellschaft noch zerstören wird, wenn immer die Aufrichtigen die Schläge kriegen. Denn was ist daran so schlimm, wenn ein Land, das verfolgten Menschen einen Schutzraum gewährt und für diese materiell aufkommt, darum bittet, ihrerseits einen Betrag zu leisten, dass zum Beispiel alten Menschen, die den Wohlstand dieses Landes erwirtschaftet haben, beim Gepäckschleppen geholfen wird? Ich würde hierzu auch andere Bevölkerungsgruppen heranziehen, die anderweitig mit ihrer Zeit nichts anzufangen wissen. Allerdings war schon das Erntehelferprojekt vor Jahren eine Zumutung – für die deutschen Bauern!

Ich erinnere mich, dass ich als Student für fünf Mark die Stunde gearbeitet habe, um überhaupt mal Fuß zu fassen. Kurz darauf konnte ich auf Grund meiner erworbenen Kompetenzen und Kontakte mehrfach wechseln und verdiente bald das annähernd Dreifache. Hätte ich aber erst gar nicht begonnen, hätte sich alles Weitere daraus nicht entwickelt. Ich weiß nicht, woher diese Anspruchsmentalität kommt, die einfachste Regeln etwa wie Angebot und Nachfrage konsequent negiert.

Das Beispiel belegt für mich aber auch eindrucksvoll: Einen Shitstorm kann man entspannt aussitzen. Wer dort die „öffentliche Meinung“ prägt, den möchte ich weder als Kunde, noch als Mitarbeiter oder Freund. Entsprechend empfehle ich auch meinen Kunden Gelassenheit. Nicht jede Kritik muss gleich der Beginn eines Niedergangs sein. Und unfreundliche Kompetente sind mir im Zweifel noch immer lieber als freundliche Inkompetente.

Klaus Pavel, Reinhard Arnold, Markus Herrmann oder ich waren mit Sicherheit schon häufiger in Asylunterkünften, haben Migranten Wertschätzung und Anteilnahme entgegengebracht oder haben versucht, schwer Vermittelbaren zu helfen als die meisten, die apathisch hinter ihrem PC hocken, gönnerhaft den Daumen heben oder senken und meinen, damit Einfluss auf den Lauf der Geschichte zu nehmen. So, und jetzt freue ich mich auf ganz viel Kritik! Danke.

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Viel Wertschätzung zu meinem 50.

Viele Symbole der Wertschätzung für mich: St. Martin und der Bettler sowie viele, viele von Kindern gestaltete Herzen.
Viele Symbole der Wertschätzung für mich: St. Martin und der Bettler sowie viele, viele von Kindern gestaltete Herzen.

Anfang Juli war ich 50 geworden und bin gleichermaßen beeindruckt wie dankbar für die Vielzahl an Briefen, Karten, e-Mails, Telefonaten, Facebook-Grüßen und persönlichen Glückwünschen, die ich erhalten habe. Stellvertretend möchte ich zwei hervorheben, die mich besonders berührt haben: Wolfgang Schühle, Geschäftsführer von Ostheimer, brachte mir einen XXL-St.-Martin samt Pferd, Bettler und teilbarem Mantel mit.

Besonders durch seine begleitenden Worte fühlte ich mich sehr geehrt: Er meinte, ich sei so sozial und engagiert (kämpferisch) wie der heilige Martin. Der Legende nach ein römischer Offizier, der spontan seinen Mantel mit einem Bettler teilte, der am Straßenrand saß und fror. In vielen Kirchengemeinden wird an seinem Namenstag (Patrozinium) am 11. November deshalb noch immer im Schein von Fackeln und Laternen die Szene aufgeführt.

Eine Lehrerin, die mit mir von 2010 bis 2012 eine gestaltpädagogische Ausbildung gemacht hatte, schickte mir ein DinA4-Kuvert. Darin waren mehr als 20 individuell gestaltete Herzen und ein Begleitschreiben. Darin heißt es sinngemäß, ich hätte mal gesagt, dass mir materiell nichts fehlt, meine Seele aber stets genährt werden könne. So habe sie ihre Viertklässler eingeladen, je ein Herz für mich zu gestalten. Auf vielen dieser Herzen sind Symbole zu sehen und Wünsche für mich zu lesen. Vielen Dank.

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Freund Firat: WM-Fight am 14.09. in Stuttgart

Firat (l.) kämpft am 14.September endlich wieder um ie Weltmeisterschaft: Luan und ich (v.r.) wünschen ihm einen sauberen Kampf. FOTO: privat
Firat (l.) kämpft am 14.September endlich wieder um die Weltmeisterschaft: Luan und ich (v.r.) wünschen ihm einen sauberen Kampf. FOTO: privat

Na endlich, mein Freund Firat Arslan, dem ich 2007 einen Sponsor vermittelt hatte, bekommt am Samstag, 14. September, in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart seine Chance, nach 2007 noch einmal Weltmeister zu werden. Denn der Ex-WBA-Titelträger bekommt das Wunsch-Rematch der Boxsportwelt gegen WBO-Weltmeister Marco Huck. Den hatte der Wahl-Donzdorfer, bester Freund von Luan Krasniqi, zwar schon am 3. November 2012 in Bielefeld, quasi in Hucks Wohnzimmer, besiegt, doch nicht nach den Zetteln der Punktrichter.

Dass sich Huck den mittlerweile 42-jährigen Cruisergewichtsboxer noch einmal antut und dieses Mal quasi auf dessen Terrain in Stuttgart, hat einen sympathischen Grund: Bei dessen Ausflug im Februar 2012 in die Schwergewichtsklasse (alles über 83,6 kg) hatte der Wahl-Bielefelder Weltmeister Alexander Povetkin dominiert – und am Ende auch nicht gewonnen. Den Kampf hatte ich in Stuttgart live gesehen.  Und Huck weiß deshalb, wie sich Unrecht anfühlt und er fühlt sich in seiner Ehre getroffen, einerseits Firat eine zweite Chnce zu geben und andererseits dieses Mal alles besser zu machen.

Dass in der Boxwelt überhaupt soviele Fehlurteile getroffen werden, hat einen einfachen Grund: Im Kern geht es nicht darum, den Besten zu ermitteln, sondern als Boxstall, TV-Sender oder Boxverband am meisten Geld zu verdienen. Pikanterweise gehören dieses Mal beide Athleten dem Berliner Boxstall an (früher war Firat bei Universum in Hamburg). So bleibt Winfried Sauerland, dem immer wieder Mnipulationen vorgehalten werden (wie früher Klaus-Peter Kohl auch), auf jeden Fall Sieger.

Am 8. Juni hatte Jochen Klingovsky in den Stuttgarter Nachrichten dankenswerter Weise auf „Seite drei“ Hintergründe des Boxens offengelegt, die Firats Trainer Dieter Wittmann in der Nacht einer Arslan-Niederlage in einem TV-Interview in der Halle bereits angesprochen hatte: Denn jeweils drei Punktrichter, oft aus armen Ländern wie Puerto Rico, werten einen Kampf. Je nach Verband und Gewichtsklasse erhalten sie hierfür 950 bis 1200 Euro. Dazu kommt ein Rund-um-sorglos-Wochenende oft mit Interkontinentalflug, Vier- oder Fünf-Sterne-Unterbringung etc.

Klingovsky schreibt weiter: „Normalerweise müssen Ring- und Punktrichter von dem Verband bezahlt werden, unter dessen Hoheit ein Kampf ausgetragen wird. In der Realität gibt es die Umschläge aber öfter mal direkt vom Veranstalter. Und es soll auch schon vorgekommen sein, dass dann überraschenderweise mehr Geld drin war als erwartet.“ Eine Variation sei, dass der Punktrichter zwei Umschläge erhält.

Dass darüber nicht berichtet wird, liegt auf der Hand: Die ARD zahlt dem Vernehmen nach jährlich 13 Millionen Euro an Sauerland, der im Gegenzug rund zehn Boxnächte po Jahr mit jeweils rund sieben Kämpfen ausrichtet. Das Geflecht erinnert an die Tour de France zu Zeiten Jan Ullrichs und Eric Zabels, als die Öffentlich-Rechtlichen traumhafte Quoten und damit beste Werbeeinnahmen hatten. Kritische Berichte über Doping hätten die Cash-Cow-Maschinerie nur behindert. Solche Zusammnhänge finden sich übrigens auch im Lokaljournalismus immer wieder.

Entsprechend wissen die Punktrichter beim Boxen, was von ihnen erwartet wird. Ohnehin sägen sich die wenigstens selbst den Ast ab, auf dem sie sitzen. Und wo es gerade darum geht, ob die ARD über 2014 hinaus denVertrag mit Sauerland verlängert, ist es gelegen, dass nun zwei Sauerland-Boxer im Ring stehen. Das bringt Ausrichter und Punktrichter nicht in Gewissensnöte, denn am Ende gewinnt Sauerland ohnehin.

Gewertet wird übrigens jede Runde mit zehn Punkten für den Besseren und neun Punkten für den Schlechteren. So kann der Vorsprung pro Runde bei einheitlichem Votum der Richter um drei Punkte steigen (30:27). Spitzenkämpfe gehen immer über zwölf Runden, Aufbaukämpfe auch mal nur über zehn oder acht Runden. Wenn Sie jetzt noch Lust haben, den Fight live zu sehen, was ich tun werde: Karten gibt es bei easyticket im Internet oder z.B. im Göppinger Rathaus.

 

 

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PR-Berater: Image ist katastrophal

Vermutlich hat MP Kretschmann (l.) nicht gewusst, wem er hier einen Gefallen tut: Holger Frey (r.) zieht alle Register für den schnellen Erfolg. Sein PR-Berater scheint ihn nicht gewarnt zu haben. FOTO: GANSLOSER
Vermutlich hat MP Kretschmann (l.) nicht gewusst, wem er hier einen Gefallen tut: Holger Frey (r.) zieht alle Register für den schnellen Erfolg. Sein PR-Berater scheint ihn nicht gewarnt zu haben. FOTO: GANSLOSER

„Wir haben mit PR-Beratern nur schlechte Erfahrungen gemacht: Sie versprechen alles, kosten oft noch viel Geld und halten nichts.“ Den Satz des Marketingleiters eines inhabergeführten Mittelständlers, der mit Endkunden 80 Millionen Euro pro Jahr umsetzt, habe ich vorige Woche nicht zum ersten Mal gehört. Immerhin telefonierte der Verantwortliche, der zuvor in meinem  Blog über die Gansloser Destillerie gelesen hatte, 40 weitere Minuten mit mir. Sein Fazit: „Mit Ihnen war es jetzt doch sehr interessant, wir melden uns, wenn wir Bedarf haben.“

Immerhin verriet er mir, dass er sich mittlerweile mit Anzeigen den Weg in die Zeitschriften „freischießt“ und „die dann drucken, was wir liefern.“ So kenne ich das auch aus vielen Fachtiteln. Leider. Und in Tageszeitungen läuft es über „Kollektive“ immer ähnlicher. Mit Intelligenz hat das alles kaum mehr etwas zu tun. Aber eben viel mit Geld. Langfristig trägt dies zum Niedergang der Printmedien bei, weil deren Inhalte immer belangloser werden.

So stehe ich zunehmend zwischen zwei Fronten: Redakteure, die ohne Anzeige selbst journalistische Beiträge immer seltener drucken, und PR-Beratern, die mit ihrem Dilettantismus das Feld verbrennen, auf dem wir alle säen und ernten wollen. Und weil der komplexe Beruf nicht geschützt ist, kann sich jeder so nennen. Und immer mehr (Verzweiflungstäter) scheinen dies auch zu tun. Diese müssen nur Kunden finden, die sie anheuern. Und die haben oftmals nicht mal einen Kriterienkatalog, an dem sie Kompetenz und Seriösität fest machen.

Normalerweise kenne ich diese „Kollegen“ namentlich gar nicht. Im Fall Gansloser hat sich mir aber ein solcher regelrecht  aufgedrängt: Markus Bartha. In der Presse ergriff der 45-jährige Lohmarer das Wort für seinen Auftraggeber Holger Frey und in diversen Internetforen, in denen selbst der Dümmste mitquatschen darf, weil es keinen Redakteur mehr gibt, der sichtet und bewertet, pöbelte er u.a. auch über meine Seriosität („ersetzen sie besser professionell durch provinziell“?!?) statt im Interesse seines Mandanten Fakten zu nennen, die dessen etwaige Glaubwürdigkeit unterstützen oder meine Behauptungen entkräften.

Von all dem nichts. Parallel entsteht bei der Stallwächterparty des Landes am 4. Juli in Berlin ein Foto, das Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Holger Frey und einer Flasche von dessen „Black Gin“ zeigt. Und während Frey am Landgericht Ulm tags darauf als Beklagter im Streit um 40.000 Euro ein Ordungsgeld riskiert, weil er laut seinem Anwalt, dessen Namen hier noch nicht fällt, durch die Party in Berlin verhindert sei, findet das Foto mit entsprechendem Jubeltext seinen Weg in die Lokalzeitung NWZ.

Staatskanzlei und Vertretung des Landes beim Bund prüfen nun, wie es zu dem für den Ministerpräsidenten kompromittierenden Bild kam. Schließlich hatten die Stuttgarter Nachrichten bereits am 8. Juni auf nahezu einer ganzen Seite unter der Überschrift „Schwere Vorwürfe gegen Edel-Destillerie“ über Holger Frey und die Machenschaften, die ihm vielfach vorgehalten werden, berichtet. Als Freys PR-Berater hätte ich ihm ohnehin von diesem kühnen Mißbrauch eines Spitzenpolitikers abgeraten. Denn nun befassen sich auch noch Politiker aller Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl mit dem Bad Ditzenbacher.

Viele NWZ-Leser fragen sich seit Samstag aber auch, wie es kommt, dass auf Seite 18 in einem Dreispalter mit Bild von Frey über seine in Ulm und offenbar auch Stuttgart anhängigen Prozesse berichtet wird, während zwei Seiten weiter in den lokalen Wirtschaftsnachrichten das Kretschmann-Frey-Foto vom Vortag kommt. Zumal PR-Berater wie ich wissen, dass die NWZ oft Vorlaufzeiten von mehreren Wochen hat, um externe Berichte zu veröffentlichen. Mittlerweile habe ich drei Theorien gehört: Die einen sagen, die NWZ wolle Kretschmann schaden; manche sagen, meine Ex-Kollegen wollten mir schaden und wieder andere meinen, bei der NWZ mache ohnehin jeder, was er will, so dass dies Zufall sei.

 

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Wahrhaftigkeit kostet viel Kraft

Die Wahrheit ist: Wir haben aktuell einen wirklich guten Lauf. Interessierte Firmen – teils aus ganz Deutschland – rufen an und interessieren sich für unsere Dienstleistungen. Sie kommen über Empfehlung, was den Einstieg enorm erleichtert. Denn wir genießen Vertrauen und Wertschätzung. So akzeptieren die Unternehmer auch, dass ich bspw. 2000 Euro „Antrittsprämie“ möchte, wenn ich nach einem gut einstündigen Kennenlern-Telefonat zu einem Kennenlern-Workshop nach Frankfurt oder Düsseldorf komme.

Schön ist aber auch, dass wir mit Bestandskunden immer mehr Umsatz machen bzw. die Kooperation vertiefen, weil zur externen Kommunikationsarbeit, klassischerweise die Pressearbeit, die interne hinzukommt. Da beraten wir unsere Kunden (und realisieren Lösungen), wie sie mehr Tuchfühlung mit ihren Mitarbeitern bekommen, die interne Kommunikation verbessern oder die Beziehungen zu ihren Kunden intensivieren. Das alles ist aber auch sehr viel Arbeit.

Mich kostet die viele Arbeit auch viel Kraft. Weil meine Leidenschaft auch Energie verzehrt. Es ist zwar schön, wenn ich andere Menschen zum „Brennen“ bringe, doch muss ich auch achten, dass nicht mein eigenes Feuer erlischt bzw. ich immer gereizter Werde in Ton und Umgang. Deshalb suche ich dringend interne Mitstreiter, die unsere Manpower verstärken, unseren Spirit teilen und nach meinen Prinzipien arbeiten.

Da passt die Meldung gut ins Bild, die ich diese Tage gelesen habe: Demnach hat sich die Zahl arbeitsloser Journalisten drastisch auf zuletzt 4300 bundesweit erhöht. Während die Gesamtzahl – vermutlich bedingt durch den langen, harten Winter – um zwei Prozent stieg, erhöhte sich die Quote in der Branche um 12,9 Prozent. So hat die FTD ihr Erscheinen ja komplett eingestellt und bei Stuttgarter Zeitung und Nachrichten laufen seit Monaten Abfindungsangebote.

Das Gute für uns: Allein diese Woche – wie gut, dass ich fast nie in Urlaub gehe – habe ich mit zwei Redakteuren in Hamburg und Stuttgart telefoniert, die sich neu orientieren wollen. Beide kannten mich bereits, waren auf meiner Homepage und in meinem Blog und sind sehr interessiert an der Qualität unserer journalistischen, kommunikativen und beratenden Arbeit. Das freut mich sehr. Zum einen, weil ich Entlastung bekomme; zum anderen, weil unsere Sache wahrhaftiger Kommunikation Kraft gewinnt. Vielen Dank allen, die als Mitarbeiter, Kunden oder Leser dieses Blogs meine Werte teilen.

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Regionalität als Markenzeichen

Waren sich beim CDU-Bürgerforum in Süßen einig und kommunizierten viel Wissenswertes für die Verbraucher: Metzgermeister Uli Gölz (v.l.), Lamm-Wirt Jörg Geiger, Edeka-Händler Manfred Gebauer und Landwirt Hermann Färber. FOTO: FROMM
Waren sich beim CDU-Bürgerforum in Süßen einig und kommunizierten viel Wissenswertes für die Verbraucher: Metzgermeister Uli Gölz (v.l.), Lamm-Wirt Jörg Geiger, Landwirt Hermann Färber, Edeka-Händler Manfred Gebauer.

Tiefe Einblicke in die Lebensmittelbranche haben Verbraucher bekommen, die vorige Woche in Süßen ein Bürgerforum besucht haben. „Unsere Lieferanten müssen in aller erster Linie ihr Produkt lieben,“ erklärte Manfred Gebauer, mit dem ich seit meiner Zeit als NWZ-Redakteur befreundet bin, wie sich sein Sortiment aus 20.000 Artikeln zusammensetzt.

Konsequent lebt der Göppinger Edeka-Mann, der in sechs Märkten 530 Mitarbeiter beschäftigt, Regionalität: 1966 hat sich der gelernte Maschinen-Schlosser auf 36 Quadratmeter mit einem Lädchen in der Hohenstaufenstraße selbstständig gemacht. Kistenweise schleppte er etwa frische Erdbeeren vom Schurwald und aus dem Remstal in seinen Laden oder verkaufte Milch, Eier und Kopfsalat heimischer Bauern.

Längst ist der mittlerweile 70-Jährige, der 34 Jahre ehrenamtlich im Edeka-Aufsichtsrat saß, Marktführer für regionale Lebensmittel. 1990 kooperierte der zweifache Vater mit der Metzgerei Kurz aus Schorndorf, weil diese als erste das Herkunfts- und Qualitätszeichen der EU dafür hatte, dass sie selbst schlachtet, zerlegt und produziert. „Wir kaufen dadurch deutlich teurer ein, aber den Unterschied schmeckt man,“ kam Gebauer auf dem Podium immer wieder ins Schwärmen über qualitätvolle Lebensmittel.

Mit langfristigen Abnahmeverträgen zu fairen Preisen ermöglicht Gebauer seinen Lieferanten, ausschließlich Qualität zu liefern. So bleiben Arbeitsplätze erhalten und werden teils neue geschaffen. Bei der Auswahl seiner Lieferanten achtet er darauf, dass der Partner viel mehr Hersteller als Händler ist. „Denn je enger die Identifikation mit dem Produkt, desto ehrlicher die Erzeugung,“ bringt Gebauer seine Lebenserfahrung auf den Punkt.

Jörg Geiger kann dies als dessen Lieferant nur bestätigen. Seine Schlater Manufaktur für Destillate und Seccos arbeitet nach den Slow-Food-Prinzipien gut, sauber und fair. Und wächst damit jährlich um rund 20 Prozent. Mehr gehe nicht, weil die Zutaten der Natur begrenzt sind. Denn um Streuobstwiesen zu erhalten und damit die Vielfalt der Natur, verarbeitet er kein Tafel- und Plantagenobst. Seine Bezugsquellen sind die Erzeugnisse von 400 Gütle und Stückle.

Und weil die Nachfrage stimmt, stimmt der Preis. Die Folge: Statt maximal acht Euro je Zentner Obst zahlt Geiger seinen Lieferanten bis zu 18 Euro. „Da hilft dann auch mal der Zahnarzt dem Schwiegervater beim Auflesen“, gibt Geiger Einblick in die Streuobstwiesenszene. Der bessere Preis verleihe somit etwa der verhutzelten Champagner-Bratbirne eine Wertigkeit und damit der Mühe des Aufhebens einen Wert. Mehr noch: Über die Teilnahme am Wertschöpfungsprozess des Getränks wachse die Identifikation mit dem Produkt.

Was mich besonders freute: Vor der Veranstaltung kam Geiger auf mich zu mit den Worten „mit Ihnen kam damals der Durchbruch, vielen Dank.“ Tatsächlich hatte ich ihm noch als angestellter Redakteur damals geraten, die Klageandrohung der Champagner-Lobby gegen ihn und seine „Champagner-Bratbirne“ öffentlich zu machen und die Unterlassungserklärung (250.000 Mark je Zuwiderhandlung) nicht zu unterschreiben. Sogar einen versierten Anwalt vermittelte ich ihm, der den Klageweg durch drei Instanzen medienwirksam nutzte. Danach wurde Geiger zum Held der Slow-Food-Bewegung, der heute 90 Prozent seiner Premiumprodukte außerhalb des (neidischen) Heimat-Landkreises vertreibt.

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FC Bayern-Aufsichtsrat ist eine Schande

Thomas Musch, Chefredakteur des TOUR-Magazins
Thomas Musch, Chefredakteur des TOUR-Magazins, kritisiert zurecht das Verhalten des Aufsichtsrates des FC Bayern

Die Telekom war mal Sponsor eines deutschen Profiradteams, hat mein Freund Thomas Musch auf Facebook erinnert. Und der Chefredakteur des Tour-Magazins rekapituliert: 2006 suspendierte das Team einen Tag vor dem Start der Tour in Straßburg Jan Ullrich wegen seiner Verwicklung in den Fuentes-Skandal. Heute ist die Telekom sogar Anteilseigner beim FC Bayern, argumentiert der Rennradsportexperte und fährt fort, dass dessen Aufsichtsratsvorsitzender trotz Steuerkriminalität und eines Haftbefehls gebeten wird, weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender zu bleiben. Das Fazit meines Freundes, der sicher auch den Spitzensteuersatz zahlt: Compliance gilt nur für die anderen.

Ihm habe ich geantwortet, was ich hier ohnehin seit Montag thematisieren wollte: „Lieber Thomas, das ist eine scharfe Analyse, die meines Erachtens einen zentralen Punkt trifft. Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass der Aufsichtsrat Uli Hoeness den Rücktritt nahelegt und notfalls erzwingt. Allein schon aus Angst, selbst nicht ins Visier der Medien zu kommen. Entweder sind die Klüngel-Könige unserer Elite also so besoffen vom eigenen Erfolg, dass sie diese Gefahr nicht mehr sehen, oder sie haben die Medien ohnehin unter Kontrolle. Aber vielleicht schreibst Du Deine Gedanken in Deinem Tour-Magazin.“

Mir geht es nicht um eine vordergründige Jagd auf Hoeness. Darüber hatte ich bereits geschrieben. Mir geht es um Moral und Anstand in diesem Land und die Verantwortung der Eliten, vorbildlich zu handeln. Margot Käßmann hat als eine von ganz wenigen gezeigt, wie die Elite auch im Fehlverrhalten noch Vorbild sein kann. Ich bin traurig, dass all diese Männer an ihren (inhaltlichen) Positionen festhalten. So hatte ich z.B. den katholischen Bauernsohn Rupert Stadler stets sehr geschätzt. Nun muss ich auch mein Bild vom Audi-Chef revidieren. Sehr schade, zumal der Pegel der Kraftanstrengung damit weiter steigt, moralisch auch in fiskalischen Dingen integer zu bleiben.

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„Und führe uns nicht in Versuchung“

Die Zahl seiner Fans ist mit Sicherheit gesunken: Uli Hoeneß
Die Zahl seiner Fans ist mit Sicherheit gesunken: Uli Hoeneß

Es wäre ein Leichtes, nun in die allgemeine Kritik an Uli Hoeneß‘ Steuerhinterziehung einzustimmen. Mich macht sein Verhalten aber vor allem traurig und nachdenklich, weil offensichtlich auch die vermeintliche Lichtgestalt charakterliche Schwächen hat. Aber seit Petrus‘ Verrat an Jesus ist mir keine Schwäche fremd. Viele empört dennoch, wie meine gestrige Skatrunde belegte, dass sich der Präsident des FC Bayern München öffentlich zu dem Thema geäußert und sich gerade dadurch Sympathien erworben (erschlichen) hatte.

Ja, stimmt. Und doch bleibt, unabhängig von seinem Fehlverhalten, alles richtig, was er gesagt hat. Auch seine Lebensleistung als Spieler; Wurstfabrikant, der 800 Arbeitsplätze schuf; als FC-Präsident, der den Club an die Weltspitze führte und als Mäzen, der viel Gutes tat, bleibt. Und jeder, der sich jetzt über den 61-Jährigen empört, sollte sich kritisch fragen, wie er es selbst mit der (Steuer-)Ehrlichkeit hält. Zugegeben, der normale Angestellte hat nur kleinste Spielräume, irgendetwas zu gestalten. Heißt aber umgekehrt auch, dass er den Test, ob er gegen die Versuchung gefeiht sei, erst gar nicht bestehen muss.

Spannender wird es da schon bei uns kleinen Selbstständigen aufwärts. Die Selbstwahrnehmung, ein hohes Risiko zu tragen, sehr viel zu arbeiten und – noch viel elementarer – täglich mehrfach (richtig) entscheiden zu müssen und Motor zu sein, prägt auch den Blick auf Leistung, Erfolg und letztlich Vergütung. Und da hat auch mich schon gelegentlich der heilige Zorn gepackt, wenn einerseits ein Kunde 20.000 Euro nicht bezahlt oder eine Scheidung 350.000 Euro kostet (netto! also muss ich 700.000 Euro erwirtschaften – wegen der Steuer!) und andererseits das Finanzamt munter fünfstellige Beträge abbucht.

Ich zahle heute ein Vier- oder Fünffaches an Steuer gegenüber der Zeit als ich gut bezahlter angestellter NWZ-Redakteur mit 14 Monatsgehältern und 30 Urlaubstagen war und selbst im Halbschlaf nicht unangenehm aufgefallen wäre. Je nach Tagesform bin ich heutzutage dankbar, dass mir der liebe Gott diese Dynamik geschenkt hat, soviel bewegen und gestalten zu können. Manchmal aber, wenn z.B. in meiner Agentur schwere Tage sind und parallel die Nachricht herausgeht, dass Alt-Bundespräsident Christian Wulff 200.000 Euro Jahresrente auf Lebenszeit bekommt, frage ich mich auch, was gerecht ist. Auch ist die Staatsverschuldung weiter gestiegen, obwohl ich mein fiskalisches Engagement verfünffacht habe.

Es sind vermutlich solche Momente, die Unternehmer dazu verleiten, ihre Steuerpflicht zu gestalten. Spielraum gibt es da manchen. Das reicht vom opulenten Geschäftsessen über den dicken Firmenwagen bis zu Sponsoringaktivitäten und vielem mehr. Und da kann sich eine Moral leicht verselbstständigen, wenn man etwa bestimmte Bereiche nicht „ausschöpft“ und dann meint, man habe an anderer Stelle etwas gut.

Ich halte es da mit dem Vater-unser und der Passage „und führe uns nicht in Versuchung“. Vielleicht empöre ich mich über Hoeneß‘ Vergehen auch deshalb nicht so sehr, weil ich ihn als Vorbild nicht brauchte. Ich fand gut, dass er so denkt und handelt, wie er redete. Dass dies in letzter Konsequenz nicht stimmte, erschüttert mich nicht. Es macht mich allenfalls traurig. Es zeigt aber auch, wie Geld die Sinne vernebeln kann und wie janusgesichtig die Versuchung uns täglich umgarnt.

Mein Vorbild aber ist und bleibt Jesus. Mein Maßstab sind seine Bergpredigt und das Vater-unser, wonach das „täglich Brot“ schon reicher Segen ist. Eine Milliarden Hungernde auf der Welt belegen dies. Und dieses Leitbild führt mich auch in den Momenten, in denen mich vermeintlich keiner sieht. Ich aber sehe mich immer. Das ist eine Frage der Haltung. Und die kommt von innen, nicht von außen. Der „Fall Hoeneß“ lehrt mich, achtsam zu bleiben. Mir tut der Mann leid. Er dürfte so ziemlich alles verloren haben. Das könnte den Blick des 61-Jährigen im dritten Lebensabschnitt ganz neu ausrichten.

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Trend 4: Viele Player kommunizieren mit

Widerstand gegen Stuttgart 21: Die Kommunikation über das Bahnhofs-Projekt hat sich schon früh verselbstständigt.
Widerstand gegen Stuttgart 21: Die Kommunikation über das Bahnhofs-Projekt hat sich schon früh verselbstständigt.

Als ich 1990 in den Journalismus kam, kommunizierten noch immer fast ausschließlich Politik, (Wirtschafts-)Verbände, Kirchen und ein klein wenig die Gewerkschaften. Heute geben selbst auf Kommunalebene einzelne Gemeinderatsfraktionen Pressemitteilungen heraus, Betriebsräte äußern sich öffentlich und Kunden schildern ungefragt ihre Erfahrungen mit einem Produkt oder Service. Mehr noch: Weil vieles nicht mehr in den geordneten Bahnen der Tageszeitung läuft, wird die Kommunikationsagenda komplexer.

Signifikantes Beispiel ist die Kommunikation über das Milliardenprojekt Stuttgart 21. Weil sich viele Gegner der Bahnhofstieferlegung nicht gehört und in der öffentlichen Debatte vertreten sahen, gingen sie eigene Wege der Kommunikation, von der wöchentlichen Montagsdemo über die eigene Zeitung Kontext bis hin zu Blogs und Foren, wo sich Gegner politisch organisierten und artikulierten. Bis hin zum grün-roten Regierungswechsel oder der neuen Opposition in der IHK-Vollversammlung sind die Folgen bundesweit bekannt.

Deshalb ist dieses Trend auch der vierte Punkt in meiner achtteiligen Serie, die ich hier einmal wöchentlich einfließen lasse. Denn Firmen können daraus lernen, achtsam zu kommunizieren statt sich auf den Herr-im-Haus-Standpunkt zu stellen: Weiß der Unternehmer, wie seine Mitarbeiter über ihn reden? Was sagen seine Kunden und Lieferanten über seine Produkte, seinen Umgangsstil oder seine Aufrichtigkeit? Wie und was reden Mitbewerber über ihn? Weiß der Gemeinderat, was auf dem Werksgelände produziert wird, wenn es mal um Erweiterungsflächen oder öffentliche Beeinträchtigungen geht? Was wissen Eltern oder Lehrer über den potentiellen Arbeitgeber für den Nachwuchs? Und wo informieren sich die jeweils Genannten über die Firma?

Dabei sollten Sie auch wissen: Wenn Ihre Zielgruppe über 60 Jahre alt ist, werden Sie in der bräsigen Lokalzeitung nach wie vor gut gehört. Wollen Sie aber junge Leute erreichen, Führungskräfte oder gar internationale Kunden, müssen Sie sich deutlich mehr einfallen lassen als eine harmlose Pressemitteilung, die womöglich noch nicht einmal Zahlen und Fakten beinhaltet. Als Grundregel gilt: Wo Sie Schmerz fühlen, beginnt intelligente Kommunikation (das gilt übrigens auch für Redakteure!). Denn wer nichts (preis-)gibt, kann nichts empfangen. Man muss kein Christ sein, um dieses Prinzip zu verstehen.

Alle Kommunikationstrends:

Trend 1: Fragmentierte Öffentlichkeit

Trend 2: Digitalisierte Kommunikation

Trend 3: Personalisieren, skandalisieren

Trend 4: Viele Player kommunizieren mit

Trend 5: Intern und extern verfließen

Trend 6: Kommunikation wird global

Trend 7: Kommunikation professioneller

Trend 8: Controlling der Kommunikation

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Unseriös: Geschäft mit Business-Preisen

Für mehr als 300 Business-Awards können sich Unternehmen allein in Deutschland bewerben. Wer gewinnt, hat sich meist einer mehr oder weniger harten Prüfung unterzogen. Kunden wurden befragt und das eigene Management. Qualitätsabläufe werden geprüft. Oder eine Service-Agentur schaut hin, wie gut die teilnehmenden Firmen mit Reklamationen oder Innovationen umgehen.

Eine Übersicht, welchen Preis es von wem für wen gibt, bietet das Portal www.biz-awards.de. Dessen Betreiber verkaufen gleich die Beratung mit, wie sich Betriebe optimal um eine der Auszeichnungen bewerben. Fakt ist, dass wer teilnehmen möchte, in der Regel erst einmal Geld in die Hand nehmen muss. Meist sind gleich mehrere tausend Euro fällig, damit die Rater oder eine Jury Bewerbungsunterlagen anschauen und die Teilnehmer sowie deren Umfeld unter die Lupe nehmen.

Den Gewinnern dienen die Preise als Qualitätssiegel, weshalb sie das dubiose Spiel mitmachen. Denn der Preis kommuniziert: (Unabhängige) Dritte haben mich für würdig befunden, diese Auszeichnung zu tragen. Das ist übrigens derselbe Effekt, wie wenn wir Firmen in die Medien bringen und der Unternehmer hinterher sagen kann, das Handelsblatt hat über uns geschrieben oder der Focus berichtet über uns.

Und ähnlich wie Öffentlichkeitsarbeit ein Geschäft ist, sind es die Wettbewerbe. Nur aus meiner Sicht deutlich intransparenter, weil hier Objektivität vorgegaukelt wird. Ein neutrales Urteil kann aber keiner erwarten. Dafür ist das Geschäft mit den Preisen zu lukrativ und zu politisch („Du wirst in meinem Wettbewerb platziert und ich in Deinem“; auch mächtige Mitglieder und Anzeigenkunden müssen von Zeit zu Zeit gewinnen….). Gemunkelt wird also fast immer.

Bei manchen Siegeln entscheidet sogar allein das bezahlte Antrittshonorar über die Platzierung. So lange das fast keiner weiß – und seltsamerweise kein Magazin darüber berichtet – schmälert das die öffentliche Wirkung nicht. Und niemand ist gezwungen, mitzumachen. Vor kurzem allerdings bin ich mal wieder auf ein seltsames Geschäftsgebahren gestoßen, as mich um Aufschreien bringt.

Wer beim Wettbewerb „Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister“ (www.bestedienstleister.de) gewinnt, darf mit dem (nichtssagenden) Logo des Preises werben. Aber nur mit dem. Als Sponsoren des Preises nennt die Webseite des Veranstalters das Handelsblatt und die Schweizer Uni St. Gallen. Will ein ausgezeichnetes Unternehmen deren (bekannte) Logos ebenfalls im Marketing einsetzen, kostet das extra. Dem Vernehmen nach so viel wie das Starterpaket mit knapp 5000 Euro. Abzocke nenne ich das. Wenn man dann noch weiß, wie die Redaktion ihre „Unabhängigkeit“ als Monstranz vor sich herträgt, frage ich mich, warum immer alle nur die „Scheinheiligkeit“ der Kirche kritisieren.

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