Wert von Pressearbeit

Prominente Autorin für unser Online-Magazin

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Wird Autorin unseres im März 2015 gegründeten Online-Magazins: Ex-Sozialministerin Katrin Altpeter, die ab April Schulleiterin einer Altenpflegeschule wird. Diese Woche haben wir die Zusammenarbeit bersprochen. FOTO: STÜWE

Mit Katrin Altpeter hat die-Pflegebibel.de eine starke Partnerin gewonnen: Die 53-jährige Ex-Sozialministerin des Landes Baden-Württemberg wird regelmäßige Kolumnistin unseres Online-Magazins, das aktuell bundesweit pro Monat gut 20.000 Leserinnen erreicht, zu 80 Prozent Altenpflege-Fachkräfte und zu einem Fünftel Krankenschwestern und pflegende Angehörige.

Die Sozialdemokratin hat nach der Mittleren Reife in Waiblingen selbst Altenpflegerin gelernt, vier Jahre in dem Beruf gearbeitet und von 1990 bis 92 die Ausbildung zur Lehrerin in dieser Branche gemacht. Bis 2001 hat sie unterrichtet, war aber zwischendurch zwei Jahre Leiterin des ambulanten Pflegedienstes der AWO in Backnang.

1989 in die SPD eingetreten, saß die Mutter einer mittlerweile erwachsenen Tochter von 1994 bis 99 im Gemeinderat ihrer Heimatstadt Waiblingen, war von 2001 bis 2016 Landtagsabgeordnete und von 2002 bis 2006 Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Rems-Murr. Von 2011 bis 2016 war Altpeter Arbeits- und Sozialministerin der grün-roten Landesregierung von Winfried Kretschmann.

Ab 1. April ist die Sozialdemokratin Leiterin der Altenpflegeschule des Berufsfortbildungswerks (bfw) des DGB in Stuttgart-Bad Cannstatt. In dieser Funktion kann sie sowohl über den konkreten Unterricht wie über die Bildungspolitik und vieles mehr in der Pflegebranche schreiben. „Das bekomme ich zeitlich gut hin“, lacht die Waiblingerin, deren Arbeitstage als Ministerin von 6 bis 23 Uhr sechs Tage die Woche gingen.

Zuvor geht sie aber nochmal für vier Wochen nach Dominica in Urlaub. Von dort stammt der Freund ihrer Tochter, der in Deutschland eine Koch-Ausbildung macht. Wir freuen uns auf ihre vielen Kontakte, ihr Wissen und ihre Themenvorschläge, die den Leserinnen der-Pflegebibel.de zu gute kommen werden.

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Autorenlesung mit PV-Chefredakteur

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Wollen den Polit- und Liebesroman „Zen Solar“, der im Kontext der Energiewende spielt, unter die Leute bringen: Autor Heiko Schwarzburger (von rechts), Eventmanagerin Sandra Wölfer und PR-Berater Leonhard Fromm. FOTO: KELLNER

Heiko Schwarzburger, Chefredakteur der „Photovoltaik“ in Berlin, und ich sind eine Kooperation eingegangen, in der uns Sandra Wölfer, Eventmanagerin aus Aspach, unterstützt: Der ostdeutsche Ingenieur, den ich aus dem beruflichen Kontext kenne, hat nämlich bereits mehrere Bücher im Eigenverlag geschrieben, wo wir ihn nun bei der Vermarktung unterstützen.

Vor allem sein jüngsten Buch „Zen Solar – Roman einer Liebe“ hat es mir angetan, weil die Liebe eines ostdeutschen Journalisten, der über Energiethemen schreibt (!!!), zu einer Frau vor dem Hintergrund der Energiewende und des Atomausstiegs der Bundesregierung spielt. Außerdem sind Bezüge zur politischen Wende 1989, die gleichfalls ein großer Kraftakt war, deutlich verwoben.

Das 464 Seiten dicke Buch in Hardcover, das Interessierte unter order@eglund.de direkt beim Verlag bestellen oder über den Autor, Sandra Wölfer oder mich beziehen können, liest sich flott und spannend. Die faktenreiche Argumentation aus der Feder eines Journalisten lyrisch verpackt hätte ich dem Kollegen, der im Alltag gleichfalls im Nachrichtenstil texten muss, in der Perfektion und Präzision nicht zugetraut.

Der Deal entstand aus einer Laune heraus, weil ich Wölfers Schwester gleichfalls beim Schreiben eines Erfahrungsberichts über die Tourette-Erkrankung ihres Sohnes unterstütze. Da Schwarzburger ohnehin beruflich oft bei seinem Herausgeber, dem Gentner-Verlag in Stuttgart zu tun hat, sind auch die Wege kurz.

Im ersten Step wollen wir nun Autorenlesungen im Umfeld von Banken, Verbänden und Kammern (Rendite auf Energieinvestionen), Kirchen, Parteien und Bürgerenergiegenossenschaften (Bewahrung der Schöpfung, politische Ziele) sowie Kulturzentren (brauchen Frequenz in ihren Räumen) organisieren, wofür ich teils die Adressen und Ideen liefere und Sandra Wölfer die Umsetzung macht.

Nachdem der Ingenieur Schwarzburger fachlich sehr tief in der Materie der Energiewende ist, sich auf dem politischen Parkett in Berlin bewegt und viele Hersteller, deren Projekte, Entwicklungen und Strategien kennt, ist er ein wundervolles Zugpferd, um interessante und relevante Veranstaltungen zu organisieren. Dass er deshalb auch für lokale Zeitungen ein attraktiver Interviewpartner ist, der den örtlichen Veranstalter in die Medien bringt, hat Journalist Schwarzburger bei 60 Lesungen, die er bislang selbst organsierte, bewiesen.

Erfahrungsgemäß kommen 40 bis 80 Zuhörer zu seinen gut einstündigen Lesungen mit anschließender Diskussion, deren Aufwand der Veranstalter bei bislang freiem Eintritt trägt. Typischerweise verkauft Schwarzburger dann 15 bis 20 Bücher auf Anhieb, die er teils aufwändig signiert. „Zufriedene Zuhörer und faszinierte Leser empfehlen mich weiter, was zu weiteren Bestellungen führt“, sagt der Autor, dem die Vermittlung von Fakten zur Energiewende ein wichtiges Anliegen ist und der sich auf dem Podium auch spannende Debatten mit Atomkraft-Befürwortern liefert.

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„Wir hacken die neoliberale Wirtschaft“

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Beim ersten Treffen in Karlsruhe entstehen erste interessante Querverbindungen: Rainer Kroll (r.) hatte die Multiplikatoren eingeladen, die bereits in dialogischen Strukturen zum Kapitalismus eine Alternative leben. FOTO: FROMM

Ein Hauch von makro-ökonomischer 1968er-Debatte liegt im Seminarraum der Karlsruher Wohnanlage „Albgrün“, in der zehn Unternehmer aus dem Badischen und der Region Stuttgart über dialogische Unternehmenskultur als Alternative zur materiellen Dialekt sprechen. Ihr Ziel: Ein sozial- und umweltverträgliches Wirtschaftssystem in regionalen Strukturen kreieren.

Beim Eintreffen am Morgen fällt auf: Die Auswärtigen sind per Bahn angereist. Schon in der Vorstellungsrunde fallen Begriffe wie Kapitalismus, Neoliberalismus oder Neu-Feudalismus, die die Redner kritisch sehen. Die Statements machen aber auch deutlich, dass sich hier Unternehmer treffen, die sehr wohl nach den bestehenden Regeln der Marktwirtschaft spielen können – dies aber nicht mehr wollen.

Da ist Ralph Suikat, der mit einem Partner binnen 20 Jahren eine IT-Firma mit 150 Mitarbeitern geschaffen hat, und der heute einer Unternehmerinitiative fairantwortung.org vorsteht. „Die neoliberale Wirtschaft zu hacken, auch mit anderen Aktionen und Initiativen, ist meine vordringliche Aufgabe“, merkt der 51-Jährige mit dem Laptop auf dem Schoß süffisant an. Oder Peter Bauer aus Speyer, der als Konflikt-Coach Großgruppenprozesse mit bis zu 1000 Teilnehmern moderiert und „auf Konzern-Themen immer weniger Lust“ hat.

Auch Gastgeber Rainer Kroll, der seine Karriere als Kaufmann bei BASF gestartet und als Ingenieur mit Schwerpunkt Architektur mit der Gestaltung von Lebensräumen für dm-Gründer Götz Werner fortgesetzt hat, beeindruckt: Das „Wohnprojekt am Albgrün“, das 30 Millionen Euro Bausumme in 100 Wohneinheiten umfasst, hat er als Mehrgenerationen-Anlage initiiert und projektiert. In mehreren Häusern leben ökonomisch Schwache als Mieter der städtischen Wohnbau, zumeist Ältere als Genossen in Gemeinschaftseigentum sowie junge Familien mit KfW-Förderung als Eigentümer zusammen.

In einem der kleineren Gemeinschaftsräume findet das Treffen statt. Kroll erläutert das Konzept solidarischen Wohnens: „Als im Wohndorf-eigenen Kindergarten 2015 die Erzieherinnen wie überall gestreikt haben, haben die Bewohner die Kinderbetreuung selbst organisiert.“ Im Gegenzug kaufen Jüngere für Ältere ein, Bewohner organisieren untereinander Car-Sharing und Mittagstisch und mit zwei Landwirten gibt es Kooperationen für Bioprodukte.

Für den 57-jährigen Kroll, der seit zehn Jahren bundesweit solche Projekte moderiert, sind seine Wohnkonzepte ein Beispiel für Gemeinwohl-Ökonomie. „In den 1910er-Jahren entstanden im Deutschen Reich binnen zehn Jahren sieben Millionen Wohnungen durch regionale Genossenschaften, in denen der Staat die Rentengelder anlegte,“ verweist der gebürtige Bielefelder auf Vorbilder aus der jüngeren Wirtschaftsgeschichte.

Otmar Donnenberg, 76-jähriger Organisationsberater, der 35 Jahre in den Niederlanden bei Shell und Exxon beschäftigt war und Action-Learning-Projekte im Gesundheitswesen durchgeführt hat, möchte an seinem jetzigen Wohnort Weil am Rhein Krolls Konzept in die Stadtteilarbeit einbringen. Einzige Nicht-Unternehmerin in der Runde ist Monika Spahl. Die promovierte Oberärztin einer Psychosomatischen Fachklinik ist gekommen, „weil das bisherige Wirtschaftssystem die Menschen krank macht.“ Unter ihren Patienten seien „viele Manager, die am Ende sind.“

Sehr viel gearbeitet hat in seinem Leben auch schon Günter Rickert. Als Immobilienfinanzierer hat er nach der Wende ein Vermögen gemacht, das er heute verwaltet. In Dresden gründete der vierfache Vater nebenbei zunächst einen Waldorf-Kindergarten und dann eine –Schule, damit seine Kinder diese besuchen konnten. Mit 65 anderen Kapitalgebern hat er eine Null-Zins-Initiative gegründet, die nachhaltige Projekte finanziert. Dazu zählt eine solidarische Agrar-Initiative, deren Mitinitiator und Buchhalter der Privatier ist.

Dass seine Finanzierungsinitiative Bafin-konform wurde, verdankt der Zahlenmensch einem spezialisierten Finanz-Juristen. Denn zwei Dinge wurden bei dem eintägigen ersten Workshop deutlich: Alternative Modelle müssen rechtskonform sein und ehe das bestehende System nachhaltig verändert wird, wollen sich die Gestalter gegenseitig mit ihren Kompetenzen unterstützen oder in ihren jeweiligen Netzwerken Experten vermitteln.

Für ein zweites Treffen im März wollen sie Vordenker wie Götz Werner (bedingungsloses Grundeinkommen), Rudolf Bühler (schwäbisch-hällisches Landschwein) oder Manfred Gebauer (Edeka-Märkte als Plattform für regionale Produkte) gewinnen. Wichtige Multiplikatoren seien auch Vorstände von Geno-Banken und Kreissparkassen, die regional verwurzelt und auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen sind. Kluge Köpfe ahnen es: Als Kommunikationsprofi gehöre ich diesem Netzwerk an, damit es in den Medien auch Gehör findet.

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Nina Scheer: Keine Alternative zur Energiewende

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Die Energiewende ist auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit: Nina Scheer (2.v.r.) war Zugpferd der Podiumsdiskussion des Solarvereins Rems-Murr. FOTO: PRIVAT

Die Energiewende muss über die Einkommenssteuer finanziert werden und nicht wie bisher über eine Vielzahl an Umlagen, so der Tenor einer Diskussion. Das sei sozial gerechter und marktkonformer, um keine Anreize zu setzen, Abgaben zu vermeiden. Organisiert hatte die zwei Stunden mit 150 Zuhörern aus sieben Energiegenossenschaften im Landkreis der Solarverein Rems-Murr e.V. im Waiblinger Bürgerzentrum.

„50 Prozent der Bevölkerung wären von den Kosten für die Energiewende befreit“, rechnet taz-Redakteur Malte Kreuzfeld vor. Er möchte EEG- und Netzgelt-Umlage, die den Preis je Kilowattstunde (kWh) Strom binnen 15 Jahren auf fast 30 Cent verdoppelt haben, abschaffen und diese Kosten über die Einkommenssteuer finanzieren. „Die Lasten für das politische Ziel der Energiewende müssen gerecht verteilt werden“, so seine Argumentation.

Dazu gibt ihm ausgerechnet Esther Chrischilles Recht. Denn auch die Lobbyistin vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht über den Stromverbrauch die Unternehmen im globalen Wettbewerb der Standorte belastet. Nur vier Prozent der Betriebe seien von der EEG-Umlage, die 24 Milliarden Euro pro Jahr einbringt, entlastet.

Dem widerspricht Nina Scheer, SPD-Bundestagsabgeordnete in Schleswig-Holstein. Die Tochter des früheren Rems-Murr-Politikers Hermann Scheer, der das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) Ende der 1990er-Jahre erfunden hatte, um das Stromsparen und die Energiewende zu fördern, hält an dessen verbrauchsorientierter Intention fest. „Die Frage ist doch nicht, was uns die Energiewende kostet, sondern was es uns kostet, wenn wir sie nicht machen.“

Sie hält eine CO2-Steuer dagegen, die fossile Verbrennung bepreisen würde: „Das wären zehn Cent je kWh, dann können wir die EEG-Umlage gerne abschaffen.“ Laut Scheer bezahlen wir diese schon heute in Form schwindender Lebensqualität und Gesundheit. Jörg Jasper, Energieexperte der EnBW, räumt ein, dass die Umlage-Thematik mittlerweile so komplex sei, dass auch „die Experten sie in Gänze nicht mehr verstehen.“ Für Investitionsentscheidungen fehle die Planungssicherheit.

In der lebhaften Diskussion merkte ein Redner an, dass auch auf die Umlagen Mehrwertsteuer erhoben wird. Andere wollten wissen, auf welche Technologien die Experten bei der Energiewende setzen; ob bei den Ausbauszenarien die e-Mobilität berücksichtigt ist oder ob Bürgerenergiegenossenschaften von dem Ausschreibungsprozedere ausgenommen sind, mit dem die Bundesnetzagentur den Zubau reglementiert.

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Kirche und Wirtschaft im Dialog in Pforzheim

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Engagieren sich, damit Kirchenthemen in den Medien stattfinden: Verleger Albert Esslinger-Kiefer (v.l.), Chefredakteur Magnus Schlecht, PR-Berater Leonhard Fromm, Bernhard Würfel und Pfarrer Ulrich Hilzinger. FOTO: PZ

Rund 20 Unternehmer aus dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer in Deutschland, Regionalgruppe Württemberg, um Pfarrer Ulrich Hilzinger haben am Freitag bei der Pforzheimer Zeitung mit deren Verleger Albert Esslinger-Kiefer, deren Chefredakteur Magnus Schlecht und mir diskutiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kirche heute in der Öffentlichkeit noch stattfinden kann.

Mit Bedauern hörte ich, dass die Zeitung ihre wöchentliche Kirchenseite u.a. deshalb abgeschafft hatte, weil die Kirchen zu wenig Input lieferten. Das deckte sich mit meiner Erfahrung aus zahlreichen kirchlichen Beratungen und Engagements. Während aber einige Teilnehmer dies von sich wiesen bzw. mehr Pressereferenten in Kirchenkreisen forderten, halte ich davon nichts.

Denn auch hier lehrt die Erfahrung, dass interne Kommunikatoren es vor allem ihren Vorgesetzten recht machen wollen statt sich als Dienstleister der Medien zu verstehen. Und in Kirchenkreisen, auch das weiß ich aus Erfahrung, sind Kontrolle und die Sehnsucht „gut dastehen“ zu wollen, größer als einfach wertfrei zu kommunizieren, was ist.

So antwortete ich auf die Frage, welche Medienstrategie ich der Kirche empfehlen würde: Gehen sie zu ihrer (Lokal-)Redaktionen; fragen Sie, wer für sie zuständig ist; erzählen sie, was bei ihnen so läuft und fragen sie den Redakteur, was ihn wie (z.B. als Anruf, Vorankündigung per e-Mail oder Nachbericht) interessiert. Dabei ist hilfreich, auch die Redaktionsrichtlinien zu erfragen, weil die Zeitungsmacher nach dem Gleichheitsgrundsatz verfahren.

Dass die Kirche genügend Themen hat, dürfte für Insider unstrittig sein. Allerdings braucht es dazu auch ein wenig Selbstkritik. Dann kann man z.B. Themen unter dem Blickwinkel anbieten, was Gemeinden tun, um ihren Bedeutungsverlust und ihre Überalterung zu stoppen. Oder wie sie Konflikte lösen. Spannend wäre auch die Recherche, wie in Kirchenkreisen die Migrationsthematik gesehen wird und was konkret dazu in Gemeinden getan wird (nämlich sehr viel).

Doch dann sollten auch kritische Stimmen zu Wort kommen und nicht nur die offiziellen Verlautbarungen. Denn ich weiß zum Beispeil aus Schorndorf, welchen Zoff wir hinter den Kulisse hatten, nur weil der Leiter der muslimischen Gemeinde in einem evangelischen Gottesdienst zu Wort kam. Für Redakteure und deren Leser sind aber vor allem Themen beliebt, die kontrovers sind.

Auch interessiert niemanden eine Lösung, wenn es zuvor vermeintlich kein Problem gab. Gerade die Kirchen, die vielen als nicht mehr relevant gelten, dürften hier kantiger in den Markt, um das Überraschungsmoment für sich zu nutzen. So übernehme ich bis Ostern nun eine Firmgruppe, obwohl ich fast keine Zeit habe. Aber ich möchte bei den 14-Jährigen einen überraschenden Eindruck von Kirche hinterlassen.

So werde ich von meinen beiden Scheidungen erzählen und die Jugendlichen fragen, wessen Eltern auch geschieden sind. Dann werde ich darüber sprechen, wie mir mein Glaube geholfen hat, dieses existenzielle Scheitern zweimal zu überleben. Beim nächsten Mal lade ich vielleicht meinen Bruder ein, damit er erzählt, wie es ihm ging, als seine Tochter an Krebs starb. Die Jugendlichen dürfen dann Fragen stellen. Vermutlich sind wir dann schon „mitten drin“.

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„Wohnqualität entsteht durch die Gemeinschaft“

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Faszinieren die Zuhörer im Nebenraum eines Gasthofes mit ihren Konzepten für solidarisches Wohnen: Rainer Kroll (v.l.), Sabine Weineck und Uli Bopp. FOTO: FROMM

Betriebswirt, Bankdirektor und Steuerberaterin sitzen mit Krankenschwester, Ergotherapeutin und Lehrerin in einem Stuhlkreis. Die Atmosphäre beim Ankommen und nun der Vorstellungsrunde ist freundlich-neugierig, aber zunächst auch reserviert, geht es doch letztlich um ein gemeinsames Bauherrenmodell und damit um viel Geld. Entsprechend sind die Erwartungen der 17 Teilnehmer groß, Details zum Wohnkonzept, den Kosten, der Rechtsform und dem Prozedere zu erfahren, wie sich am Ende die zehn, elf richtigen Partner finden.

Erstaunlich jung ist die Schnupperrunde dafür, dass es bei dem Wohnprojekt „Mörike-Park“ in bester Schwäbisch Gmünder City-Lage darum geht, dass man idealerweise bis an sein Lebensende darin bleiben kann. Ausgeprägte Nachbarschaftshilfe und Hightech-verkabelte Wohneinheiten, die im Bedarfsfall ohne Aufwand mit Sensoren, Bewegungsmeldern und Telemedizin-Monitoring nachgerüstet sind, sollen dies ermöglichen. Denn das letzte von drei Baufeldern wird auf diese Weise kultiviert.

Neben Ideengeber Uli Bopp, einem IT-Spezialisten aus Donzdorf, der den illustren Kreis in seinem sozialen Umfeld organisiert hat, präsentiert Rainer Kroll als Wohnprojektberater  aus Karlsruhe das Konzept. Der 56-jährige Kaufmann und Architekt hat mit seiner Firma „wohnprojekt-beratung und entwicklung“ vor allem im Südwesten von Deutschland mehrere solche Objekte mit 300 Eigentümern realisiert und Prozesse mit bis zu 120 Partnern moderiert.

Konkret geht es nun in Gmünd um ein städtisches Filet-Grundstück mit 900 Quadratmetern, auf das sich Bauherrengemeinschaften bis 5. Oktober bewerben konnten. Bopp tat dies kommissarisch, um das gemeinsame Projekt am Montag, 19. Dezember, im Gemeinderat präsentieren zu dürfen, der dann entscheidet. Die Folge: Bopp und Kroll brauchen bis dahin mindestens sieben Bauinteressierte, die gut 2000 Euro im ersten Schritt investieren, um das Vorhaben weiterzutreiben.

Denn das Duo ist schon jetzt deutlich in Vorleistung gegangen und es braucht noch viel gute Arbeit von Architekten. Daher soll das Risiko zwischen allen Beteiligten ab jetzt zumindest bedingt gesplittet werden, um Verbindlichkeit herzustellen und gegenüber der Stadt glaubwürdig zu sein. Krolls Erfahrung aus zehn Jahren mit solchen Projekten: „Wir brauchen 100 bis 200 Interessierte, um am Ende Bewohner für zehn, elf Wohnungen beisammen zu haben.“

Das Faszinosum für die Besucher, die beim ersten Treffen gebannt den sozialen, baulichen, kaufmännischen und juristischen Ausführungen folgen: Bislang seien nur zwei Projekte gescheitert. Und beide Male nicht an fehlender Nachfrage, sondern an äußeren Umständen wie etwa Mängeln am Baugrundstück. In Gmünd dagegen verkauft die Stadt das Areal deutlich unter Wert, möchte aber im Gegenzug ein bundesweit möglichst einmaliges Nutzungskonzept.

Daher ist Bopp mit seinem SoLeWo-Konzept (Solidarisch Leben und Wohnen), für das er zwei Drittel Interessenten aus dem Kreis Göppingen, Schorndorf oder Oberkochen in der ersten Runde sitzen hat, für das Areal interessant. „Der übliche Weg einer Immobilienvermarktung ist es ja, etwas vermeintlich Individuelles via Hochglanzprospekt anzubieten, aber letzlich ist das Interesse der Macher nur die Marge“, sagt Ex-BASF-Kaufmann Kroll, der schon für dm-Gründer Götz Werner geplant hat. Er geht den umgekehrten Weg, wie der Abend im Nebenzimmer eines Gasthofs in Waldstetten belegt: Die Käufer passen sich nicht einem fertig geplanten Haus an, sondern gestalten es von Grund auf selbst.

„Die Entwicklung eines Gemeinschafts-Wohnprojektes erfolgt im Rahmen einer dialogischen Projektentwicklung“, beschreibt Kroll seine Methode. „Das Gespräch miteinander ist die beste Voraussetzung, dass sich die Beteiligten kennenlernen und eine gute und verbindliche Gemeinschaft bilden.“ Das Projekt gelingt demnach mit den Beteiligten, die miteinander können und wollen „Die Moderation ist deshalb wichtiger als die Planung“, sagt Kroll der zwar Architekt ist, aber als Moderator selbst nicht mehr plant. Er und Bopp haben für das Planen einen renommierten, ortsansässigen Architekten gewonnen, der dann die individuellen Kundenwünsche mit lokalen Handwerkern umsetzt.

„Wir werden trotzdem nicht teurer sein und sind auf lange Sicht definitiv günstiger“, prophezeit Kroll, der immer wieder Nachfragen aus der Runde zulässt, die teils seine Kollegin Sabine Weineck beantwortet. So seien von einer Eigentümergemeinschaft über eine Genossenschaft bis zur Aktiengesellschaft viele Finanzierungsformen möglich und anderenorts erprobt.

All diese Details, so wird den Interessenten immer klarer, entscheidet die Bauherrengemeinschaft gemeinsam nach Abwägung aller Details, Befürchtungen und Spezifika. Dasselbe gilt, unter welchen Bedingungen vererbt, verkauft oder vermietet werden darf. Auch das muss diskutiert werden und lässt sich regeln.

„Jedes Betreibermodell ist anders,“ sagt Kroll. Bauten etwa überwiegend junge Familien mit den auf sie abgestimmten Fördermitteln, werde die Rechtsform darauf angepasst. Kauften überwiegend ältere Barzahler, spiele dieser Aspekt keine Rolle. Dasselbe gilt für Größe und Zuschnitt der Wohnungen oder Proporz von Privat- und Gemeinschaftsflächen. Letztere umfassen bei anderen von Kroll projektierten Objekten Multifunktionsräume für Hausveranstaltungen, halb-öffentliche Cafés oder Gästezimmer.

In Karlsruhe entwickelte er mit beteiligten Bürgern ein mehrteiliges Projekt mit einem Gesamtvolumen von 100 Wohneinheiten und 30 Millionen Euro, das in drei Rechtsformen sogar Geschäftsräume für eine Arztpraxis, einen ambulanten Pflegedienst und eine Kita umfasst. Hier organisieren die Bewohner untereinander Kinderbetreuung, Nachbarschaftshilfe und Car-Sharing. Mit zwei Biobauern bestehen Kooperationen, die die Bewohner mit Naturalien beliefern. Im Gegenzug gärtnern diese dort teils mit und für Kinder finden erlebnispädagogische Aktivitäten auf den Höfen statt.

Bopp arbeitet in Gmünd seit 2010. In einer städtischen Immobilie organisiert er im Auftrag des Fördervereins Riedäcker in Bettringen Gemeinwesenarbeit. Dabei verknüpft er die Belange von knapp 60 Senioren, die von dem Träger Vinzenz-von-Paul betreut werden, und Anwohnern des Quartiers. Beide Gruppen führt er in kulturellen und sozialen Angeboten zusammen. Dabei vernetzt er generationenübergreifend die personellen Ressourcen von Kirche, Stadt und Sozialträger.

„Hier habe ich viel gelernt, etwa wie man Verträge gestaltet, Ehrenamtliche gewinnt oder dass sich Menschen im Alter verändern“, sagt Bopp, der auf Grund seiner Arbeit vielfältig mit der Stadt verbunden ist und deshalb seine Chance gekommen sah, als die Stadt das Bauherrenmodell ausschrieb. „Wohnqualität entsteht nicht durch das Gebäude, sondern durch die Gemeinschaft“, ist Bopp überzeugt, der selbst nach Gmünd in sein Objekt ziehen würde und die Schwiegermutter gleich mitbrächte.

In der offenen und lebhaften Diskussion zeigt sich an dem spannenden, intensiven Abend rasch das Spektrum menschlicher Vielfalt: Sehen die einen die Chancen, thematisieren die anderen die Risiken. Und wollen die einen über Baustandards diskutieren, ist den anderen wichtig, wie man Nähe und Distanz idealerweise in einer solchen Gemeinschaft auslotet.

Kroll bedauert, dass man nun diesen Zeitdruck hat, was die übliche Teamentwicklung erschwere. Andererseits hätten auch die fünf, sechs Mitbewerber, die Anfang Dezember ihre Konzepte öffentlich vorstellen, dieses Problem. An dem noch festzulegenden Samstag können sich Bauinteressierte Alternativen anschauen und ihren Anbieter noch wechseln.

Das anspruchsvolle Konzept, das sich Bopp unter dem Label SoLeWo hat schützen lassen, steht dann im offenen Wettbewerb. Dem Vernehmen nach gibt es mindestens 30 Interessierte, die dort jetzt schon kaufen und wohnen wollen. Bislang vor allem wegen der Lage. Das nächste Treffen, das Bopp und Kroll für Interessierte am „Mörike-Park“ ausrichten, findet am Montag, 24. Oktober, um 18.30 Uhr im Bettringer Begegnungszentrum, In den Riedäckern 31, statt. Dort, wo Bopp die Gemeinwesenarbeit macht.

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PR-Workshop am Sonntag in Leonberg

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Am Sonntag beim SportForum in Leonberg: Beim Evangelischen Jugendwerk spreche ich über Öffentlichkeitsarbeit und im Workshop geht es darum, warum Kinder und Eltern sich für einen christlichen Verein entscheiden sollten.

Über Öffentlichkeitsarbeit referiere ich am Sonntag beim SportForum des Evangelischen Jugendwerks in Leonberg im Haus der Begegnung. Erwartet werden 100 Teilnehmer aus 48 Bezirken, die im Evangelischen Sportverband, dem Eichenkreuz-Sport Württemberg oder der CVJM organisiert sind. Denn nicht zuletzt nehmen die Konfirmanden aller Gemeinden jährlich an einem Turnier, dem sogenannten Konficup, teil.

Über diese Schiene hat die evangelische Landeskirche gute Strukturen für ihr Nachwuchsrekruiting. Und dennoch scheint es an Bindekraft zu fehlen, weshalb man auf mich als einer von drei Referenten für den Tag kam. Am Nachmittag vertiefe ich mit Interessierten in einem Workshop, warum Jugendliche gerade bei ihnen Sport treiben sollen und wie die Verantwortlichen mit diesen Argumenten ihre  lokale Öffentlichkeit erreichen.

Im Kern geht es letztlich ums Verkaufen, worin erfahrungsgemäß nahezu alle kirchlichen Mitarbeiter und Ehrenamtlichen schlecht sind. Meine Vermutung: Die christliche Erziehung zur Bescheidenheit stellt den Betreffenden genau an dieser Stelle ein sehr kontraproduktives Bein. Aber auch: Weil es früher zur Kirche keine Alternative gab, haben die Verantwortlichen nicht gelernt, wie Wettbewerb geht. Im Kern geht es dabei auch uim Verdrängung, denn Jugendliche können sich ja nicht klonen.

Das Spannende ist die Analyse: Mit welcher Begründung soll ein Kind in meine kirchliche Jugendarbeit statt in den Klavierunterricht der städtischen Musikkschule, ins Balett der privaten Tanzschule oder ins Training eines säkularen Vereins? Einiges ist da sicher auch Zufall, wohin die Freunde gehen, wie andere Termine liegen etc. Im Kern geht es aber auch darum, was ich in meiner Jugendarbeit leiste und an Mehrwert biete, z.B. soziale Kompetenzschulung, Persönlichkeitsentwicklung, Spiritualität, Bewältigung von Lebenskrisen.

Interessiert? Neugierig? Mehr dazu in meinem Workshop am Sonntag ab 14 Uhr. Am Morgen findet um 10 Uhr in der Stadtkirche ein Gottesdienst statt, ehe es im Plenum zu den Vorträgen geht. Ich freue mich auf den Tag, die Begegnungen und die Impulse. Am Freitag, 14.10., bin ich übrigens ab 17 Uhr bei der Pforzheimer Zeitung, wo ich beim Arbeitskreis „Kirche & Wirtschaft“ vor christlichen Unternehmern spreche. Montag, 17.10., referiere ich um 19 Uhr bei der IHK in Heidenheim.

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Urlaubstipp: Rekreation an der Ostsee

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Gestern morgen um 8 Uhr: Blick von der Feuerstelle auf das wunderbare Kleinod, das hinter dem Haus nochmals einen großen Garten hat. Hier verbrachten wir unvergessliche Tage in der Weite der Natur. FOTO: FROMM

Nach elfstündiger Bahnfahrt bin ich gestern gegen 22 Uhr mit meiner Frau von Luckow bei Uekermünde aus einem sechstägigen Urlaub zurückgekehrt. Die Tage an der polnischen Grenze in mitten des Naturschutzgebietes Stettiner Haff waren einmalig erholsam. Mit dem sonnigen Wetter hatten wir zusätzliches Glück.

Das letzte Stück mussten wir mit dem Taxi an- und abreisen, weil Luckow nur wenige hundert Einwohner hat und unser Domizil nochmals rund 1500 Meter außerhalb des Orts an einem Waldrand hinter einem großen Mais- und Schilffeld lag. Im Schuppen standen uns aber Fahrräder zur Verfügung, so dass ich täglich die Fahrt zu Edeka nach Ueckermünde machen konnte, um unseren Tagesbedarf (u.a. für mich Lübzer Pils, Lokalzeitungen wie Nordkurier, Ostsee-Zeitung etc.) zu decken.

Im Nachbardorf Bellin (6 km) gibt es immerhin täglich von 7 bis 9 Uhr frische Brötchen (samstags auch in Luckow im „Saloon“!) und ganz in der Nähe (3 km) hatte täglich ein Obst- und Gemüsestand offen. Und außerdem gibt es noch Carmen und Norbert, die 300 Meter weiter wohnen und bspw. 30 Hühner halten, wo es zehn Eier für zwei Euro und ein Schwätzchen gratis gibt.

In Summe war der Urlaub sehr preisgünstig, weil wir am liebsten „zu Hause“ waren, weshalb wir (also meine Frau) dort auch einfach kochten. Die meiste Zeit haben wir gespielt („Take it easy“), gelesen (hatte zwei Bücher dabei), geschlafen (nachmittags!), im Hauspool zwischen den Sonnenblumen gebadet, sind Spazieren gegangen, ich Rad gefahren und mit Einbruch der Dunkelheit habe ich viermal abends ein Feuerchen gemacht.

Das Haus, die Gegend und diese netten Menschen kann ich nur jedem für einen Urlaub (oder eine Investition) empfehlen. Vielleicht verdrängen die Herzlichkeit der Einheimischen (und deren Fleiß) und die der Gäste dann eines Tages auch wieder die rechtsradikale Gesinnung, die im Vorfeld der heutigen Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern leider sehr unappetittlich in Form von mehr NPD- und AfD- als von SPD- und CDU-Wahlplakaten sichtbar war.

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Flüchtlinge in Deutschland: Klartext reden

014 Ev. Gemeindeblatt
Wohltuender Tabubruch: Das Evangelische Gemeindeblatt lädt seine Leser ein, ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen zu schildern.

Dass die Medien im Kontext der Flüchtlingsberichterstattung als Lügenpresse in Verruf gekommen sind, haben sie meines Erachtens mit selbst verschuldet. Der Grund: Die Verantwortlichen in den Redaktionen glaubten vermutlich, mit einer kritischen, also faktenorientierten Berichterstattung migrationsfeindlichen Tendenzen Vorschub zu leisten. Das Gegenteil aber war der Fall. Verschweigen schürt Mißtrauen.

Das Beispiel zeigt, dass sich in den Redaktionen offenbar nichts geändert hat, seit ich ihnen 2002 den Rücken gekehrt habe. Noch immer meinen Redakteure offenbar zu wissen, was gut ist für ihre Leser und mit welchen Informationen sie überfordert sind. Welche Arroganz. Live erlebt habe ich das während meines Volontariats 1990/91 und meinen ersten Berufsjahren als die Republikaner im Südwesten so stark waren.

Nun lese ich wieder in (fast) keiner Zeitung, wie schlecht bspw. die Qualifikation der allermeisten Flüchtlinge ist; wie reaktionär deren Frauenbild oder ihre Motivation, den vorgeschriebenen Deutschkurs zu besuchen. Und wenn leise Kritik geäußert wird, wird diese sofort mit Fluchttraumata, der (schlechten) Unterbringung oder der Trennung von Familie und Freunden relativiert.

Das alles stimmt. Und doch will ich nicht immer nur diese Seite hören, sondern auch jene, dass in dieser (christlich geprägten Hightech-)Gesellschaft nur ankommt, wer sich schnellstmöglich integriert. Und dazu gehört primär die Sprachkenntnis oder die Fähigkeit des gezügelten Umgangs mit Alkohol, erst recht, wenn man ihn aus religiösen Gründen ohnehin meiden sollte.

Flüchtlinge haben bei allem Respekt vor ihrer Biographie eine Bringschuld, die m.E. groß ist. Schließlich ermöglichen Demokraten und Christen wie ich den Zugang in unser Land, wir finanzieren ihren Aufenthalt und versuchen gleichzeitig noch unsere Mitbürger bei der Stange zu halten, damit diese nicht heimlich oder offenkundig AfD wählen und mit den Pegida-Leuten auf die Straße gehen (, was zu einer weiteren Belastung unserer Polizei führt).

Das Evangelische Gemeindeblatt hat nun mit seiner Doppel-Ausgabe 32-33/2016 vorgemacht, wie ich mir eine ausgewogene Berichterstattung wünsche. Hier kommen Helfer zu Wort, die beschreiben, wie mühselig die Patenschaft für einen Flüchtling ist, weil er etwa Tugenden wie Pünktlichkeit oder Verbindlichkeit erst lernen muss. Ich selbst vermiete bewusst an eine fünfköpfige afghanische Familie und weiß (ein wenig), wovon ich spreche.

Wer etwa als Migrant in einen Rechtsstaat flüchtet, sollte sich an dessen Regeln halten und wenn es Monate dauert, alle Formulare beisammen zu haben. Seinen Pflichten stehen dann aber unverbriefbare Rechte gegenüber. Und er sollte wissen, sein Deutschkurs kostet 1000 Euro,  den deutsche Bürger ihm ermöglichen. Einfach unterzutauchen und zu Verwandten weiterziehen, ist keine Lösung.

Wenn die einen in unserer Gesellschaft den Fremden nicht nur Hass entgegenbrächten und die anderen nicht nur Naivität, kämen wir mit der Integration sicher deutlich weiter. Die zumeist jungen Männer sind klare Ansagen kulturell bedingt gewohnt. Dazu gehört für mich auch, dass unsere Grenzen vorerst zu bleiben bis die Behörden verdaut haben, was da an Mehraufwand kam. Denn auch die Mitarbeiter in den Job-Centern etc. sind meine Nächsten.

Die Serie im Evangelischen Gemeindeblatt werde ich mit Interesse verfolgen. Danke, liebe Kollegen, für euren journalistischen Mut.

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Was Journalisten und Theologen verbindet

Mit großem Gewinn habe ich jüngst Heribert Prantls Beitrag „Zeugen der Wahrheit“ in dem kirchenkritischen Magazin Publik Forum gelesen. Der Jurist und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen macht dort deutlich, dass es Theologen, Juristen und Journalisten im Kern um die jesuanische Frage „Was ist Wahrheit?“ vor Pontius Pilatus gehen muss.

Dabei geht es nicht um die politische Klugheit des römischen Statthalters, sondern darum, das Verborgene sichtbar zu machen, für das es von Profiteuren Bestrebungen gibt, diese unsichtbar zu halten. Dort ist der Journalist gefordert, Mißstände offenzulegen, etwa dubiose Waffengeschäfte, Steuerhinterziehung oder Korruption.

Entsprechend war für Prantl wie für mich die Offenlegung der „Panama Papers“ vor wenigen Monaten eine Sternstunde des internationalen Journalismus. Die Wahrheit über gigantische Mißstände, die Strukturen der schmutzigen Geschäfte und deren Dimensionen kamen „ans Licht der Öffentlichkeit“. Und international teilten Journalisten untereinander die Aufgaben statt auf die eigene Exklusivität zu achten.

Und ein zweiter Aspekt in dem Essay gefällt mir: Prantl charakterisiert Martin Luther als „wirkmächtigen Journalisten“, der die Mißstände des Ablaßhandels in deutscher Sprache offenlegt, weshalb der neue Erlanger Ehrendoktor der Theologie Luther als Schutzpatron der Journalisten vorschlägt. Doch diese haben mit Franz von Sales bereits einen.

Der Bischof von Genf lebte im 16. Jahrhundert und versuchte, die calvenistischen Konvertiten wieder zum Katholizismus zu bekehren. Weil dies bei Strafe verboten war, so hat auch Prantl recherchiert, druckte er seine Predigten auf Flugblätter, die er an Scheunen, Tore und Bäume heftete. Dabei bediente er sich nicht einer Polemik, sondern präziser Fakten und argumentierte wie zuvor Luther auf Deutsch statt dem vorgeschriebenen Kirchenlatein.

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